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    erfolgreich, Mittelstandsbotschafter, Personal, Strategie

    So treten Sie garantiert auf der Stelle

    Es gibt ja Führungskräfte, die versuchen, alles im Griff zu haben. Und die sich dann wundern, dass die Firma nur so intelligent ist, wie sie selbst – eben gezwungenermaßen begrenzt. Und dann gibt es die, die sich da ganz raushalten, Freiheiten und laissez-faire predigen, um die eigenen Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Der sicherste Weg aber für absoluten Stillstand in Ihrem Unternehmen ist die Mischung aus beiden Extremen: Die ganze Zeit tun Sie so, als hätten Sie alles im Griff und lassen dann plötzlich alle Zügel fallen. Dann wissen die Leute garantiert nicht mehr, was sie machen sollen! Todsicher!

    Oder Sie streuen gezielt Gerüchte. Das ist auch eine absolut zuverlässige Stillstandsschraube: Gespräche über Ziel und Inhalte möglicher Veränderungen führen Sie nur auf der informellen Ebene. Am besten gleich morgens im Fahrstuhl. „Ich glaube, die Buchhaltungsabteilung geht nach Rumänien.“ Das lassen Sie wie zufällig fallen und damit verlassen Sie den Fahrstuhl. Sie sind schließlich an Ihrem Ziel angekommen.

    Was auch hilft, um sicherzustellen, dass sich nichts mehr bewegt, ist permanente Überforderung. Planen Sie Maßnahmen im Minutentakt, allenfalls stundenweise. Aber auf keinen Fall in Monaten oder gar Jahren. Da könnte das System ja regelrecht zur Besinnung kommen. Nein, das bloß nicht. Dann lieber wieder schnell einen neuen Wettbewerb ausloben. Bei dem nur der Engagierteste überlebt. Oder der mit den besten Analysetools.

    Analyse ist sowieso immer gut. Solange wir analysieren, brauchen wir nichts zu verändern. Lieber suchen wir ausdauernd und unnachgiebig nach den zentralen Verursachern von Problemen. Wir wollen schließlich wissen, wer schuld ist an unserer Misere. Also gehen wir bis ins letzte Detail, lassen nichts aus – und kommen so garantiert nicht weiter.

    Und wenn dann doch die Analyse in Beschlüsse mündet, dann sollten die so schnell wie möglich durchgeboxt werden. Also kurz den Lenkungsausschuss einberufen, Analyseergebnisse vorstellen, Umsetzungsvorschlag unterbreiten. Sie können sicher sein: Je schneller die Leute genickt haben, desto weniger passiert hinterher. Denn erst beim Herausgehen, fängt es in den Köpfen an zu arbeiten. „Ist das so wirklich machbar?“, fragen die Gesichter und später auf den Fluren auch die Stimmen. Und schon haben Sie den Dialog und alles ist wieder beim Alten.

     


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    Kommentare

    1. Liebes Creditreform Magazin Team,
      meinen herzlichen Glückwunsch und großes Kompliment dafür, dass sie Hermann Scheerer als Mittelstands-botschafter gewonnen haben.
      Ich freue mich auf viel Inspiration aus seiner unverkennlichen Feder.
      Mein Lieblingsbuch und meine Empfehlung von ihm ist das 2011 erschienene “Glückskinder”. So viele einfache und funktionierende Ideen in kurzweiligster Erzählweise habe ich selten gelesen.
      Herzlichen Dank und eine tolle Zukunft für diese Kolumne.

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      • Hallo Herr Theis, besten Dank für Ihren Kommentar – auch wir sind gespannt auf weitere lehrreiche Beiträge aus den Federn unserer geschätzen Mittelstandsbotschafter. Besten Gruß aus der Redaktion des Creditreform-Magazins!

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