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Der Schattenmann

Starker Wille, viele Ideen – Thilo Weiermann führt das auf Sonnen- und Wetterschutz spezialisierte Familienunternehmen Weinor. Der ehemalige Handwerksbetrieb liefert heute in 32 Ländern Maßgeschneidertes für die heimiwsche Terrasse.

Eine Markise anbringen? Für Thilo Weiermann wäre das nichts. Zum Handwerker ist der Kölner Unternehmer nicht geboren, das gibt er ohne Umschweife zu. In seiner ersten Wohnung hatte er einst die Lichtschalter selbst angebracht. Einen Versuch war es wert. Kurz darauf kam der Schwiegervater vorbei. „Er riss alle wieder raus – und hat sie noch mal ordentlich montiert“, erinnert sich Weiermann. Wie es eigentlich geht, habe er genau gewusst. Allein: Es fehlte das Geschick.

Dieses Können braucht Weiermann auch nicht. 30 Jahre später steht fest, wo seine Stärken liegen: Einen Mittelständler auf Erfolgskurs halten, das ist sein Metier. Thilo Weiermann ist Chef von Weinor. Das Kölner Unternehmen beschreibt sich als Marktführer bei „Sonnen- und Wetterschutz auf Terrassen“ – in Deutschland sowie in Nordeuropa. Fest steht: Der 53-Jährige ist einer der erfolgreichsten Lieferanten für Schatten weit und breit.

„Erfolgreich sein, jeden Tag und jede Stunde“, so lautet Weiermanns Anspruch. Er stellt ihn an sich selbst, aber auch an Mitarbeiter und Partner. Gutes Management lasse sich auf mentale Fragen reduzieren: „Ich denke extrem prozessorientiert“, sagt Weiermann. Solche Klarheit ist nötig, um die komplexe Fertigung im Griff zu behalten. Denn der fest installierte Sonnenschutz wird bei Weinor maßgeschneidert – und das nicht nur was die Länge und die Breite betrifft. Verbraucher können bei Markisen zwischen 15 Produktserien, 160 Tüchern und bei den Gestellen aus über 200 Farben wählen. „Das Ergebnis sind Tausende Varianten“, sagt Weiermann. ­Jeder Kunde bekommt so etwas wie ein Unikat.

Perfektionismus als Prinzip

Zehn Tage nach Bestellung soll die Markise fertig sein, verspricht Weinor. Akribisch arbeitet Weiermann daran, das Versprechen einzuhalten. Mehrere Zehntausend Stück produziert das Unternehmen pro Jahr und liefert in 32 Länder. Stets versucht Weiermann Abläufe zu verbessern und hat dabei jedes Detail im Blick. Bei den Tragkonstruktionen aus Metall wird die Pulverbeschichtung von Hand auf Unebenheiten geprüft. „Auch wenn eigentlich keiner merken würde, wenn da ein winziger Hubbel ist“, sagt er. Doch wer Perfektion predigt, darf selbst Kleinigkeiten wie diese nicht durchgehen lassen.

Mitarbeiter, die bei der Montage schwer heben müssen? Weiermann arrangiert die Fertigungslinie um. Auch das IT-System muss die Abläufe bis ins Letzte nachbilden können. Software von der Stange kommt da nicht in Frage. Weinor nutzt ein eigenes ERP-System, das die Unternehmensabläufe steuert. „Jeder Prozess, von Angebot bis Auslieferung, wird von unserer Lösung abgedeckt.“ Der hohe Anspruch gilt auch für die Beschäftigten. „Wir erwarten viel“, sagt Weiermann. „Wir geben allen die Chance, Verantwortung zu übernehmen, und wissen Zivilcourage zu schätzen“, sagt er. Doch er sieht sich selbst den Mitarbeitern genauso verpflichtet. Höflichkeit und respektvoller Umgang sind oberstes Gebot. Ebenso: „Wir wollen nicht nachtragend sein.“ Dass es Konflikte geben kann, ist für ihn selbstverständlich. Mehr noch: Eine gewisse Reibung ist sogar gewünscht. Denn anders zu denken, damit beginne stets ein kreativer Prozess. Wer innovativ sein will, muss sich auch mal irren dürfen und zugleich mit Kritik umgehen können. „Das Wichtigste an jeder Entscheidung ist der Weg dorthin.“ Oft sind es Hinweise der Leute, die vor Ort Tücher vernähen oder Gestänge zusammensetzen, die den nächsten Tick mehr Effizienz bringen. Vertrauen als Ansporn: „Damit das bei uns ankommt, ist eine hierarchiefreie Sprache nötig.“ Es funktioniert offenbar: Die Fluktuation sei gering, sagt Weiermann, oft würden Mitarbeiter Freunde und Bekannte anwerben.

Rund 70 der knapp 300 Weinor-Beschäftigten arbeiten in Möckern, einer kleinen Gemeinde in Sachsen-Anhalt. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung beschloss der Vater des heutigen Geschäftsführers und Weinor-Gründer Dieter Weiermann, in Ostdeutschland tätig zu werden. Nicht ökonomisches Kalkül war ausschlaggebend. „Mein Vater sagte sofort: Lass uns da investieren, wir müssen Arbeitsplätze schaffen. Das war ihm ein ­persönliches Anliegen.“ In Möckern waren sie überzeugt vom Leiter der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). „Er war perfekt organisiert, hatte für jede Maschine ein eigenes Lager mit Ersatzteilen zusammengetragen – denn die waren ja nicht zu bekommen“, sagt Thilo Weiermann. Also startete man dort.

Draußen zuhause

Heute liegt in Möckern der Schwerpunkt auf dem Bau von Markisen. Der Hauptstandort in Köln dagegen bewegt sich zunehmend auf neueren Geschäftsfeldern. Eines davon heißt Kalt-Wintergärten – das Produkt ist fast lyrisch „Glasoase“ getauft und kann je nach Größe und Ausstattung mehrere Zehntausend Euro kosten.

„Draußen zuhause“ lautet der Werbespruch, mit dem Weinor einlädt, Couch und Sessel aus dem Haus zu bewegen. Geschützt von gläsernen Schiebetüren und einem Glasdach wird die Terrasse zum Wohnzimmer – Licht und Heizung inklusive. Dabei gehe es gar nicht um mehr Fläche zum Leben. „Unsere Kunden haben in der Regel genug Raum, sie wollen aber mehr Zeit im Garten verbringen“, sagt Weiermann. Menschen über 45 Jahre mit Familie und einem Einkommen ab 3.000 Euro im Monat, die im eigenen Haus leben – so umreißt Weiermann seine Kernkundschaft. „Sie wissen genau, welches Problem sie gelöst haben wollen“, sagt er und sieht Weinor entsprechend als „produzierendes Dienstleistungsunternehmen“.

Was es zu bieten hat, können Kunden in den Ausstellungshallen in Köln-Ossendorf erkunden. 2014 eröffnete Weinor dort das neu gebaute Bürogebäude – mit einem Showroom im Erdgeschoss. Auf 1.000 Quadratmeter Fläche reihen sich Glasoasen an Terrassen mit festen Dächern oder Markisen – möbliert zum Probesitzen. Eine Kaffeebar darf nicht fehlen, vis-à-vis zu den Tischen für Beratungsgespräche. Verkaufen will Weinor hier aber nicht und vertraut voll auf die Fachhändler – denen das Unternehmen nicht in die Parade fahren möchte. „Der Direktvertrieb hat Schwächen“, sagt Weiermann mit Blick auf das saisonal schwankende Geschäft. Er sieht die Gefahr, dass die Monteure bei diesem Modell in Stoßzeiten eine hohe Ordermenge nicht mehr abarbeiten könnten. Seine Partner seien zentral für die Akquise – Weiermann schult sie entsprechend: „Der Handwerker im Dorf wirbt mit seinem Ruf“, sagt er. „Die meisten Aufträge kommen durch Mundpropaganda.“

Bekannter werden will Weinor dennoch. Weiermann unterstützt als Sponsor den aufstrebenden Basketball-Zweitligisten Rheinstars. „Neu, ehrgeizig, risikobereit“, lobt er den Klub, der erst vor vier Jahren in Köln gegründet wurde. „Das Projekt passt zu uns.“ Ausruhen kommt für sein Unternehmen nicht infrage, das zeigt auch der Innovationsdrang: Etwa zehn Prozent der Weinor-Beschäftigten sind in der Entwicklung tätig. Komfort und Langlebigkeit sind Maßgabe für Innovationen. „UV-Licht setzt Farbe und Material zu“, erläutert Weiermann. Er kauft sein Tuch deshalb bei hochklassigen Lieferanten in Österreich und Italien ein. Beim Färben setzt Weinor auf Spinndüsen-Technik. Dabei werden die Fasern schon mit Farbpigmenten versehen, bevor daraus der Faden gemacht wird. Die Farbe hält länger, als wenn sie nur auf das fertige Gewebe aufgetragen wird. Patentiert ist eine Sicherung, die ein Hochschlagen der Markise bei Wind verhindert. Fast 300 Schutzrechte hat das Unternehmen seit der Gründung 1960 angemeldet.

Lösungen finden, das heißt für Weinor auch heute noch häufig: selber machen. Schlösser für die Wintergärten etwa kaufte Weiermann lange zu – und ärgerte sich über Rost. Inzwischen werden sie in Eigenregie aus Edelstahl gefertigt. Auch LED-Lichter für Markisen baut Weinor. „Die großen Hersteller lassen ihre Serien nach ein paar Jahren auslaufen. Wir wollen sicherstellen, dass es Ersatzteile gibt“, argumentiert der Chef.

Handeln per Handschlag

An Arbeit hat sich Weiermann früh gewöhnt: Als Sechsjähriger klebte er im Betrieb Etiketten auf, um sich Taschengeld zu verdienen. Mit seinen Freunden spielte er in der Kindheit auf Baustellen nahe seinem Zuhause, das wie die Produktion in Ossendorf lag. „Wenn ich später in Urlaub fahren wollte, musste ich vorher drei Wochen arbeiten.“ Ein geerdeter Typ, das will er auch als Firmenchef bleiben. Bei Verträgen verlässt er sich eher auf das gegebene Wort als auf lange Verträge: „Wir sind Handschlagleute“, sagt der Junior.

Er übernahm 1991 die Führung des Unternehmens. Im gleichen Jahr erwarb die Schweizer Griesser Holding AG die Mehrheit an Weinor. Doch der Spezialist für Fensterbeschattung gewähre große Freiheit, sagt Weiermann. „Sie segnen unsere Strategie und unser Jahresbudget ab – und dann versuchen wir, erfolgreich zu sein.“ Er selbst ist noch zu 21 Prozent an Weinor beteiligt, sein Vater hält weitere fünf Prozent. „Ein Familienbetrieb sind wir insofern noch immer“, so Weiermann, der nach wie vor große Stücke auf seinen Vater hält. Als eigene Stärke habe der Sohn „die Ideen“ eingebracht. Nach seinem Einstieg in die Firma saß er abends oft mit dem Vater im Büro und unterhielt sich. Ein wichtiger Rat blieb besonders gut hängen: „Es gibt immer einen, der billiger ist. Aber nicht immer einen, der besser ist.“ Was ganz simpel klingt, ist so für ihn zur Lebensaufgabe geworden.

(c) Creditreform-Magazin

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