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    Kredit auf Abruf

    Vom allgemein niedrigen Zinsniveau ist bei Kontokorrentkrediten nicht viel zu spüren. Viele Geldhäuser berechnen zudem Bereitstellungsgebühren, falls Unternehmen ihr Limit nicht ausnutzen. Wie Firmenchefs hier Geld sparen können.

    Zwei Großprojekte mit einer Laufzeit von fünf Jahren erforderten bei einem mittelständischen Unternehmen in Süddeutschland einen extrem hohen Kapitaleinsatz. Als Zulieferer für die Kfz-Branche bedient die Firma Abnehmer in der ganzen Welt. Der Betrieb finanziert seine Aufträge in der Regel vor. Bei den beiden Projekten ging es um Beträge für Betriebsmittel von mehreren Hunderttausend Euro. Diese hohe Summe wollte die Geschäftsführung nicht über den Kontokorrentkredit stemmen. Deshalb vereinbarte sie einen Termin bei der Hausbank – und sicherte sich einen Sonderkredit zu flexiblen und günstigen Konditionen.

    Die Unternehmensführung möchte anonym bleiben, dabei realisierte sie eigentlich eine recht gute Lösung: Denn trotz anhaltender Niedrigzinsphase zahlen mittelständische Unternehmer für ihren Kontokorrentkredit oft noch rund acht Prozent per anno. Deshalb macht es immer Sinn, die eigene Linie zu minimieren sowie Strategien zu entwickeln, um die Kosten einer kurzfristigen wie auch einer langfristigen Finanzierung niedrig zu halten.

    Bereitstellungsgebühren vermeiden

    Einige Geldhäuser, etwa die Hypovereinsbank, die Commerzbank sowie manche Sparkassen verlangen über die hohen Kontokorrentzinsen hinaus auch Bereitstellungsgebühren. Die Begründung: Die Banken müssen das Geld permanent vorhalten, um es kurzfristig auszahlen zu können. Dafür wiederum zahlen die Institute selbst Zinsen an die Zentralbank. Bei der Commerzbank belaufen sich die Gebühren in der Regel auf drei Prozent im Jahr für den nicht in Anspruch genommenen Teil der zugesagten Kreditlinie. Die Sparkasse Bayreuth setzt 1,20 Prozent per anno an. Sie rechnet auf den Tag genau ab. Zwischen 1.000 Euro und bis zu fünf Millionen Euro betragen hier die eingeräumten Kontokorrentkreditlinien. „Jeder Kunde wird aber im persönlichen Gespräch hinsichtlich einer für seine individuellen Bedürfnisse angemessene Höhe seines Kontokorrentkredits von uns beraten und die Regelung wird mit ihm besprochen“, sagt Wolfram Münch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bayreuth. So arbeiten Bank und Unternehmen gemeinsam daran, die Kontokorrentkreditlinie auf das tatsächlich benötigte Maß anzupassen.

    „Es ist wichtig, zusammen mit der Bank die Situation des Unternehmens einschließlich der Planung und Finanzierung bevorstehender Herausforderungen regelmäßig zu analysieren. Dadurch ist es möglich, den Liquiditätsbedarf frühzeitig zu erkennen, Engpässe zu vermeiden und ein individuelles Finanzierungskonzept zu entwickeln“, sagt Norbert Mayer, Experte für Cash- und Working-Capital-Management bei der Hypovereinsbank. Zum Beispiel zeigen integrierte Gewinn- und Verlust-Bilanzplanungsmodelle per Knopfdruck, wie sich verschiedene Finanzierungsvarianten auf die Liquidität und die Kennzahlen auswirken. „Nach unserer Erfahrung binden Mittelständler im Wertschöpfungsprozess oft mehr Liquidität als nötig.“

    Ein solides Working-Capital-Management kann dabei helfen, Kapital freizusetzen, das ansonsten im Umlaufvermögen gebunden wäre. Der Bedarf, kurzfristige Liquiditätslücken mit einem Kontokorrentkredit auszugleichen, sinkt“, sagt Mayer.

    Liquiditätsplanung zählt

    Unternehmen sollten also ihre Zahlungsein- und -ausgänge permanent verfolgen. Stephan Lindner etwa, Geschäftsführer des Juweliergeschäfts J.B. Fridrich GmbH & Co. KG in München, investiert viel Zeit in seine Liquiditätssteuerung. „Wir führen ein hochpreisiges Sortiment und bewegen uns im Segment der Luxusgüter. Entsprechend hoch ist unser Kapitalbedarf im Einkauf und entsprechend schwer ist es für uns, eine exakte Umsatzplanung aufzustellen“, sagt Lindner. Einnahmen und Ausgaben passgenau zu avisieren, ist in seiner Branche eine Kunst. „Wir agieren vorausschauend, um stets über eine gute Liquidität zu verfügen. Hohe Guthaben sammeln wir in der Regel nicht an, sondern halten unsere Zahlungsströme bewusst in der Waage“, so Lindner. Dies entlastet den kurzfristigen Dispo. Gleichzeitig vermeidet es Lindner, für angespartes Kapital womöglich noch Strafzinsen bezahlen zu müssen.

    Das ist der Idealfall, aber nicht immer realisierbar. Andreas Middelberg, Direktor Firmenkunden bei der Kreissparkasse Ravensburg, erklärt: „Es kommt immer noch relativ häufig vor, dass Mittelständler sogar langfristige Finanzierungen über den Kontokorrentkredit decken, der eigentlich für den kurzfristigen Bedarf gedacht ist.“ Dies beinhaltet ein weiteres Problem: Betroffene rutschen damit schnell in eine ungenehmigte Überziehung – mit gravierenden negativen Folgen auch für ihr Rating, selbst wenn es sich lediglich um ein paar Tage und um einen niedrigen Betrag handelt. Das passiert sogar in Zeiten, in denen Unternehmer ihre Ertragslage positiv bewerten – oft mangels Finanzierungsplanung.

    Um dies zu vermeiden, sollte das Finanzierungskonzept ganzheitlich geprüft werden – mit dem Ziel, teure Kredite durch günstige zu ersetzen. Man muss aber wissen: Eine vorzeitige Darlehenskündigung ist prinzipiell nicht vorgesehen und rechtlich zumeist ausgeschlossen – zumindest für gewerbliche Festzinskredite. In der Regel verlangen die Banken eine Vorfälligkeitsentschädigung plus möglicherweise weitere Gebühren. Bei einem niedrigen Volumen und einer kurzen Restlaufzeit bringt eine Umschuldung daher selten einen finanziellen Vorteil. Die Strafzahlung kompensiert die Zinsersparnis einer Neufinanzierung.

    In anderen Fällen kann sich die Umschuldung aber durchaus rechnen. Sicher ist: „Die Bank wird eine günstigere Finanzierung nicht von sich aus anbieten. Insofern ist Eigeninitiative gefragt“, sagt Holger Fischer, Leiter der Kanzlei Ecovis in Würzburg. Unternehmer mit einer guten Bonität können hier Druck aufbauen. Sie haben ein gutes Argument in der Hand, um bei den Konditionen etwas herauszuholen.
    Verhandeln konnte auch der Unternehmer aus Süddeutschland. Er vereinbarte mit der Hausbank einen niedrigen Sollzins – mit der Begründung, dass das Institut schließlich schon durch die Bereitstellungsgebühren für das nicht ausgenutzte Kontokorrentlimit auf seine Kosten komme.

    Den Kontokorrent entlasten

    So verfügen Unternehmen über mehr Liquidität, um
    ihre Kreditlinie zu schonen:

    Forderungsmanagement. Professionelle Fakturierung und ein stringentes Mahnwesen führen nachweislich zu niedrigeren Außenständen.

    Anzahlungen. Nicht in jeder Branche durchsetzbar, doch seit der Finanzkrise immer öfter üblich, sind Anzahlungen. Unternehmer sollten keine Scheu haben, diese zu fordern. Denn im Zweifel macht die Konkurrenz auch nichts anderes.

    Factoring. Der frühzeitige Verkauf von Forderungen spült Liquidität in die Firma. Das führt zu einem besseren Rating und guten Konditionen bei Finanzierungen. Deshalb rechnet sich Factoring in vielen Fällen für den Betrieb.
    Zahlungsfristen abgleichen. Bei Forderungen sollten Fristen kürzer sein als bei Verbindlichkeiten. Das schafft ausreichend Liquidität, um etwa Skonto ziehen zu können.

    Lagerhaltung optimieren. Es sollte immer nur so viel auf Lager liegen, wie kurzfristig gebraucht wird. Von hohen Rabatten lassen sich kluge Firmenchefs nicht blenden – Vorräte binden auch Kapital.


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