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Wenig Begeisterung für Insellösungen

Wann immer es darum geht, das Thema Industrie 4.0 von der Vision auf die praktische Anwendbarkeit herunterzubrechen, landet man früher oder später bei Predictive Maintenance. Darunter kann sich jeder etwas vorstellen und die Vorteile liegen auf der Hand: Reduzierung der gefürchteten Ausfallzeiten, die Unternehmen eine Menge Geld kosten. Aber stimmt das wirklich? So recht überzeugt ist man in der deutschen Industrie von der vorausschauenden Wartung offenbar noch nicht.

Unsere Studien zeigen sogar ein sehr skeptisches Bild: Drei Viertel der befragten Betriebe betrachten die Leistung von Predictive Maintenance durchaus kritisch. Und 20 Prozent trauen sich keine Bewertung zu. Ein klares Anzeichen dafür, dass man nicht so recht weiß, was man mit der Idee eigentlich anfangen soll. Das hat durchaus gute Gründe. Einer davon ist sicher, dass Predictive Maintenance für sich allein betrachtet die Lösung für ein Problem anbietet, das in der Produktionsrealität eine eher geringfügige Rolle spielt. Wartungsintervalle entstehen nicht nach Lust und Laune, sondern basieren auf handfesten Daten und Erfahrungswerten zu Ausfallwahrscheinlichkeiten. Ingenieure und nicht zuletzt erfahrene Maschinenbediener können auch die Lebensdauer von Werkzeugen einschätzen – oder deren Zustand einfach vor Ort prüfen. Dass Maschinen wegen technischen Fehlern ausfallen, die eine unplanmäßige Wartung im Vorfeld behoben hätte, ist ein entsprechend seltener Fall. Viel häufiger kommt es zu Bedienungsfehlern. Und die kann kein Predictive Maintenance der Welt einfangen.

Partikulare Anwendung in vernetzter Produktionswelt

Ein weiteres Problem der vorausschauenden Wartung zeigt schon ein kurzer Blick in eine beliebige Industriehalle. Maschinen arbeiten im Regelfall nicht vereinzelt, sondern in Produktionslinien. Und nur in wenigen Unternehmen wird man dabei Maschinen nur eines Herstellers finden. Doch wenn eben diese Maschinenbauer Predictive Maintenance-Systeme entwickeln, haben sie ihre Produkte im Blick, nicht die der Konkurrenz. Für Anwender, die umfänglich vorausschauend warten lassen wollen, hieße das also, sich mit den heterogenen, unabgestimmten Systeme zahlreicher Maschinenanbieter auseinanderzusetzen. Das wird sich kaum ein Betrieb zumuten wollen.

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Als partikulare Anwendung hat Predictive Maintenance also wenig Aussichten, die großen Erwartungen zu erfüllen. Nur wenn es gelingt, das Prinzip in ein umfassendes, herstellerunabhängiges Analyse- und Assistenzsystem zu integrieren, gibt es einen wirklichen Mehrwert für die Anwender. Und erst dann macht es auch Sinn, von den Möglichkeiten der digitalen Transformation zu schwärmen, denn Hand aufs Herz: Die Wartung ein wenig effizienter zu machen ist nun wahrlich nicht die große technologische Revolution, die sich alle erhoffen.

 

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