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Dax tritt auf der Stelle – RWE-Aktie legt weiter zu

Der deutsche Leitindex ist seit der Rally am vergangenen Freitag im Korrekturmodus. Die EZB könnte heute für neuen Schwung sorgen.

Der Dax sucht derzeit nach einer Richtung. Der deutsche Leitindex eröffnet am heutigen Donnerstag praktisch unverändert bei 11.053 Zählern. Den gestrigen Handelstag beendete die Frankfurter Benchmark mit einem Minus von 0,2 Prozent und 11.071 Punkten.

Der heutige Handelstag steht im Fokus der ersten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr. Denn zuletzt schwache Konjunkturdaten und eine unter dem Zielniveau liegende Inflation treiben die Notenbanker um EZB-Chef Mario Draghi um. Eine denkbare Antwort darauf wären neue Liquiditätsspritzen für Geldhäuser im Euro-Raum. Das könnte möglicherweise wieder die Kurse beflügeln.

Auf ihrer Dezember-Sitzung hatten die Währungshüter bereits über diese als TLTRO bekannten Langfristkredite gesprochen. An den Schlüsselzinsen, die bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, dürfte die EZB nicht rütteln.

Nach Meinung der Helaba erhöht sich das Risiko, dass es an den Aktienmärkten zu neuerlichen und möglicherweise größeren Rücksetzern kommt. Angesichts der verschiedenen Unsicherheitsfaktoren wie den weiteren Entwicklungen rund um den Brexit oder dem laufenden Handelsstreit zwischen den USA und China sei das durchaus nachvollziehbar.

Hinzu komme, dass sich mit Blick auf das weltweite Wachstum verstärkt Zweifel breit machen. Die durch den IWF reduzierte, globale Wachstumsprognose folge einem Trend, welcher sich bereits früher abzeichnete. Dazu passe auch, dass laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes, die Zahl der weltweiten Firmenpleiten im Jahr 2019 weiter und damit das dritte Jahr in Folge, zunehmen wird.

Die Börsenstimmung signalisiert nach Meinung von Joachim Goldberg, der für die Börse Frankfurt eine Sentimentumfrage auswertet, eher keine größeren Kursbewegungen. Der deutsche Leitindex sei zumindest durch heimische Nachfrage auf niedrigerem Niveau (möglicherweise bei 10.850/10.900 Punkten) gut unterstützt, während an der Oberseite relativ wenig Gegenwind durch weitere Gewinnmitnahmen drohe. ‘Was mögliche langfristige Zuflüsse ausländischen Kapitals angeht, sehen wir derzeit allerdings keine größeren Volumina am Horizont, von denen der Dax nachhaltig profitieren könnte’, schreibt der Verhaltensökonom in seiner aktuellen Analyse.

Wenig Einfluss auf die Märkte hat die Regierungsrevolte in Venezuela, dem Land mit den größten Ölreserven der Welt. Doch das Land kam noch Öl gefördert hat, sind die Preise für Öl sogar leicht gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet 60,86 Dollar, ein Minus von 0,4 Prozent.

Blick auf die Einzelwerte

RWE:

Der größte Kursgewinner im Dax des gestrigen Tages ist auch am heutigen Handelstag wieder gefragt. Gestern betrug das Plus fünf Prozent, heute zur Eröffnung sind es weitere 1,8 Prozent. Grund für die Nachfrage sind die Aussichten auf Entschädigungen für den Kraftwerksbetreiber im Fall des Ausstiegs aus der Kohleverstromung. Staatlichen Zwang – mit möglichen negativen Folgen für die Kraftwerksbetreiber – soll es erst dann geben, wenn es bis Mitte 2020 zu keiner Einigung auf Entschädigungen kommt.

Osram:

Der Münchner Lichttechnik-Konzern meldet einen Geschäftseinbruch. ‘Hierbei wirken sich besonders die anhaltenden Handelskonflikte, die Wachstumsschwäche in China und die allgemeinen politischen Unsicherheiten belastend aus’, erläutert das Management. Für das vergangene Quartal wies es einen Umsatz im fortgeführten Geschäft von 828 Millionen Euro aus, auf vergleichbarer Basis ein Rückgang von rund 15 Prozent. Die Aktie gibt zur Eröffnung um 0,8 Prozent nach.

Zooplus:

Der Internethändler für Heimtierprodukte hat auf Basis vorläufiger Zahlen im Geschäftsjahr 2018 seinen Umsatz um 21 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro gesteigert. In allen 30 Ländermärkten konnten im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut zweistellige Wachstumsraten erzielt werden, wie Zooplus mitteilte. Die finalen Ergebnisse will das Unternehmen am 20. März veröffentlichen. Die Aktien geben zum Start ein Prozent nach.

Was die Charttechnik sagt

Seit dem rasanten Anstieg am vergangenen Freitag mit einem Plus von 2,6 Prozent ist der Dax kurzfristig in einer Korrekturphase. Die Marke von 11.000 Punkten konnte gestern noch verteidigt werden, der Dax schloss mit 11.071 Zählern über den Tiefpunkten der Montag Oktober (11.051) und November (11.009).

‘Ob dies in den kommenden Tagen ebenfalls gelingen wird ist zweifelhaft’, meinen die Charttechniker der Helaba. Neben einigen technischen Indikatoren, die fallende Notierungen signalisieren, sind auch die steigenden Handelsumsätze bei nachgebenden Kursen ein negatives Signal. Heute gilt es, die Unterstützung bei 11.047 Zählern zu beachten, meinen die Helaba-Experten. Ein Rutsch unter diesen Bereich würde zunächst die Marken bei 10.956 und 10.903 Punkten in den Fokus rücken.

Mittelfristig gesehen könnte laut einem Bericht des Handelsblatts zufolge dem Dax ein Debakel drohen. Dies ist die Einschätzung vier technischer Analysten, die das Handelsblatt zu den Perspektiven für 2019 befragt hat – und die vor genau einem Jahr treffend den Absturz vorhergesagt haben. Ihre Kernbotschaft lautet diesmal: Ein wenig geht es noch aufwärts, ehe der Dax auf neue Tiefs und unter die Marke von 10.000 Punkte fallen wird.

Termine heute

Bei den Konjunkturdaten stehen neben den Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Euro-Zone vor allem die US-Frühindikatoren im Fokus.

Blick auf Börsen in den USA und Asien

Die US-Börsen haben am Mittwoch positiv auf Entspannungssignale im US-chinesischen Handelsstreit reagiert. ‘Ich finde gut, wo wir gerade stehen’, sagte US-Präsident Donald Trump mit Blick auf die Verhandlungen mit der Volksrepublik. Zuvor hatte sein Wirtschaftsberater Kevin Hassett verkündet, dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt ihren Handelsstreit bis zum 1. März beilegen könnten.

Nach einer Berg- und Talfahrt schlossen alle drei großen US-Indizes im Plus. Der Dow-Jones der Standardwerte legte 0,7 Prozent auf 24.575 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,2 Prozent auf 2638 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,1 Prozent auf 7025 Punkte.

Die asiatischen Aktienmärkte gaben am Donnerstag nach. Börsianer verwiesen neben den IWF-Warnungen auch auf den teilweisen Regierungsstillstand in den USA.

Hinzu kamen schlechte Konjunkturnachrichten: Japans Industrie hat zu Jahresbeginn deutlich an Fahrt verloren, wie Daten des Markit/Nikkei-Einkaufsmanagerindex zeigen. In Tokio tendierte das Börsenbarometer Nikkei 0,2 Prozent tiefer bei 20.560 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 0,1 Prozent.

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