Christoph Leichtweiß ist geschäftsführender Gesellschafter von zwei Unternehmen der YPOS-Gruppe. 
(c) YPOSChristoph Leichtweiß ist geschäftsführender Gesellschafter von zwei Unternehmen der YPOS-Gruppe.
(c) YPOS

Downloads

solvent

Gold im Angesicht aktueller Währungskrisen

Die starken Abwertungen der Währungen verschiedener Länder gegenüber dem US-Dollar sorgten zuletzt für eine Verunsicherung am Kapitalmarkt. Besonders betroffen sind naturgemäß die Inländer, die am stärksten unter einer Abwertung der Heimatwährung leiden. Das Edelmetall Gold konnte sich dieser Abwertung entziehen und wird in diesem Zusammenhang gerne als stabiler Anker und Schutz vor Währungsabwertungen dargestellt. Wie ist diese Darstellung sachlich einzuordnen?

Währungen

Die Abrechnungswährung ist wichtiger als der Vermögenswert

Jeder Vermögenswert, der in US-Dollar und Euro notiert, hat sich aufgrund des Währungsverfalls der heimischen Währung aus der Sicht eines türkischen oder argentinischen Anlegers gerechnet. Der wesentliche Anteil des positiven Effekts kam nicht aus den Charakteristika und dem Verhalten der Vermögensklasse (Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Edelmetall), sondern aus der Währung in der dieser Vermögenswert geführt wird.

Ob US-Staatsanleihe, DAX-Indexfonds oder eben Gold… der Vermögenswert selbst hat eine stark untergeordnete Rolle gespielt, solange er in Euro oder US-Dollar geführt wurde. Dementsprechend ist die Botschaft „Gold als Rettungsanker im Sturm der Währungskrise“ doch mit Vorsicht zu genießen, da es aktuell genauso gut auch…

„US-Aktien als Rettungsanker im Sturm der Währungskrise“

„US-Anleihen als Rettungsanker im Sturm der Währungskrise“

„Euro-Geldmarktfonds als Rettungsanker im Sturm der Währungskrise“

heißen könnte.

Dementsprechend ist die relevante Botschaft hier, dass die internationale Diversifizierung der eigenen Geldanlage eine umso größere Rolle spielt, je schwächer und anfälliger das eigene Finanzsystem und die heimische Währung sind.

Gold polarisiert sehr stark – Aber warum?

An sich ist die Sache doch sehr einfach… Physisches Gold im direkten Zugriff, etwas Silber in handlicher Stückelung in Form von Münzen und vielleicht etwas Silber im Zollfreilager in der Schweiz. Das im angemessenen Anteil zur eigenen Vermögensstruktur und fertig ist die Absicherung gegen extreme Risiken im Währungs- und Finanzsystem. Hierbei gilt die Regel: Je besser das eigene Vermögen über Vermögensklassen, Währungen, Schuldner und Lagerstätten diversifiziert ist, desto geringer kann der Anteil an Gold sein.

Laufend kann man sich dann noch damit beschäftigen, ob das Währungsrisiko (und die Chance) der Edelmetalle in die Risikobetrachtung der Anlagestrategie mit einfließen sollen, oder ob man es als separate Versicherung sieht und Schwankungen im Preis (Wert und Preis sind zwei Paar Schuhe) ignoriert. Da gibt es kein richtig oder falsch. Ich diskutiere das mit allen Kunden und die eine Hälfte bezieht es ein und bei der anderen ignorieren wir Preis- und Währungsentwicklungen komplett. Damit ist das Kapitel „Edelmetalle in der Anlagestrategie“ auch schon abgehandelt. Das „warum“ Edelmetalle ist klar, das „wie“ der Umsetzung und Behandlung in der Haltedauer auch… Warum also ist das Thema so emotional?

Aber halt – so einfach ist es nicht

Null- und Negativzins, Aufblähung der Notenbankbilanz und die planwirtschaftliche Festlegung der Zinsen durch die Notenbank lassen viele spüren/meinen/denken, dass „etwas“ nicht stimmt. Dieses „etwas“ dauert immer länger (Finanzkrise war 2008) an und wird immer intensiver. Also muss doch mal „etwas“ passieren. Und wie kann es sein, dass dieses „etwas“ mit Trump, Italien und Schwellenländerkrise immer größer wird und der Schutz (das ist Gold und sonst gefälligst nix! Diversifikation ist für die Langweiler) gegen das „etwas“ im Preis weiter fällt?

Kurz gesagt: Ich weiß es nicht. Aber die anderen wissen es aus nicht. Aber ist das relevant? Wir haben doch den passenden Anteil Edelmetalle im Vermögen schon längt erworben und sauber über verschiedene Instrumente abgebildet.

Die Botschaften und „Analysen“ rund um Gold zeigen daher sehr deutlich, wie der Verfasser die Handlungen der Notenbank einschätzt und ob sie seinem (!) ordnungspolitischen Verständnis einer ordentlichen Geldpolitik entsprechen. Nicht mehr, nicht weniger. Der Nutzen für die eigene Anlagestrategie liegt bei null. Damit hat sich der Nutzen dem Zinsniveau in der Eurozone angenähert.

Je nachdem wie sie mit der Veränderung der Goldpreises umgehen und wie sie Artikel zu Gold wahrnehmen und einordnen können sie selbst gut einschätzen, wie sie ordnungspolitisch zum Verhalten der Notenbanken, der globalen Verschuldung und 1000 anderen ungelösten gesellschafts- und verteilungspolitischen Themen stehen. Nutzen für die Anlagestrategie?

Niedrige Zinsen – Etwas versachlicht

Wenn wir schon gerade beim Thema sind… Die echte Inflation in der Eurozone ist sicher höher, als die offiziell gemessene. Zudem kommt auch noch die Vermögenspreisinflation hinzu. Unterstellt man eine wesentliche These der Volkswirtschaftslehre, die annimmt, dass zu niedrige Zinsen zu Fehlallokationen von Kapital führen, dann ist die Wahrscheinlichkeit für finanzielle Fehlentscheidungen aktuell extrem hoch. Der Prozess zur Herleitung und Begründung von Anlageentscheidungen sollte dieser Situation Rechnung tragen. Es könnte sinnvoller sein hier etwas mehr Energie reinzustecken und Energie bei allgemeinen Themen (beispielweise zu Gold) einzusparen. Besser wäre das für Nerven und Depot.

Aber zurück zu Zinsen und Notenbankpolitik… Mit einer alternden Gesellschaft, einem Überschuss an Sparkapital und den Effekten der Digitalisierung haben wir drei sehr starke und strukturell anhaltende Effekte, die alle deflationär und zinssenkend wirken. Zusammen mit dem bestehenden Defizit an lukrativen Investitionsalternativen ergibt sich ein Umfeld, dass niedrigere Zinsen plausibel macht. Die Notenbank verstärkt das natürlich, aber die strukturellen Faktoren als wesentliche Kräfte liegen offensichtlich auf der Hand.

Vom allgemeinen Umfeld zur persönlichen Anlagestrategie

Allerdings sind volkswirtschaftliche Daten nur ein Aspekt der Herleitung einer ganzheitlichen Anlagestrategie. Die Grafik zeigt die Parameter, die Anleger bei Anlageentscheidungen berücksichtigen sollten.

Herleitung Anlagestrategie


Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

CAPTCHA-Bild

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie weiter


solvent, Vorsorge

Videoupdate: EZB Zinsentscheidung und Einordnung für Anleger

Der wichtigste Preis einer Volkswirtschaft ist der Zins. In der heutigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde kommuniziert, dass der Leitzins bis mindestens Sommer 2019 bei null Prozent liegen wird. Die Nachteile der Verteilung des deutschen Geldvermögens auf zinsbasierte Vermögensklassen mit negativer Realverzinsung werden sehr deutlich. Zudem wird Anhand der Rendite von Anleihen dargestellt, dass mit sicheren Anlagen kein Kaufkrafterhalt möglich ist und die Schieflage der zinsbasierten Altersvorsorge verstärkt wird. Für Sparer und Anleger besteht großer Handlungsbedarf.