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Zukunft im Blick

Megatrends wie Digitalisierung, demografischer Wandel oder personalisierte Medizin verändern Geschäftsmodelle und Branchen. Daraus ergeben sich Chancen für Anleger: Sie können mit speziellen Themenfonds vom Umbau vieler Industriezweige profitieren. 

Amazon, Facebook und Google waren die Lieblinge der Börsianer in den vergangenen Jahren. Kein Wunder, stehen sie doch für wichtige Umbrüche, die das Leben der Menschen von Grund auf verändern: Einkauf per Mausklick, Kommunikation über soziale Netzwerke und den Siegeszug des Internets. An den Börsen konnten Anleger mit diesen Aktien hohe Gewinne erzielen.

Alternative: in Themen investieren

So scheinbar zwangsläufig die positive Entwicklung im Rückblick auch sein mag: Für Investoren ist es nahezu unmöglich, solche Titel frühzeitig ausfindig zu machen. Eine gute Alternative zu einzelnen Wertpapieren sind Themenfonds. Sie investieren in eine Vielzahl von Unternehmen und bieten so die Chance, in interessante Zukunftsbranchen zu investieren.

Klar ist: „Die Digitalisierung ist der zentrale Megatrend, der alle Branchen verändert“, sagt Zukunftsforscher Eike Wenzel aus Heidelberg. „Die digitale Wirtschaft expandiert: Unternehmen müssen viel in digitale Serviceangebote investieren, um ihre Marktpositionen und Gewinne verteidigen zu können“, sagt auch Investmentexperte Alexandre Mouthon von der Fondsgesellschaft Pictet. „Neue Geschäftsmodelle mit sehr niedriger Kapitalbindung zerstören etablierte und führende Unternehmen in fast allen Branchen“, fügt er hinzu. Ein Beispiel dafür ist das Handelsunternehmen Alibaba, das kein eigenes Vorratslager unterhält, oder das Transportunternehmen Uber, das ohne eigene Flotte auskommt.

» Der demografische Wandel ist ein Megatrend, der das Konsum- und Investorenverhalten tiefgreifend verändert. « Walter Sommer, GS & P

Doch auch viele andere Unternehmen richten sich neu aus, passen ihre Geschäftsmodelle an und lassen neue Wirtschaftszweige entstehen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Energiewirtschaft: In Zukunft wird Energie nicht mehr zentral in großen Kraftwerken, sondern in dezentralen Einheiten vor Ort produziert. Aus den Konsumenten werden Prosumenten, die Strom nicht nur konsumieren, sondern auf ihren Solardächern selbst produzieren und ins Netz einspeisen. Energieversorger werden künftig zu Dienstleistern und müssen mit ihren Kunden anders als bisher kommunizieren.

Für Zukunftsforscher Wenzel setzt sich die Dezentralisierung bei der Ernährung fort. Seine Prognose: Die Menschen werden wieder verstärkt auf vor Ort produzierte Lebensmittel Wert legen. „Landwirtschaft muss aus öko-logistischen Gründen künftig verstärkt dort betrieben werden, wo die Menschen auch leben und konsumieren“, sagt Wenzel. Und auch hier entstehen neue Unternehmen: 2016 stecken Investoren in den USA eine Milliarde US-Dollar in Startups aus dem Bereich Ernährung. Neben dem Silicon Valley entsteht ein Food Valley. Auch Europa ist innovativ: „Da die Niederlande über geringe Flächen verfügen, mussten die Menschen dort immer schon vorausschauender denken“, so Wenzel. Pflanzenzucht mit LEDs, Aquakulturen für Fische, Hydrokulturen oder Indoor Farming gehören dort längst zur Realität.

Wenn die Menschheit wächst

Hinzu kommt: Die Weltbevölkerung nimmt zu. Ein Fonds, der in diesen Wachstumssektor investiert, ist der Fonds OP Food. „Wir spekulieren nicht mit Grundnahrungsmitteln oder Agrarrohstoffen. Wir investieren in Unternehmen, die Nahrungsmittel produzieren und vertreiben – vom Saatguthersteller über Düngemittelproduzenten bis hin zum Hersteller von Fertiggerichten“, so Walter Sommer, Geschäftsführer von GS & P, der den Fonds berät. Er konzentriert sich auf 45 Werte. „Der demografische Wandel ist ein Megatrend, der das Konsum- und Investorenverhalten tiefgreifend verändert“, sagt er.

Demografie ist in der Tat ein weltweiter Megatrend mit weitreichenden Konsequenzen: Dazu zählen nicht nur die wachsende Bevölkerung, die steigende Lebenserwartung und der Aufstieg der Mittelklasse in den Schwellenländern. „Die langsame Natur dieser Entwicklung überlagert den dramatischen Wandel in der realen Welt – und die Folgen für die langfristige Profitabilität von Unternehmen“, sagt Hilary Natoff, Fondsmanagerin des Fidelity Global Demographics Fund. „Wir investieren in Unternehmen und Branchen, bei denen demografische Trends der wichtigste Treiber für Gewinne sind und die wahrscheinlich zu nachhaltigem Langfristwachstum bei niedriger Volatilität führen“, erklärt Natoff ihren Ansatz.

Dazu zählt für sie Essilor, ein Marktführer für Brillengläser. Das Unternehmen profitiert sowohl von der steigenden Nachfrage nach hochwertigen Gläsern als auch vom wachsenden Interesse in Schwellenländern. Der Beauty-Konzern L’Oreal deckt weltweit den Markt ab: von Massenprodukten von Garnier bis hin zu Luxusmarken wie Yves Saint Laurent oder zu Anti-Aging-Produkten. Und weil das Thema Demografie für einen Fondsmanager sehr vielfältig sein kann, gehört für Natoff auch HDFC dazu: eine der größten Banken in Indien, die vom stark wachsenden Konsum der Mittelklasse profitiert.

Neue individualisierte Therapien

Ein weiterer zentraler Trend betrifft den Medizinsektor, genauer gesagt die personalisierte Medizin, die neue Ansätze aufzuweisen hat, um Krankheiten zielgerichtet zu behandeln. „Es gibt einige vielversprechende Fortschritte bei der Behandlung von Krebs durch Immunonkologie und der Therapie von Alzheimer“, sagt Michael Sjöström, CIO und Co-Gründer von Sectoral Asset Management. Die Pipeline an Medikamenten wird immer größer, beobachtet er: „Das regulatorische Umfeld für Innovationen ist nach wie vor sehr gut: 2017 schickt sich an, in Hinblick auf die Zahl an Zulassungen in den USA ein hervorragendes Jahr zu werden. Bis zum Ende des zweiten Quartals wurden bereits 23 Zulassungen erteilt.“

Diese ausgewählten Wirtschaftsbereiche zeigen, dass Themenfonds Chancen in lukrativen Zukunftsbranchen bieten. Aber auch hier gilt das Prinzip Versuch und Irrtum: Auf den ersten Blick hoffnungsvolle Unternehmen werden scheitern, andere dagegen erfolgreich sein. Fondsmanager steuern das Portfolio und haben die Unternehmen fest im Blick. Ihre Aufgabe ist es, die Stars von morgen schon frühzeitig zu entdecken. Und mit etwas Glück ist dann auch ein Amazon, Facebook oder Google dabei.


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