fit-for-life-dr-michael-spitzbart-klärt-über-das-blutbild-aufWer sein Blutbild optimiert, senkt das Risiko vieler Erkrankungen enorm, weiß Dr. Michael Spitzbart. © Julian Rentzsch

entspannt, Gesundheit

» Unbekannt und doch so nützlich «

Der Darm hat es in sich. Könnte man sämtliche Bakterien der Darmflora isoliert auf die Waage bringen, kämen zwei bis drei Kilogramm äußerst nützlicher Keime zusammen. Von der Schulmedizin werden sie häufig leider vergessen.

In unserem Darm tummeln sich mehr Bakterien, als wir Zellen im Körper haben. Der bekannteste Vertreter dieser über 100 Billionen Nützlinge ist Escherichia coli. Dieser Keim gehört zur obligaten Darmflora des Menschen, ernährt die Darmzotten und stimuliert das Immunsystem. Enterokokken gehören wie die Laktobazillen ebenfalls zur physiologischen Flora. In ausreichender Konzentration hemmen sie das Wachstum von Fremd- und Fäulniskeimen. Bifidobakterien reduzieren die Gasbildung im Darm. Weitere Vertreter sind Klebsiellen, Citrobacter, Proteus, Pseudomonas, Clostridien und verschiedene mehr.

Liegen die Bakterien in ausreichender Konzentration und im richtigen Verhältnis vor, bleibt der Darm gesund. Fremdkeime und Pilze haben so keine Chance, den Darm zu besiedeln. Erst bei einem Missverhältnis (Dysbakterie) können die verschiedensten Krankheiten auftreten. Von banalen Blähungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis hin zu Krankheiten, bei denen man gar nicht an den Darm als Ursache denkt: Allergien, Asthma, Akne, Ekzeme, Migräne, ein gestörtes Immunsystem bis hin zu mangelnder Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen (Malabsorption).

Stiefkind der Schulmedizin

Leider ist die physiologische Darmflora ein Stiefkind der Schulmedizin. Höchstens die Heilpraktiker nehmen sich ihrer an. Zum Beispiel kann sie nach der Einnahme von Antibiotika massiv gestört sein. Woher sollen denn die oft vorschnell verschriebenen Antibiotika wissen, welche Keime gut und welche schlecht sind? Die nützlichen werden natürlich genauso abgetötet wie die schädlichen. Wer häufiger Antibiotika eingenommen hat, der kann schon einmal davon ausgehen, dass seine Darmflora gestört ist. Die Schulmedizin spiegelt zwar den Darm (Koloskopie), das war es dann aber auch. Bakterien werden nicht untersucht. Sie sind nach dem Glauben der Schulmedizin genau wie die Vitamine immer ausreichend vorhanden. Wer nachmisst, weiß: Das stimmt nicht!

Das Gleichgewicht wieder herstellen

Bei gesundheitlichen Problemen sollte man also auch immer daran denken, den Darm zu sanieren. Dazu schickt man eine Stuhlprobe mittels eines speziellen Testkits (bitte kein Marmeladenglas!) ans Labor, wo die Darmflora dann untersucht wird. Bei einer bakteriellen Fehlbesiedelung gibt es dann eine genaue Anleitung, welche Bakterien (zum Beispiel mittels Kapseln) zugeführt werden sollten, um die physiologische Darmflora wieder aufzuforsten.

Ist die Darmflora schon länger gestört, kann sich das gefürchtete sogenannte Leaky-Gut-Syndrom entwickeln. Durch eine geschädigte undichte Darmschleimhaut gelangen Substanzen in den Blutkreislauf, die eigentlich ausgeschieden werden sollten. Daraufhin spielt das Immunsystem verrückt und Entzündungsstoffe werden ausgeschüttet. Achtung: Besonders Autoimmun­erkrankungen haben ihren Ursprung oft im Darm. Wer denkt denn bei Rheuma, Neurodermitis und Multipler Sklerose schon an den Darm?


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