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Draghi sieht 3 Herausforderungen für die EZB

Der EZB-Präsident hat in einer Rede über die zukünftige Rolle der Notenbank gesprochen – und dabei drei Probleme herausgearbeitet.

Mario Draghi gilt als einer der wichtigsten Akteure für die Finanzmärkte. Dennoch scheint der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Zweifel zu haben, ob ihn viele Leute verstehen. ‘Notenbanken gehören zu den am wenigsten verstandenen Institutionen auf der ganzen Welt’, sagte er am Mittwoch auf einer Konferenz in Frankfurt – und zitierte damit den US-Ökonomen Alan Blinder. Dieser hatte gesagt, dass in den USA noch immer viele Menschen davon überzeugt wären, dass die Notenbank Federal Reserve ein staatliches Naturschutzgebiet sei für Bullen, Bären, Falken und Tauben.

Trotz solcher Irrtümer sind die Notenbanken nach der Finanzkrise sehr mächtig geworden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beispielsweise hat nach der Krise nicht nur die Zinsen so tief gesenkt wie nie, sondern auch Wertpapiere für inzwischen über zwei Billionen Euro gekauft. Außerdem beaufsichtigt sie inzwischen die größten Banken im Euroraum. Die Krise hat die EZB inzwischen weitgehend bewältigt. Mario Draghi sieht jedoch drei neue Herausforderungen für die künftige Rolle der Notenbank.

1. Die künftige Art des Geldes

Bislang wird Bargeld von den Notenbanken und Buchgeld von den Geschäftsbanken geschaffen. Die EZB hat dabei entscheidenden Einfluss auf den Prozess, zum Beispiel durch ihre Zinspolitik. Draghi glaubt, dass Digitalwährungen und andere Modelle eine Herausforderung für diese dominante Rolle der Notenbanken darstellen. Ein Beispiel dafür sei zum Beispiel die demnächst anstehende Volksabstimmung in der Schweiz über die Einführung eines Vollgeld-Systems.

2. Der wirtschaftliche Kompass

Die bisherige Idealvorstellung ist, dass Notenbanker unabhängige Technokraten sein sollen, die vor allem ein Ziel erfüllen: Preisstabilität. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die wirtschaftlichen Zusammenhänge auch klar sind. Als ökonomische Daumenregel gilt beispielsweise, dass eine sinkende Arbeitslosigkeit zu Inflation führt. Seit der Finanzkrise ist dieser Zusammenhang aber nicht mehr so klar wie vorher. Nötig sei, dass es brauchbare makroökonomische Strategien gibt, sagte Draghi.

3. Die politischen Unterschiede

Eine besondere Herausforderung sieht der EZB-Präsident im politischen Umfeld in der Euro-Zone. Einerseits sei die Euro-Zone nach der Finanzkrise stärker geeint als früher, etwa durch die Einführung der Bankenunion als gemeinsamen Rahmen für die Banken im Währungsraum. Andererseits sieht Draghi weiterhin beträchtliche politische Unterschiede. 1p1p


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