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    entspannt

    Testfahrt: Ford Focus Turnier

    Mehr Kofferraum und Kniefreiheit als die meisten Konkurrenten, dazu großer Fahrspaß, fast wie in einem Coupé. Mit verblüffend kleinen Motoren hat die vierte Generation des Ford Focus Turnier das Zeug zum Bestseller.

    Deutschland ist Kombiland. Immer noch, trotz eines seit Jahren wachsenden SUV-Marktanteils. Ein Beweis dafür ist die Kombivariante „Turnier“ des Ford-Bestsellers Focus. 75 Prozent aller verkauften Fahrzeuge sollen als Turnier ausgeliefert werden, davon ist Verkaufs-Geschäftsführer Hans-Jörg Klein überzeugt. So war es auch schon beim Vorgängermodell.
    Von dem unterscheidet sich der Neue, vor allem in der sportlichen Ausstattungsvariante ST-Line, durch einen etwas großspurigeren Auftritt. Mit 4,67 Metern Länge ist der Focus Turnier eine gute Handbreit länger als direkte Konkurrenten wie VW Golf Variant oder Hyundai i30 Kombi. Freuen werden sich darüber Passagiere in der zweiten Reihe, die nun richtig viel Kniefreiheit bietet. Dünnere Vordersitzlehnen und ein längerer Radstand tragen ebenfalls zu dem Raumgewinn bei.

    Raumwunder mit Aston-Martin-Look

    Auch eine Abteilung weiter hinten kommt Freude auf, wenn man was zu verstauen hat. Das Gepäckabteil fasst zwischen 575 Litern und 1.653 Litern bei umgeklappter Rückbank, das ist sogar mehr, als der größere Ford Mondeo bietet. Zudem sind die Rückleuchten nun geteilt, dadurch fällt die Ladeöffnung sehr breit aus, die untere Kante liegt beladefreundlich niedrig. Eine automatische Heckklappe, die sich per Fußschwenk unter die Heckstoßstange öffnet, ist als Zubehör ebenso zu haben wie ein Gepäckrollo-Fach unter dem Ladeboden.

    Kombifahrer, die Wert auf ein schickes Äußeres legen, werden die neuen, größeren Räder mögen sowie den riesigen Kühlergrill im „Aston-Martin-Stil“. Dass der Focus Turnier etwas flacher wurde, lässt ihn auch in der Seitenansicht dynamischer erscheinen.

    Auf der Straße vermittelt der Kombi in erster Linie Fahrspaß. Die ST-Line fühlt sich eher der Dynamik als dem Komfort verpflichtet, dazu passen ein sportliches Lenkrad mit guter Rückmeldung vom Fahrwerk, sehr individuell einstellbare Sitze mit verbindlichem Seitenhalt und viel schwarzes Leder. Natürlich gibt es verschiedene Fahrmodi, und trotz gut abgestimmter Automatik macht es mehr Spaß, die Gänge per Lenkrad-Paddle zu sortieren. Aus dem Stand sprintet der Wagen in 8,5 Sekunden auf Tempo 100, innen fühlt es sich aber zwei Sekunden schneller an. Denn: Die passende Akustik aus der Auspuffanlage stimmt auch.

    Kleine Motoren, große Leistung

    Die größte Überraschung nach der Probefahrt birgt aber der Blick auf die technischen Daten: Der Testwagen mit 182-PS-Benzinmotor hat nur drei Zylinder und 1,5 Liter Hubraum unter der Haube. Bei den Benzinern hat sich Ford komplett dem Downsizing verschrieben und bietet nur noch Dreizylinder an. Basismotoren haben einen Liter, die größeren 1,5 Liter Hubraum. Sie sind nicht nur verblüffend laufruhig und kräftig, sondern kommen nach offizieller Messung auch mit Mini-Verbräuchen aus. Beim ST Line sind es kombiniert 5,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer.
    Wer noch spritsparsamer fahren will, kann nach wie vor auch zu einem der Dieselmotoren greifen, die weiterhin mit vier Zylindern arbeiten und ein Leistungsband von 95 PS (70 kW) bis 150 PS (110 kW) abdecken. Die 2,0-Liter-Variante arbeitet mit SCR-Katalysator, die 1,5-Liter-Ausführung kommt mit NOx-Fallen aus. Die Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen alle Motoren. Ford nennt Norm-Verbrauchswerte von 3,3 bis 4,4 Litern für die Selbstzünder.

    Infotainment wird Standard

    Im modernisierten Innenraum folgt Ford dem allgemeinen Trend und hat nachgeholt, was die meisten Konkurrenten schon lange vorgelegt haben: Das neue Infotainment-System ersetzt gefühlt ein gutes Dutzend Knöpfchen und Regler. Zwar durften am Lenkrad viele Schalter bleiben, doch die meisten Funktionen lassen sich über ein zentrales Touch-Display treffsicher ansteuern.

    Auch in puncto Sicherheit und Komfort hat Ford aufgerüstet. Neben der empfehlenswerten Sprachregelung Sync 3 gibt es zum Beispiel mit dem Stau-Assistenten erste autonome Fahrfunktionen. Vorne passen LED-Scheinwerfer den Lichtkegel dem Fahrbahnverlauf an und hinten kann der Einpark-Helfer beim Rangieren erstmals auf menschliche Hilfe verzichten. Ein Head-up-Display ist ebenfalls zu haben, die Projektion der Fahrdaten auf eine nachträglich eingebaute Kunststoffscheibe wirkt allerdings nicht besonders wertig.

    Die Turnier-Preise legt Ford wie gewohnt konsequent 1.000 Euro über die Limousinen-Preise. Das spartanisch ausgerüstete Basismodell kostet 19.700 Euro, die getestete ST-Line mit einigen Extras mindestens 10.000 Euro mehr. Wer mit den bislang angebotenen neun Motoren oder aber der Optik noch nicht glücklich ist, kann auch noch warten: Ein Plug-In-Hybrid soll noch 2019 folgen. Ebenso der Focus Active, ein auf Outdoor getrimmter Kombi – für all jene, die bei aller Liebe zum Kombi dann doch ein bisschen SUV-Feeling brauchen.
    Technische Daten:
    Ford Focus Turnier ST-Line
    Antrieb: 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenzinmotor
    Leistung: 134 kW/182 PS
    Beschleunigung: 0–100 km/h: 8,5 Sek., max: 220 km/h
    CO2-Ausstoß: 127 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp
    Verbrauch: 5,3 l/100 km
    Preis: ab 29.000 Euro

    Heides Testurteil: „Der kleine Dreizylinder ist sehr kraftvoll und der ganze Wagen viel agiler als von einem Kombi erwartet. Den Nachholbedarf bei den Assistenzsystemen hat Ford erkannt – und gehandelt. Nur schade, dass zum Marktstart der vierten Generation der längst überfällige Plug-In-Hybrid noch nicht fertig war.“


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