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In immer mehr britischen Restaurants bleibt die Küche kalt

In London gibt es unzählige Restaurants – viele geraten in Schwierigkeiten. Auch das Imperium von Starkoch Jamie Oliver schrumpft.

Die Briten lieben es, auswärts zu essen. In jeder größeren Stadt auf der Insel finden sich unzählige Möglichkeiten, ein indisches Curry zu essen, eine Pizza, ein Döner Kebab oder die berühmten Fish and Chips. Rund 50 Euro geben die Briten im Schnitt aus, damit sie nicht selbst am Herd stehen müssen – pro Woche. Je jünger die Person, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ein Kochmuffel ist, der abends lieber kochen lässt.

Doch anders als in Deutschland, wo man beim Ordern einer Pizza Siciliana böse überrascht werden kann, weil jeder Quadratmillimeter mit Peperoni belegt ist oder man nicht sicher sein kann, ob im Gasthaus ‘Zum Hirsch’ in Frankfurter der gleiche Schweinebraten wie in Augsburg serviert wird, findet man auf der Insel ungewöhnlich viele Gerichte, die sich bis auf das letzte Gewürzgurken-Scheibchen am Tellerrand ähneln.

Der Grund: Unzählige Restaurants in Großbritannien sind Teil einer Kette. Italienisch essen viele Briten so bei einer Filiale von Pizza Express oder Nando, asiatisch bei Wagamama, Burger gibt es bei Byron und Burritos kommen von Chimichanga. Selbst der traditionell zubereitete Bratfisch mit Pommes und Essig im Pub wurde in vielen Fällen in einer Küche der Pub-Kette Wetherspoon zubereitet.

Wie Pilze sind derartige Restaurant-Ketten in den vergangenen Jahrzehnten in Großbritannien aus dem Boden geschossen – kein Wunder, versprachen sich viele doch von der Kochunlust der Briten lukrative Geschäfte. Auch der bekannte TV-Koch Jamie Oliver, der ebenfalls mit mehreren Restaurant-Konzepten in das Geschäft einstieg.

Doch er verbrannte sich dabei die Finger. Zu viele Restaurants gab es plötzlich, die mit Hilfe seines Namens Kunden anlocken wollten, zudem wurde die Konkurrenz durch das Angebot durch das Auftauchen neuer Restaurantkonzepte immer härter. Letztes Jahr musste der 42-Jährige mehrere Läden seines Imperiums schließen, in diesem Jahr wurde bekannt, dass weitere Restaurants von ihm zumachen.

Nur dank einer Vereinbarung mit Gläubigern konnten andere Läden vor der Schließung bewahrt werden. Der einst als ‘nackte Koch’ berühmt gewordene Brite ist jedoch bei weitem nicht der einzige Restaurantbetreiber, der in die Bredouille gekommen ist. Auch in Restaurants der Ketten Prezzo, Byron, Carluccio’s und Strada ist Medienberichten zufolge schon das Licht ausgegangen oder wird ein solcher Schritt zumindest erwägt.

Experten überrascht das nicht. Denn der Boom der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass unzählige Restaurants aufgemacht wurden. ‘Der Markt wurde zunehmend wettbewerbsintensiver’, begründete so auch die Kette Strada kürzlich die Schließung einiger Restaurants in London. Die Mieten für die Läden wurden im Zuge der großen Nachfrage nach Ladenfläche immer höher, zugleich müssen wegen einer Anhebung der Steuern und des Mindestlohns höhere Kosten verkraftet werden.

Der Brexit ist für viele Restaurantbesitzer ebenfalls zu einem Problem geworden. Nach dem EU-Referendum war das Pfund Sterling gesunken. Dadurch wurden viele Importwaren teurer – etwa holländische Tomaten, italienischer Prosecco oder spanische Chorizo-Wurst.

‘Ein perfekter Sturm’ braue sich da zusammen, warnten die Experten des britischen Beratungsunternehmens UHY die Tage. 35 der 100 größten Restaurant-Ketten in Großbritannien würden mittlerweile Verluste machen – ein Jahr zuvor waren es gerade einmal 20. Und es sei keine Besserung in Sicht, meint UHY-Experte Peter Kubik.

Trotzdem muss keiner (mit ein paar Pfund in der Tasche) Angst haben, dass er in Großbritannien nichts zu essen bekommt: Noch immer ist an fast jeder Ecke in London ein Restaurant oder eine Imbissbude zu finden. Und auch Jamie Oliver hat trotz aller Probleme mit Sicherheit keine Schwierigkeiten, seine siebenköpfige Familie zu ernähren. Schließlich verdient er mit dem Verkauf seiner Bücher und Kochshows noch immer Millionen und ist noch immer allgegenwärtig in den Medien. Vielen Briten täte es ohnehin gut, einmal ‘Dinner Cancelling’ auszuprobieren. Denn das Volk ist der jüngsten OECD-Statistik zufolge mittlerweile die dickste Nation Europas.1p1p


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