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An der Schnittstelle

Ein Credit Manager übt im Finanzwesen eines Unternehmens eine wichtige Funktion aus: Er agiert als Moderator zwischen Vertrieb und Buchhaltung. Dennoch gibt es in Deutschland keine eigenständige Ausbildung für diese Tätigkeit. Ein guter Weg, in allen Disziplinen des Credit Managements fit zu werden, ist die Qualifizierung zum Certified Credit Manager. Im Frühjahr 2018 startet der nächste berufsbe­gleitende Lehrgang an der Hochschule Bochum. 

Ich bin gerne Credit Manager, weil ich mich gerne mit dem Vertrieb streite.“ Mit einem Augenzwinkern schildert Anna-Juliane Rütz ihre Beweggründe, die Qualifizierung zum Certified Credit Manager (CCM) absolviert zu haben. „Im Ernst: Als Credit Manager unterstützen wir den Vertrieb, der hausintern sozusagen unser Kunde ist“, ergänzt die bestbenotete Absolventin des Jahrgangs 2017.

Dabei beschreibt Rütz eine wesentliche Aufgabe des Credit Managements: die Vermittlung zwischen den Interessen von Vertrieb und Buchhaltung. Die Ziele der beiden Abteilungen sind aber nicht immer deckungsgleich. Der Vertrieb akquiriert Aufträge, möchte für mehr Umsatz sorgen. Aber die Buchhaltung mahnt zur Vorsicht, aus Sorge um einen korrekten und pünktlichen Zahlungseingang.

» Ein guter Certified Credit Manager sollte die Fähigkeit zur Zusammenarbeit besitzen. « Rudolf Keßler, Bundesverband Credit Management

Was lange als klassischer Interessenkonflikt galt, kann durch geschicktes Credit Management in eine für beide Seiten fruchtbare Kooperation verwandelt werden. Einerseits können Credit Manager den Außendienstmitarbeitern noch nicht ausgeschöpfte Potenziale bei ihren Kunden aufzeigen. Andererseits können sie durch sorgfältige Recherche vermeiden, dass Unternehmen beliefert werden, die (in Kürze) möglicherweise nicht mehr zahlungsfähig sind. „Bei uns spielt dieser Zielkonflikt keine Rolle mehr“, sagt Rudolf Keßler, Vorstandsmitglied im Bundesverband Credit Management (BvCM). „Wir denken nicht in Konflikten, sondern in Kooperationen. Deshalb findet sich dieser Ansatz auch in der Qualifizierung zum CCM wieder. Ein guter Certified Credit Manager sollte die Fähigkeit zur Zusammenarbeit besitzen.“

Die eigene Perspektive schärfen

Eine andere Motivation nennt René Tschannerl, der ebenfalls in diesem Jahr die Qualifizierung zum CCM erfolgreich abgeschlossen hat: „Ich sehe die Qualifizierung als wertvolle Ergänzung meiner täglichen Arbeit an. Mit ihr bin ich in der Lage, den Blick auf die fachlichen Herausforderungen meiner Kunden weiter zu schärfen und dadurch Lösungen zu schnüren, die sowohl aus technischer als auch aus fachlicher Sicht passend sind.“ Wie entwickelt sich die Bonität von Bestandskunden? Wie ist die finanzielle Situation bei Neukunden? In welchem Zusammenhang sollten Wirtschaftsauskunfteien zurate gezogen werden? Auch die Beantwortung dieser Fragen gehört zum Aufgabenfeld eines Credit Managers. Dazu kommt das Mahn- und Inkassowesen: Den Kunden dürfen keine Ansätze gegeben werden, gerechtfertigte Zahlungen zu verweigern oder zu verzögern. Im Falle eines Falles ist zu entscheiden, ob es sinnvoll ist, die eigenen Mahnaktivitäten durch den Einsatz von Inkassounternehmen zu ergänzen.

Wie aber wird man ein Certified Credit Manager? Da es in Deutschland keine spezielle Berufsausbildung für Credit Manager gab, hat der Bundesverband Credit Management gleich nach seiner Gründung im Jahr 2002 die Qualifizierung zum CCM entwickelt. „Ich habe damals händeringend nach einer Möglichkeit zur Weiterbildung meiner Mitarbeiter gesucht“, blickt Keßler zurück. Er hatte gerade das Credit Management beim bayerischen Mischkonzern Baywa übernommen. So kam das neu geschaffene Angebot des BvCM für ihn genau zur rechten Zeit.

Ein wichtiger Karriereschritt

Der Verband hat die Qualifizierung in Zusammenarbeit mit der Hochschule Bochum entwickelt, in deren Räumen die berufsbegleitende Weiterbildung angeboten wird. Die Teilnehmer erhalten innerhalb eines Jahres in 250 Unterrichtsstunden fundiertes Know-how zu allen Bereichen des Credit Managements. Dabei werden die Inhalte kontinuierlich aktualisiert. So spielen beispielsweise Aspekte der Digitalisierung wie etwa die Gewinnung von Informationen aus Social-Media-Kanälen eine immer größere Rolle. Seit dem Start haben etwa 250 Teilnehmer die Qualifikation zum Certified Credit Manager erfolgreich absolviert – und dadurch ihrer Karriere einen Schub gegeben.

Die Weiterbildung im Überblick

Die wichtigsten Fakten rund um den Certified Credit Manager:

Die Zielgruppe. Geeignet sind insbesondere Personen, die in der Unternehmenspraxis in den Bereichen Credit Management, Forderungsmanagement oder Debitorenmanagement arbeiten und eine Führungsposition in diesem Sektor anstreben.

Die Historie. Der erste Lehrgang startete 2002/2003. Derzeit wird der 15. Jahrgang ausgebildet. Bisher haben etwa 250 Absolventen die Qualifizierung erfolgreich durchlaufen.

Die wissenschaftliche Leitung. Professor Dr. Bernd Weiß ist wissenschaftlicher Leiter des Programms. Er lehrt an der Hochschule Bochum in den Fachgebieten Finanzierung und Controlling und ist Gründer des an der Hochschule ansässigen Instituts für Unternehmensdiagnose (InDiag).

Die Inhalte. Auf dem Lehrplan stehen zum Beispiel der juristische Rahmen des Credit Managements (CM), Organisationskonzepte, CM und Unternehmensrechnung, Risikomanagement, Credit Policy, Credit Collections, Marktorientierung, Informationssysteme, Methodenbasis, externe Unternehmensdiagnose und Dienstleistungsangebote für das CM.

Die Dauer. Die einjährige Ausbildung umfasst 250 Unterrichtsstunden in 14 Wochenendmodulen an der Hochschule Bochum sowie eine praxisbezogene Projektarbeit. Den Abschluss bildet ein Kolloquium.

Die Kosten. Wer nicht Mitglied des Bundesverbands Credit Management (BvCM) ist, zahlt 6.490 Euro, BvCM-Mit­glieder zahlen 5.890 Euro. Die Teilnahme beinhaltet für Nichtmitglieder eine einjährige Mitgliedschaft.

Die Förderung. Der Bildungsscheck NRW kann für die Qualifizierung zum CCM eingesetzt werden. 2016 hat der BvCM erstmals ein Stipendium aufgelegt, das einem Bewerber die Weiterbildung zum CCM finanziert.


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