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Creditreform

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Die Preise steigen in einem Umfeld starker konjunktureller Erholung stark an. Unternehmen mit großer Marktmacht können höhere Preise durchsetzen.

 

Ein Phänomen kehrt zurück, das schon längst Vergangenheit schien: Inflation. Um 3,8 Prozent legten die Preise in Deutschland im Juli 2021 im Vergleich zum Juli 2020 zu. In den USA sogar um 5,4 Prozent. Großangelegte Ausgabenprogramme der Regierungen und die lockere Geldpolitik sorgen für eine starke Nachfrage nach Erdöl, Metallen, Energie oder Baumaterialien.

Dennoch geht die Europäische Zentralbank lediglich von einer temporären Periode mit einer starken Inflation aus. „Anleger können sich weiterhin auf eine noch längere Zeit niedrigster Verzinsungen bei Staats- und auch Unternehmensanleihen einstellen, allerdings mindestens bis zum Jahresende gepaart mit höheren Inflationsraten“, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel.

 

Gold enttäuscht

Viele Sparer fragen sich, wie sie in diesem Umfeld ihr Kapital erhalten oder vermehren können. Mit den Niedrig- oder sogar Negativzinsen verlieren Anleger mit Zinsanlagen unterm Strich real Geld. „Die Chance auf den Erhalt der Kaufkraft des angelegten Kapitals besteht also weiterhin nur, wenn andere Anlageklassen wie Aktien, Edelmetalle oder Immobilien berücksichtigt werden“, sagt Mumm. Doch gerade Gold enttäuscht in diesem Umfeld. Der Goldpreis ist in diesem Jahr trotz steigender Preise um fünf Prozent gesunken. Somit bleiben vor allem Aktien als Sachwertanlagen, die sich in einem Umfeld mit steigenden Preisen behaupten können.

 

Inflation: Gift für Anleger?

Inflation muss nicht per se Gift sein für Anleger: „Anlageklassen, die auf steigende Preise empfindlich reagieren, könnten vom Comeback der Inflation profitieren. So bieten Aktien von Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht oder die von der Entwicklung der Rohstoffpreise beeinflusst werden, Schutz gegen die Inflation“, sagt Olivier de Berranger, Chief Investment Officer beim französischen Investmenthaus La Financière de l‘Echiquier (LFDE).

Ein Beispiel dafür ist die Aktie des Lebensmittelherstellers Nestlé. Der Konzern ist mit seinen bekannten Markennamen wie Maggi, Nespresso oder auch Nesquik rund um den Globus bekannt. Nestlé verfügt zudem über viel Preissetzungsmacht sowohl beim Verkauf als auch beim Einkauf und kann steigende Preise durchsetzen. Auch in der Corona-Krise konnte Nestlé wachsen und die Dividende erhöhen.

 

Microsoft: Starke Geschäftssäulen

Ebenfalls über Preissetzungsmacht verfügt der Softwarekonzern Microsoft. Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen die Software des US-Konzerns. Das Unternehmen konnte von der Corona-Krise profitieren und seinen Gewinn steigern. Bei Fondsmanagern ist die Aktie äußerst beliebt und zeigt einen stabilen Aufwärtstrend. Das Unternehmen verfügt über starke Geschäftssäulen.

Die Mischung aus Software, Business-Anwendungen, der Cloud und Gaming sind eine gute Basis, um auch in Zukunft zu wachsen. Mit der Übernahme von Nuance Communications bekommt Microsoft weitere Impulse im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

 

Konsumgüterproduzenten profitieren

In einem Umfeld steigender Preise können sich auch Konsumgüterhersteller gut behaupten. Ein Beispiel ist Procter & Gamble. Produkte des US-Konzerns gehören zum Alltag von Millionen von Menschen rund um den Globus. Diese lassen sich wegen kleiner Preiserhöhungen nicht von ihren Lieblingsmarken abbringen. Das Geschäftsmodell des US-Konzerns ist äußerst robust. Seit 130 Jahren schüttet Procter & Gamble Dividenden aus, seit 64 Jahren sogar mit einem steigenden Betrag.

Mit der zunehmenden Erholung der Weltkonjunktur legen auch Rohstoffpreise stark zu. Im Blickpunkt steht dabei Kupfer. „Binnen der nächsten zehn Jahre wird die weltweite Kupfernachfrage vor allem durch die inzwischen global mehr in den Fokus rückende Energiewende und die Elektrifizierung des Straßenverkehrs zusätzlich begünstigt“, sagt Stefan Breintner, Head of Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG. Im Rohstoffsektor zählt die Aktie von Freeport-McMoran zu den Gewinnern, einer der größten Kupferproduzenten weltweit. Laut Analystenschätzungen soll das Unternehmen 2020 seinen Umsatz um 50 Prozent auf 22 Milliarden US-Dollar steigern – auch dank steigender Kupferpreise.