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entspannt

Nur Fliegen ist schöner

Elektroroller sind die mobile Entsprechung der Erdbeerbowle: Sie gehören zum Sommer einfach dazu und bieten einen hohen Spaßfaktor. Sind aber eben auch eher ein Schönwetter-Vergnügen.

Während sich der Elektroantrieb beim Auto noch schwertut, erfreut er sich bei den Zweirädern schon seit Jahren großer Beliebtheit. Der Handel mit E-Bikes und Pedelecs brummt mit zweistelligen Zuwachsraten. 720.000 von ihnen wurden laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) allein 2017 verkauft, im Durchschnitt für 2.300 Euro. Und schon bald könnten die Elektro­roller nachziehen: Nicht viel teurer als ein gutes E-Bike sind alltagstaugliche Einstiegsmodelle, aber um einiges komfortabler. Und – bei entsprechender Akkuleistung und Reichweite – auch praxistauglicher für Berufspendler.

Die Verbrauchs- und Unterhaltskosten liefern im Vergleich zu konventionell motorisierten Rollern ebenfalls Argumente für die E-Alternative: Mit nur rund 30 Prozent der üblichen Wartungskosten sei zu rechnen, sagen Experten, da weder Getriebe noch Kette benötigt werden. Hinzu kommen Stromkosten von unter einem Euro pro 100 Kilometer, natürlich in Abhängigkeit von der individuellen Fahrweise. Wie alle Elektrofahrzeuge sind auch E-Roller steuerfrei, und die übliche Moped-Haftpflichtversicherung kostet rund 30 Euro pro Jahr. Schade nur, dass der Staat im Gegensatz zu Elektroautos die Anschaffung nicht per Prämie fördert.

Klassiker für Italophile

Vespa Elettrica von Piaggio

© Piaggio

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Leistung: bis zu 4 kW
Geschwindigkeit: bis 45 km/h
Reichweite: 100 Kilometer
Preis: noch nicht bekannt

Alte Vespa-Roller genießen auch bei jungen Menschen Kultstatus, doch der Traditionshersteller Piaggio lebt nicht von der Vergangenheit. Deshalb kommt der klassische Vespa-Look spätestens Ende dieses Jahres in zwei Modellvarianten auch elektrisch daher. Der E-Motor soll auf 2 kW Dauerleistung ausgelegt sein, die Spitzenleistung liegt bei klassenüblichen 4 kW. Da die Elettrica in der hart umkämpften 50er-Klasse antreten dürfte, ist das Tempo auf 45 Stundenkilometer begrenzt. Die Reichweite soll bei 100 Kilometern liegen. Piaggio plant aber eine Variante mit Benzingenerator als Range Extender für bis zu 200 Kilometer Reichweite. Die Italiener versprechen ein neues Multimedia-Bordsystem, bei dem die Einbindung von Smartphones eine zentrale Rolle spielen wird. Zudem schmücken LED-Scheinwerfer, USB-Steckdose sowie ein Cockpit mit farbigem 4,3-Zoll-TFT-Display die Elektro-Vespa.

Altgedienter Maxi-Scooter

BMW C Evolution

© BMW AG

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Leistung: 35 kW
Geschwindigkeit: bis 129 km/h
Reichweite: 160 Kilometer
Preis: ab 13.700 Euro

Unangefochtener König der Elektro-Scooter-Szene bleibt bis auf weiteres der BMW C Evolution. Seit 2014 wird der Großroller aus München schon in Serie gebaut, und noch immer setzt er Maßstäbe. Kein anderer ist schneller oder kommt weiter. Mit dem elektrisch getriebenen Maxi-Scooter hat sich BMW weit vorgewagt, denn das Gros der E-Roller bewegt sich in der führerscheinfreundlicheren 50er-Klasse. Für einen E-Scooter ist der C Evolution üppig bestückt: Sein Antrieb leistet bis zu 35 kW, was eine (abgeregelte) Höchstgeschwindigkeit von 129 Stundenkilometern erlaubt. Angesichts einer Reichweite von bis zu 160 Kilometern sind auch Überlandfahrten möglich. Zwischen vier Fahrmodi kann der Evolution-Pilot wählen und dank 72 Newtonmeter Drehmoment fühlt er sich nie untermotorisiert: Den Ampelstart gewinnt der BMW locker gegen stärker motorisierte Autos und Motorräder – und das fast lautlos summend. Weniger Freude macht der Preis: Mit einigen Extras liegt er rasch über der Basis von 13.700 Euro. Anfänger müssen sich beim Fahren an die breite Bauart, an das hohe Gewicht (265 Kilogramm) und die einsetzende Rekuperation beim Bremsen gewöhnen. Für den C Evolution braucht man außerdem einen Motorradführerschein.

Kult ohne Zweitaktgestank

E-Schwalbe von Govecs

© GOVECS

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Leistung: 4 kW
Geschwindigkeit: bis 45 km/h
Reichweite: bis zu 120 Kilometer
Preis: ab 5.390 Euro

Noch eindeutiger als Vespa setzt Schwalbe auf Retro-Fans: Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei diesem Scooter um eine Nachempfindung der DDR-­Zweiradikone Schwalbe, die seit 1964 im Suhler Fahrzeug- und Jagdwaffenkombinat „Ernst Thälmann“ gebaut wurde. Doch anders als der historische und sich stets auch durch Geruch ankündigende Zweitakter sorgt bei der Neuauflage des Münchner E-Scooter-Herstellers Govecs ein leiser Elektromotor mit 4 kW für Vortrieb. Dieser soll in fünf Sekunden auf die Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern beschleunigen. Eine Version namens L3e soll bald folgen, sie wird sogar Tempo 90 erreichen. Gegen Aufpreis schafft die größere Dual-Batterie 100 bis 120 Kilometer Reichweite, und ganz modern kann man sein Modell unter myschwalbe.com online konfigurieren. Die Optik ist vielversprechend: Oldtimermäßige Ochsenaugen-Blinker und Speichenfelgen treffen auf moderne Scheibenbremsen und Riemenantrieb. Mit mindestens 5.390 Euro hat die moderne Ostalgie aber ihren Preis.

Ungewöhnlich gut in Form

Ujet aus Luxemburg

© Ujet

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Leistung: 4 kW
Geschwindigkeit: bis 45 km/h
Reichweite: 70 bzw. 150 Kilometer
Preis: ab 8.690 Euro

Anspruch auf den Titel der Design-Neuheit des Jahres erhebt der Ujet. Der futuristisch aussehende Stadt-Scooter wird in Luxemburg produziert und bietet einige technische Leckerbissen. So kann das mit kleiner Batterie nur 40 Kilogramm wiegende Zweirad platzsparend zusammengefaltet werden. In puncto Konnektivität klotzt der Ujet im Vergleich zur Konkurrenz: So sind 3G-SIM-Karte, GPS, WiFi und Bluetooth an Bord, in der Front ist zudem eine HD-Kamera montiert. Freigeschaltet wird der maximal 45 Stundenkilometer schnelle City-Roller per Smartphone-App. Im Cockpit zeigt ein großes TFT-Display neben dem Üblichen auch Navigation, Musik-Streaming und Telefoninfos an. Für diese Funktionen gibt es auch spezielle Bedientasten am Lenker. Der kompakte Elektromotor ist wie bei den meisten Modellen in der Hinterradnabe integriert und leistet 4 kW. Abhängig vom Batteriepaket sollen 70 oder 150 Kilometer Reichweite drin sein. Mit 8.690 Euro gehört der Ujet zu den vergleichsweise teuren Newcomern.

Extra-einfach Aufzuladen

Moto Vionis von KSR

© KRS

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Leistung: 2 kW
Geschwindigkeit: bis 45 km/h
Reichweite: 55 Kilometer
Preis: ab 2.000 Euro

Auf die neuen Konnektivitäts-Künste der Konkurrenz verzichtet der Moto Vionis bewusst, dafür punktet er mit einem Einsteigerpreis: Die österreichische KSR Group bietet den Scooter im Vespa-Stil schon ab rund 2.000 Euro an. Zu den Besonderheiten zählt ein herausnehmbares Lithium-Akkupaket von LG für 55 Kilometer Reichweite. Der Vorteil: Wer keine eigene Garage hat, nimmt zum Laden die 1,2-kWh-Batterie mit in die Wohnung oder ins Büro, während das Fahrzeug auf der Straße parkt. Angetrieben wird der Moto Vionis von einem Bosch-­Motor, der mit 2 kW Dauerleistung und 46 Newtonmeter Drehmoment ein ordentliches Leistungspotenzial bereithält. Der E-Scooter tritt in der 50er-Klasse an und erlaubt entsprechend eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern.

Pragmatiker aus China

Niu N1s / M1s

© niu

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Leistung: 2 kW
Geschwindigkeit: bis 45 km/h
Reichweite: 120 Kilometer
Preis: ab 2.000/2.700 Euro

In der populären 50er-Klasse sind auch die beiden Modelle N1s und M1s des chinesischen Herstellers Niu unterwegs. Die schnörkellos designten, aber durchaus ansehnlichen Scooter beschleunigen bis auf 45 Stundenkilometer und bieten bis zu 120 Kilometer Reichweite. Damit sind sie vor allem für den Einsatz im Stadtverkehr gerüstet. Niu bietet für die rund 2.000 Euro (N1) bis

2.700 Euro (M1S) teuren Varianten nun auch eine Smartphone-App mit einigen cleveren Funktionen an. LED-Licht und verschiedene Fahrmodi sind immer an Bord, die Motoren kommen von Bosch. Praktisch: Auch Niu setzt bei seinen teureren Modellen auf herausnehmbare Lithium-Ionen-Akkus, die man zum Beispiel im Büro an der Steckdose laden kann. Der Stauraum unter dem Sitz ist allerdings knapp – zu knapp etwa für einen Integralhelm. Für Ende des Jahres ist mit dem N-GTX noch ein kompakter Komfortroller angekündigt, der bis zu 100 Stundenkilometer schnell und bis zu 180 Kilometer weit fahren soll.

 

Welcher Führerschein für welchen Roller?

Für Scooter, die wie Mofas motorisiert, also auf 25 Stundenkilometer und einen Sitzplatz beschränkt sind, braucht man nur die Mofa-Prüfbescheinigung und muss mindestens 15 Jahre alt sein.

Die klassischen Roller-Führerscheine, die man ab dem 16. Lebensjahr machen kann, heißen AM und A1, wobei A1 die Klasse für 125-ccm-Maschinen ist. Diese Leichtkrafträder dürfen außerdem maximal 11 kW Leistung haben, seit 2013 dürfen sie auch schneller als 80 Stundenkilometer fahren.

In der Klasse AM sind maximal ein Hubraum von 50 ccm bei einem Verbrennungsmotor oder eine Leistung von 4 kW bei einem Elektromotor zugelassen. Erlaubte bau­artbedingte Höchstgeschwindigkeit sind 45 Stundenkilometer.

Ab 18 Jahren und mit dem Führerschein der Klasse A2 dürfen Krafträder mit maximal 35 kW gefahren werden. Nach zwei Jahren mit A2 kann man per praktischer

Prüfung noch in die Klasse A aufsteigen. Damit dürfen alle Krafträder ohne Leistungsbeschränkung gefahren werden. Wer direkt den Führerschein Klasse A macht, muss mindestens 24 Jahre alt sein.

Wer den (Auto-)Führerschein der Klasse B besitzt, darf Roller der Klasse AM fahren, nicht aber solche der Klasse A2. Es kommt dabei vor allem auf den Zeitpunkt an, wann der Führerschein erworben wurde. Wer zum Beispiel Klasse B nach dem 1.4.1980 und vor dem 1.1.1990 erworben hat, darf zwar keine Leichtkrafträder (A1) oder Krafträder (A2) bewegen, kann aber dreirädrige Roller bis 15 kW führen. Weitere Infos dazu gibt’s online beim Fahrlehrerverband FLVBW.

 


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