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    entspannt, Leben

    Den Schuh zieh’ ich mir an!

    Frauen lieben Schuhe abgöttisch. Männer sind eher pragmatisch. Ein Paar Halbschuhe, ein Paar Sneakers müssen reichen – so zumindest das Klischee. Rahmengenähte Schuhe fallen aus der Reihe. Die Lederprodukte sehen edel aus, sind hochwertig und mitunter sogar eine richtig gute Investition. 

    42 Paar Schuhe hat Christian Freiherr Göler von Ravensburg zu Hause im Schrank. 22 Freizeitschuhe jeder Couleur und 20 rahmengenähte Schuhe. Man ist geneigt zu sagen: Adel verpflichtet. Göler von Ravensburg ist Vorstand eines Versicherungsmaklers in Düsseldorf und damit in einer Branche tätig, in der gepflegtes Schuhwerk dazugehört. Zwar habe er auch günstige Treter im Schuhschrank, diese seien „qualitativ aber in der Regel Enttäuschungen“.

    Damit dürfte der Freiherr den meisten deutschen Männern einen großen Schritt voraus sein. Zwei, drei Paare, auf denen jahrelang herumgetrampelt wird, meist Billigware aus Asien – das ist der Normalfall. Die Statistiken belegen das. So investierten alleinlebende Männer nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2015 durchschnittlich 96 Euro in Schuhwerk – das entspricht 0,5 Prozent ihrer gesamten Konsumausgaben. Frauen legten immerhin 168 Euro auf den Tresen. Haushalte wiederum investierten 252 Euro, davon entfielen sogar nur 74 Euro auf Herrenschuhe. Sind Männern Schuhe schlicht nichts wert?

    Laufen auf Leder

    „400 Euro“ antwortet Göler von Ravensburg auf die Frage, wie viel er maximal für ein Paar Schuhe ausgeben würde. „Wenn sie stilistisch und von der Passform hervorragend, gleichzeitig aber auch besonders wären. Für klassische Business-Schuhe nicht mehr als 280 Euro.“ Der Versicherungsmann gehört zur favorisierten Klientel von Shoepassion. Das Berliner Startup ist angetreten, die Schuhkultur in Deutschland zum Besseren zu verändern. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat sogar einen Millionenbetrag in das Start­up gesteckt – auch weil er die Leidenschaft für rahmengenähte Schuhe teilt.

    Bei diesen Schuhen hält ein schmales, umlaufendes Lederband, der sogenannte Rahmen den Schaft und die Innensohle zusammen, bevor von unten die Ledersohle aufgenäht wird. Zwischen die Lagen wird zudem eine Korkausballung gefüllt. Sie dämpft den Tritt. Der Fuß kann sich sein eigenes Bett machen. Das fühlt sich gut an und ist atmungsaktiv. „Das Leder kann die Feuchtigkeit aufnehmen und sie ableiten, während man im verklebten Schuh sprichwörtlich im eigenen Saft steht. Dieses Klima kann sehr unschön für die Füße, aber auch für die Umgebung beim Ausziehen der Schuhe sein“, erklärt Tobias Börner, Sprecher von Shoepassion. Dabei gilt die Faustregel: Je mehr Leder verarbeitet wird, umso höher ist die Qualität eines Schuhs.

    Beim Kauf rät Börner außerdem, nicht nur auf Stil und Optik des Schuhs zu achten, sondern auch auf den Leisten. Damit ist die Form des Schuhs im Vergleich zum eigenen Fuß gemeint. Ein Mann mit kräftiger Figur und breiten Füßen beispielsweise sollte lieber keine schmalen Schuhe kaufen. „Das Laufen auf Ledersohle unterscheidet sich frappierend vom Laufen auf Gummi“, sagt Börner. „Es ist gewöhnungsbedürftig, hat man es aber einmal im Gefühl, will man kaum noch etwas anderes tragen.“

    Individuell wie der Träger

    Das teuerste Modell im Shoepassion-Sortiment ist ein schwarzer Derby-Schuh aus Alligatorenleder. Kostenpunkt: 1.329 Euro. Rahmengenähte Schuhe gibt es auch aus Känguru-, Python-, Hirsch- oder Fischleder, etwa Aal, Lachs, Seewolf, Papageienfisch und Karpfen. Exoten, die extravagant und echte Hingucker sind, aber als Business-Schuhe wohl eher nicht zu empfehlen sind. „Fischleder ist total empfindlich“, sagt Sebastian Odenthal. Er ist Inhaber des Schuhladens Dearsirs in Düsseldorf. In diesem Jahr feiert er sein zehnjähriges Firmenjubiläum. Odenthal empfiehlt Cordovan-Leder vom Pferd. Es ist stark, griffig, widerstandsfähig, langlebig. Nachteil: Einen mittleren dreistelligen Betrag sollten Käufer für Cordovan-Schuhe einplanen. Darum greifen die meisten seiner Kunden auf klassische Modelle aus Rinder- oder Kalbsleder zurück, die es für rund 200 Euro bereits vergleichsweise günstig gibt. Zu den bekannteren Modellen zählen Budapester, Brogue, Monkstrap oder Oxford. Einsteigermodelle gibt es schon ab circa 130 Euro.

    Der typische Shoepassion-Käufer ist zwischen 25 und 55 Jahre alt und arbeitet in klassischen Bürojobs mit traditionellem Dresscode. Die Berliner lassen in Spanien produzieren, vertreiben ihre Schuhe online und in eigenen Filialen von Berlin bis Mannheim. „Mit rahmengenähten Schuhen aus europäischer Fertigung setzt man ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft“, sagt Börner. Doch die Abkehr von Massenware und -produktion unter zum Teil fragwürdigen Bedingungen ist nicht sein einziges Argument.

    Langfristig könne sich die Investition sogar rechnen. Die Lebenserwartung eines rahmengenähten Lederschuhs hängt davon ab, wie gewissenhaft sein Träger ihn pflegt und wie oft er mit ihm durch den Regen spaziert. Passen alle Parameter, kann es durchaus ein Bund fürs Leben sein. Auch lassen sich die Volllederschuhe beliebig oft reparieren. Die Nähte werden dann aufgetrennt, Absätze, Sohlen oder Innenfutter erneuert. Bei Billigschuhen hingegen kann der Schuster nur die Sohle notdürftig kleben – keine Dauerlösung.

    Schuh mit Firmenlogo

    Wer es ganz exklusiv mag, der lässt sich sein Paar direkt von Hand anfertigen. Eine Maßanfertigung kann bis zu 2.000 Euro kosten. Individualität geht aber auch anders. Gegenüber dem Dearsirs, Odenthals kleinem Laden in Düsseldorf, sitzt ein Tattoo-Studio. Auf Wunsch setzt der Inhaber eine frei gewählte Tätowierung auf einen neuen Schuh. Er verkaufe pro Quartal immerhin drei oder vier Paare mit Tattoo, schätzt Odenthal. 150 Euro Zusatzkosten kommen dann noch hinzu. Zwei Kunden hätten sich sogar ihr jeweiliges Firmenlogo auf den Schuh tätowieren lassen: Einmal das Logo eines Restaurants, einmal das von einer Werbeagentur. Gutes Schuhwerk kann eben auch richtig gute Werbung sein.

     

    Schuhpflege:

    Das sollten Sie beachten
    1 Tragepausen: Tragen Sie den Schuh am besten nicht zwei Tage hintereinander. Erstens: Das ist hygienischer. Zweitens: Der Schuh hat Zeit zum Trocknen.

    2 Holzspanner: Sie erhalten Form und Stabilität des Schuhs und helfen ihm beim Trocknen.

    3 Schuhlöffel: Behutsam ein- und wieder aussteigen – das verhindert Schäden am Material.

    4 Pflegeset: Wer regelmäßig putzt und fettet, hält den Schuh glänzend und geschmeidig.


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