erfolgreich, Mittelstandsbotschafter, Strategie

Darwinismus im Zeitraffer

Die Erkenntnis von Charles Darwin, dass demjenigen die Zukunft gehört, der sich am besten an seine Umwelt anpasst, lässt sich ohne Frage auch auf die Industriewelt übertragen. Aber zum Glück in etwas gnadenvollerer Form. Denn während das biologische Individuum nur auf das Überleben einer fernen Nachkommenschaft hoffen kann, haben Unternehmen die Chance, sich schon im Hier und Jetzt zu behaupten. Hart ist der Wettbewerb trotzdem, und wo Veränderung nötig ist, sollte rasch gehandelt werden. Das wissen vor allem die Weltmarktführer: 84 Prozent dieser Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren einen spürbaren Veränderungsprozess durchlaufen. Dies zeigt die Staufen-Studie „Best Strategy 2018“, für die gut 200 deutsche Weltmarktführer befragt wurden.

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Vor allem ist es die digitale Transformation, die einige Unternehmen in eine Goldgräberstimmung versetzt, während andere eher zum Wandel gezwungen werden. Doch auch für die Zweifler sind die Chancen riesig, aber man muss schnell handeln und sich für die neue Wirtschafts- und Arbeitswelt rüsten. Das betrifft zu erst einmal, aber beileibe nicht ausschließlich, die kreativen Köpfe, die mit ihren Innovationen den Weg in die 4.0-Zukunft aufzeigen sollen. Entsprechend zeigt sich gerade in diesem Bereich die Veränderungsbereitschaft der Weltmarktführer. Acht von zehn haben ihre Innovationsstrategie neu ausgerichtet. Anders ginge es auch gar nicht. Die Zeiten, in denen Produkte und selbst Investitionsgüter über Jahre oder gar Jahrzehnte „reifen“ konnten, sind endgültig vorbei.

Maschinen haben keine Ideen

Das bedeutet aber nicht, dass schon nächste Woche jedes Industrieunternehmen die nagelneue Fabrik 4.0 auf die grüne Wiese stellen muss. Sicher, neue Technologien sind wichtig, aber hier kommt man auch Schritt für Schritt ans Ziel – was vielleicht auch der bessere Weg ist und im geschätzten Umfeld einer bestehenden Infrastruktur meist leichter gelingt als im großen Rundumschlag, mit dem man alles Bewährte praktisch über Nacht für veraltet erklärt.

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Im Fokus vieler Unternehmen steht dabei die eigene Produktionstechnik, mehr als 80 Prozent der internationalen Branchen- und Segmentführer halten hier weitere Digitalisierung und Autonomisierung für Schritte, die es dringend umzusetzen gilt. Doch das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, viel schwerwiegender wird für die Unternehmen sein, ihre Unternehmens- und Führungskultur neu zu erfinden. Eine neue Produktionslinie erfindet keine kreativen Konzepte und Lösungen, das können nur Menschen.

Das Ende der Lippenbekenntnisse

Lean und Agilität, flache Hierarchien und Führungskräfte als Mentoren – all das sind wahrlich keine neuen Weisheiten. Neu ist aber, dass man sich nicht länger mit Lippenbekenntnissen durchmogeln kann. Zeitgemäße Formen der Zusammenarbeit werden in Zukunft für Unternehmen überlebenswichtig. Denn Innovation kann man nicht anordnen, sie wird von motivierten und wertgeschätzten Mitarbeitern getrieben – und zwar weit über die Entwicklungsabteilung hinaus.

Die Zeit drängt, denn bisher optimieren selbst die Weltmarktführer hauptsächlich ihre bestehenden Produktkonzepte. Sie werden digitaler, vernetzter, effizienter. Das sind naheliegende und wichtige Schritte, bleibt aber weit hinter den Möglichkeiten des angebrochenen Industrie 4.0-Zeitalters zurück. Überzeugende neue Geschäftsmodelle – und gerade hier steckt das gewaltige Wertschöpfungspotenzial – findet man bisher nur vereinzelt. Selbst die Erweiterung des Portfolios um digitale Serviceleistungen hat nicht einmal die Hälfte der Weltmarktführer vorangetrieben. Hier muss dringend nachgelegt werden, will man das große Geschäft am Ende nicht digitalen Startups überlassen, die allenthalben aus der Erde sprießen und sicher nicht auf die Traditionsindustrien warten werden.

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