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Brandschutz in Unternehmen

Beim Brandschutz kommt es auf Details an. Oft sind es Kleinigkeiten, die eine große Katastrophe auslösen – ausgerechnet dann, wenn keiner mehr im Betrieb ist. Für die Prävention sind Ordnung, Abfallentsorgung, Anlagenreinigungen und die Kontrolle von Elektrogeräten nicht zu unterschätzen.

Das Feuer war kilometerweit auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen zu sehen. Anfang Dezember brannten eine 100 Meter lange Halle sowie ein weiteres Gebäude des Lkw-Handelsunternehmens Alga Nutzfahrzeug und Baumaschinen GmbH in Sittensen bis auf die Grundmauern nieder. Büros, eine Wohnung, Werkstattinventar sowie 15 Sattelzugmaschinen wurden komplett vernichtet, der Sachschaden beträgt mindestens drei Millionen Euro.

„Wir wissen nicht, was wir beim Brandschutz falsch gemacht haben“, rätselte einer der Geschäftsführer Wochen nach dem Unglück über dessen Ursache. Wie viele Unternehmen hatte auch Alga ein entsprechendes Konzept der Feuerwehr vorgelegt, welche keine Beanstandungen äußerte.

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Der Verdacht auf menschliches Fehlverhalten oder auf einen Kurzschluss liegt nahe, konnte aber bislang nicht bewiesen werden. Beide Faktoren sorgen für die meisten Brandkatastrophen in Deutschland. Laut Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) ist jeder fünfte Gebäudebrand auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Noch häufiger gehen Feuer von durchgebrannten Sicherungen und Wärmestaus aus. Jeder dritte Gebäudebrand wird direkt oder indirekt von einem Elektrogerät verursacht. Auch Großbetriebe können so durch ein einziges defektes Teil vernichtet werden. Ostern 2016 löste etwa ein Kälteaggregat den Großbrand der Geflügelfabrik Wiesenhof im niedersächsischen Lohne aus. Mit rund 300 Millionen Euro Gesamtschaden war diese Brandkatastrophe die vermutlich teuerste der vergangenen Jahre in Deutschland.

Mehr, als das Gesetz verlangt

Weil infolge der Digitalisierung nahezu jeder Betrieb zusätzliche Hardware eingekauft hat, kann Elektrizität in Zukunft noch weit mehr Feuerschäden in Büro- und Gewerbegebäuden auslösen. Allerdings haben es die Unternehmen selbst in der Hand, eine solche Eskalation zu verhindern.

Die regelmäßige Kontrolle von Elektrogeräten sollte überall eine selbstverständliche Brandschutzmaßnahme sein, mahnt Carsten Wege, Geschäftsführer des Bundesverbands Brandschutz-Fachbetriebe (BVBF). „Jeder Computer und Drucker, der dauerhaft im Stand-by-Betrieb läuft, stellt eine unterschätzte Gefahr dar“, sagt er.

„Wenn deren Lüftungsschlitze durch Papier oder Akten verdeckt werden, kann sich schnell ein Wärmestau entwickeln.“ Weil die Geräte permanent Wärme abgeben, entstehen Schwel- oder Kabelbrände, welche sich zu einem Vollbrand ausweiten und das gesamte Gebäude niederbrennen können.

Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sind Wege zufolge völlig unzureichend auf einen Brandfall vorbereitet. Viele würden sich ausschließlich auf die gesetzlichen Vorschriften ihres Bundeslandes verlassen. Alle 16 Bundesländer haben eigene Brandschutzgesetze. Sie definieren vorbeugende Maßnahmen für besonders gefährdete Gebäude und verpflichten Bewohner und Mitarbeiter zur Zusammenarbeit mit der Feuerwehr.

„Dem Gesetzgeber geht es in erster Linie um den Personenschutz“, skizziert Wege die Grenzen dieser Gesetze. „Jeder Unternehmer sollte darüber hinaus aber auch an einen angemessenen Schutz seiner Betriebswerte denken.“ Die Installation von Feuerlöschern ist nur der erste Schritt – zu dem ohnehin jeder verpflichtet ist, der mehr als einen Angestellten beschäftigt.

Die Geräte sowie weitere Brandschutzeinrichtungen müssen wenigstens alle zwei Jahre geprüft, ebenso Mitarbeiter in Brandverhütung und das richtige Verhalten im Ernstfall eingewiesen werden, damit im Fall der Fälle alles reibungslos funktioniert. „An regelmäßigen Unterweisungen führt kein Weg vorbei“, sagt Wege.

„Außerdem sollte der Unternehmer ausgesuchte Mitarbeiter als Brandschutzhelfer engagieren.“ Im Ernstfall müssen diese besondere Aufgaben übernehmen und beispielsweise erste Löschversuche unternehmen, Evakuierungen organisieren oder die Feuerwehr einweisen.

Ordnung ist der beste Schutz

Solche Qualifikationen sollten auch in Brandschutzkonzepten aufgelistet werden. Mit der DIN 14096 steht jedem Betrieb ein Rahmen für ein solches Regelwerk zur Verfügung. Er muss unter anderem darlegen, welche vorbeugenden Schutzmaßnahmen für Gebäude und Anlagen er entwickelt hat, wie er Mitarbeiter für den Brandschutz qualifiziert, welche Evakuierungspläne und Rettungswege existieren und was er für die Löschwasserversorgung tut.

Die Inhalte eines solchen Brandschutzkonzepts werden alle zwei Jahre von TÜV- oder anderen Sachverständigen überprüft. „In der Zwischenzeit gibt es für jeden Betrieb viel zu tun“, sagt Marco van Lier, Schadensverhütungsexperte beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Jeden Tag können die Mitarbeiter Maßnahmen treffen, welche das Brandrisiko geringhalten. Das A und O ist Sauberkeit und Ordnung im Betrieb. „Mitarbeiter sollten darauf achten, dass entzündbare Flüssigkeiten an sicheren Orten lagern, Staub aus dem Arbeitsbereich abgesaugt wird und Filteranlagen regelmäßig gereinigt werden“, empfiehlt van Lier.

Auch die tägliche Beseitigung von Abfällen und Reinigung von Maschinen sind wichtige Präventivmaßnahmen. Und jeder Betrieb sollte nach Feierabend Brandschutztüren schließen und Stromkreise unterbrechen. „Viele Brände brechen aus, wenn sich keiner mehr im Betrieb aufhält“, weiß van Lier. Alga in Sittensen und Wiesenhof in Lohne können dies bestätigen.

 

So versichern Sie Ihren Betrieb gegen Brandschäden

Ob Unternehmer eine Feuerversicherung abschließen, ist ihnen freigestellt. Auch könne sie als separate Versicherung abgeschlossen werden oder in Kombination mit einer Gebäudeversicherung, erklärt Alexander Küsel, Leiter Schadenverhütung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.Im gewerblichen Bereich sei allerdings eine eigenständige Feuerversicherung üblich. Entsprechende Policen decken nicht nur durch den Brand verursachte Schäden ab, sondern auch sekundäre Schäden, wie etwa die Kosten für einen Feuerwehreinsatz oder Löschwasserschäden. Diese drei Tipps gibt der Experte für einen sorgenfreien Versicherungsschutz:

  1. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung, die Ertragsausfälle nach einem Produktionsstopp ausgleicht, ist essenziell. Schließen Sie Laufzeiten für zwei bis drei Jahre ab. So lange können Schadensregulierung und Wiederaufbau durchaus dauern.
  2. Versichern Sie Betriebsgegenstände zum Wiederbeschaffungswert: Wenn der Versicherer nur den aktuellen Wert zahlt, müssten Sie Abzüge in Kauf nehmen.
  3. Stellen Sie dem Versicherer regelmäßig aktualisierte Zahlen über den Realwert Ihrer Investitionsgüter zur Verfügung. Die Alternative ist eine Wertanpassungsklausel.

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