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Nächste Gewinnwarnung – Daimler schockiert die Aktionäre

Die Dieselkrise und weltpolitische Turbulenzen verderben Daimler das Geschäft. Der Konzern muss seine Gewinnziele korrigieren – schon wieder.

Wegen der teuren Aufarbeitung der Dieselkrise und anderer Widrigkeiten hat Daimler erneut seine Gewinnziele für 2018 nach unten geschraubt. Im laufenden Jahr werde jetzt ein Konzern-Ebit ‘deutlich unter Vorjahresniveau’ erwartet, teilte der Stuttgarter Autobauer am Freitag mit. Die Aktie rutschte nach der Mitteilung um 3,4 Prozent ab auf 50,63 Euro.

Vor allem in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz holpert es. Zudem gibt es in den Segmenten Bus und Vans Probleme bei der Nachfrage beziehungsweise Auslieferung. Wie Daimler weiter mitteilte, lagen die vorläufigen Ergebnisse für das dritte Quartal 2018 ‘nun auch deutlich unter den Markterwartungen’. Der Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) schrumpfte auf 2,488 Milliarden Euro, nach 3,409 Milliarden vor Jahresfrist.

Maßgeblich für die Gewinnwarnung ist laut Daimler ein Anstieg der Aufwendungen für ‘behördliche Verfahren’ und Maßnahmen in verschiedenen Regionen im Zusammenhang mit Mercedes-Dieselfahrzeugen. So ruft der Konzern in ganz Europa beispielsweise 690.000 Dieselautos zurück, in denen das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) unzulässige Abschalteinrichtungen ausgemacht haben will.

Zudem gewährt der Konzern in Schwerpunktregionen Deutschlands, in denen die Schadstoffbelastung der Luft besonders hoch ist, Prämien von bis zu 10.000 Euro, wenn Pkw-Besitzer ihre alten Diesel-Fahrzeuge gegen neue, sauberere Modelle umtauschen. Weitere Gründe für die Ergebniskorrektur sind geringere Absätze in der Van-Sparte infolge von ‘Auslieferungsverzögerungen’. Zudem verzeichnet Daimler eine geringere Nachfrage von Bussen in einzelnen Märkte, was ebenfalls auf den Gewinn drückt.

‘Das ist eine Klatsche für die Aktionäre’, sagt Frank Schwope, Autoanalyst bei der Nord LB. ‘Es ist eine herbe Enttäuschung’. Der Kapitalmarktexperte zeigt sich verwundert, dass das Wertpapier der Stuttgarter angesichts der zweiten Ergebnisanpassung in Folge nicht noch stärker unter Druck gerät. Zudem müsse der Konzern seine Strukturen überdenken. ‘Man fragt sich, wie eigentlich das interne Controlling bei Daimler funktioniert’, erklärt Schwope.

Schon im Juni hatte Daimler die Anleger mit einer Gewinnwarnung kalt erwischt. Die Aktie hatte danach deutlich gelitten. Der Konzern hat derzeit an mehreren Fronten zu kämpfen: das lukrative Kerngeschäft ist unter Druck. Die Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfzyklus WLTP dämpft den Absatz.

Darüber hinaus steht Daimler mitten im politischen Sturm: die Handelskonflikte, die US-Präsident Trump anheizt, kommen den Konzern teuer zu stehen. Im US-Werk in Tuscaloosa im Bundestaat Alabama fertigen die Schwaben ausgerechnet jene Mercedes-Modelle für den Weltexport, die besonders viel Gewinn einbringen: die sportlichen Geländewagen, kurz SUVs.

‘Wenn sich in diesem Segment die Nachfrage abschwächt, ist das sehr unangenehm’, erklärt Autoexperte Sven Diermeier von Independent Research. Darüber hinaus erschwert der Konflikt auch die Exporte in den Wachstumsmarkt China.

Minus von 35 Prozent in der Pkw-Sparte

Das lässt sich mittlerweile auch an den Zahlen ablesen: Parallel zur gekappten Prognose veröffentliche Daimler vorab seine Geschäftszahlen zum dritten Quartal, die der Konzern eigentlich kommende Woche Donnerstag publizieren wollten. Die Bilanz von Juni bis September fällt bescheiden aus. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fällt mit 2,48 Milliarden Euro um gut 27 Prozent geringer aus als noch vor einem Jahr.

Der Free-Cash-Flow im Industriegeschäft ist mit minus 60 Millionen Euro negativ nach einem Plus von 5,77 Milliarden Euro im Vorjahr. An dem Ziel, 2018 einen Cash-Flow von mehr als vier Milliarden Euro zu generieren, hält Daimler aber weiter fest.

In vier von fünf Sparten brechen bei dem Mercedes-Hersteller die Ergebnisse ein. Konkret erzielte Daimler mit seiner Pkw-Sparte nur noch ein Betriebsergebnis von 1,37 Milliarden Euro. Das ist ein Minus von fast 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In der Bussparte verringerte sich das Ebit um zwei Millionen auf nur noch 30 Millionen Euro. Mit seinen Vans schreibt Daimler sogar 93 Millionen Euro Verlust und das Betriebsergebnis mit Finanzdienstleistungen fällt um mehr als hundert Millionen Euro geringer aus als noch 2017.

Lediglich das Geschäft mit schweren Trucks brummt weiterhin. Hier verzeichnet Daimler ein Ebit von 850 Millionen Euro und damit einen Zuwachs von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber auch strukturell hebe der Konzern dieses Potential nicht, hatten Analysten zuletzt immer wieder bemängelt.

Der scheidende Finanzchef Bodo Uebber hatte sich immer wieder für eine Holding-Struktur ausgesprochen. Wiederholt waren Gedankenspiele laut geworden, dass der Konzern seine Lkw-Sparte an die Börse bringen könnte.

Viel Arbeit für den designierten Daimler-Chef Ola Källenius. Zur Hauptversammlung 2019 soll der heutige Entwicklungsvorstand Konzernchef Dieter Zetsche beerben. Er wird auch die Aktionäre überzeugen müssen, dem Konzern und seinen Prognosen wieder zu vertrauen.1p1p


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