Stephan Derr ist Steelcase-Experte für Arbeitswelten. (c) privatStephan Derr ist Steelcase-Experte für Arbeitswelten. (c) privat

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Neurowissenschaften im Büro: Steigende Ansprüche an unser Gehirn durch wachsende Komplexität

  • Teil 3 von 4 einer Reihe zum Thema „Arbeiten 4.0“

Alle paar Minuten geht eine neue E-Mail ein, das Handy klingelt während einer Besprechung und die Kollegen unterhalten sich in voller Lautstärke – heutzutage eine wohlbekannte Situation. Von dieser Flut an Informationen, die täglich auf uns einströmen, sind viele überwältigt oder sogar überfordert. Arbeitnehmer bleiben länger im Büro, versuchen möglichst viele Dinge gleichzeitig zu erledigen oder reduzieren teils drastisch ihre Pausenzeiten, um so am Ende des Tages vermeintlich mehr Arbeit geschafft zu haben.

Auch Andrea Nahles geht im Grünbuch des Bundesarbeitsministeriums zum Thema „Arbeiten 4.0“ auf diese Entwicklung ein und stellt die Frage, inwieweit Multitasking und Informationsüberfluss zu einer immer komplexeren und unüberschaubareren Art zu arbeiten führen.

Das Steelcase-Forschungsteam hat sich eingehend mit diesen Veränderungen in der Arbeitswelt beschäftigt und liefert Erkenntnisse darüber, wo die natürlichen Grenzen des menschlichen Gehirns liegen. Erforscht wurde zum Beispiel, wie Verhaltensänderungen, aber auch der Arbeitsraum helfen können, Aufmerksamkeit aktiv zu steuern.

Ein Konzept, das helfen kann, die Herausforderungen der heutigen, überinformierten Arbeitswelt zu meistern, ist der bewusste Wechsel zwischen verschiedenen Konzentrationsmodi. Grundlage dieser Systematik ist, dass die unterschiedlichen Aufgaben und Aktivitäten, die ein Arbeitstag bereithält, der Arbeitsweise des Gehirns angepasst werden. Zum Beispiel ist es schlichtweg nicht möglich, sich acht Stunden lang durchgehend zu konzentrieren. Auch gibt es bestimmte Zeiten, die sich sehr gut für Teamarbeit eignen, während zu einem anderen Zeitpunkt Erholung angebracht wäre.

Neurowissenschaften im Büro

Neurowissenschaftliche Konzepte unterstützen effektives Arbeiten im Büro – Foto Steelcase

 

 

 

 

 

 

 

 

Steelcase Forscher und Designer haben drei Funktionsmodi des Gehirns entdeckt, die jeweils ganz bestimmte Verhaltensweisen und Arbeitsplatzkonfigurationen erfordern:

  1. Fokussierung/Konzentration: Um sich voll auf eine Aufgabe fokussieren zu können, ist es notwendig, alle ungewünschten Ablenkungen zu vermeiden. Sei es das Telefon, das E-Mail-Postfach oder Fragen von Kollegen. Im Büro sollten entsprechende Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden, um Mitarbeitern konzentriertes Arbeiten zu erleichtern.
  2. Aktivierung: Soll unser Gehirn aktiv werden, so müssen wir uns bewegen. Neurowissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass Bewegung nicht nur – wie hinlänglich bekannt – positive körperliche und emotionale Auswirkungen hat. Sie fördert auch unsere kognitiven Fähigkeiten, indem die Durchblutung und damit die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns dadurch verbessert wird. Dazu beitragen können zum Beispiel höhenverstellbare Tische, aber auch der Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen für unterschiedliche Tätigkeiten.
  3. Regeneration und Inspiration: Ebenso wichtig wie fokussiertes Arbeiten ist die geplante Ablenkung. Die Neurowissenschaft hat in verschiedenen Studien belegt, dass tatsächlich der beste Weg für die Lösung eines Problems zunächst von diesem wegführt. Das Sprichwort „vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen“ ist also durchaus berechtigt. Für eine planvolle Ablenkung kann schon eine Café-Ecke oder eine gemütliche Sitzgruppe ausreichen.

Um diese Rhythmen bestmöglich zu nutzen, werden entsprechende Räume benötigt, die diese jeweils unterstützen. Fokussierung, Aktivierung und Regeneration müssen bewusst eingesetzt und kontrolliert werden, um effektiv arbeiten zu können. Die Arbeitsumgebung ist dabei ein wichtiger Helfer.


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