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Creditreform

Historische Höchststände machen die Aktienmärkte anfällig für plötzliche und starke Kursrückschläge. Kommen politische Krisen und wirtschaftliche Unsicherheiten dazu, wird es richtig brenzlig an den internationalen Börsen. Anleger können ihre Depots jedoch mit wenigen Handgriffen sicherer machen und dadurch zumindest extreme Kursverluste vermeiden.

Anfang Juni 2014 stieg der deutsche Dax erstmals auf mehr als 10.000 Punkte. Seinen historischen Höchststand erreichte das Börsenbarometer der hiesigen Firmenelite dann am 3. Juli mit 10.051 Punkten. Doch im Anschluss ging’s mit Tempo gen Süden: An einem Tag fiel der Index gar wieder unter die magische 9.000er-Marke. Angesichts der längerfristigen Performance seit Anfang des Jahres 2009, als der Dax mit knapp 3.600 Punkten auch die größten Optimisten zum Verzweifeln brachte, ist diese jüngste Korrektur zwar lediglich als kleine Anekdote der Börsengeschichte anzusehen. Wer aber bei Dax-Ständen um den 9.500er-Pegel zugegriffen hatte, sah den Kursrückgang weniger gelassen. Mitte August titelte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ denn auch: „An der Börse macht sich Angst breit.“ Wohl wahr.

„Kostolanis Empfehlung, Aktien zu kaufen, sich schlafen zu legen und nach einiger Zeit ob der Kursgewinne schier aus dem Häuschen zu sein, gilt heute nicht mehr“, weiß Walter Schmitz aus Leverkusen, seit den 1960er-Jahren Investmentprofi und Berater diverser Investmentgesellschaften. Doch auch wenn es den Crash auf Ansage oder die deftige Korrektur auf Zuruf nicht gibt, mehren sich seit längerem die warnenden Stimmen von Experten und Börsenbeobachtern: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, bescheinigte bereits vor Monaten dem Jahr 2014 „einiges Störpotenzial“. Und die Analysten der Fondsgesellschaft Adig sehen weiter Probleme in den Schwellenländern, insbesondere jenen Lateinamerikas.

Anleger wollen ihre Depots schützen

Zu schaffen machen den Börsianern derzeit einige Geschehnisse: Die Weltwirtschaft schwächelt. Die chinesische Konjunktur humpelt, die brasilianische hinkt bereits – beide Volkswirtschaften brachten die Weltkonjunktur über Jahre hinweg ordentlich ans Laufen. In Deutschland sank die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal geringfügig. Im Irak geht’s drunter und drüber, im Gaza-Streifen ebenfalls. Die Ukraine-Krise deuten einige Marktkenner als erste Zeichen für den Ausbruch einer Neuauflage des Kalten Krieges zwischen Ost und West.

Angesichts dieser wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen ist es nur zu verständlich, dass Anleger nach Möglichkeiten suchen, ihre Aktiendepots wetterfest zu machen, um mögliche Kursverluste wenigstens zu begrenzen. Sinnvolle Instrumente und recht einfache Handgriffe gibt es genug. Das Creditreform-Magazin stellt im Folgenden die gängigsten Varianten vor:

Stop-Loss

Dieser Risikoschutz fürs Depot funktioniert vergleichsweise simpel: Der Anleger gibt einen Kurs vor, zu dem exakt oder in dessen Nähe das Wertpapier verkauft werden soll. Dieser Stop-Loss-Kurs liegt in der Regel um einiges unter dem aktuellen Börsenpreis einer Aktie. Das können fünf, zehn, 15 oder gar 20 Prozent sein – wie viel, hängt letztlich von der individuellen Schmerzgrenze für Verluste des Aktionärs ab. Falls der Anleger von der langfristigen Qualität des Werts überzeugt ist und nur die finanziellen Folgen eines Durchhängers vermeiden möchte, gibt er parallel zum Verkaufs- einen Kaufauftrag. Auch hier wird eine Preisgrenze (limitierter Kauf) festgelegt.

Short-ETF

Die Exchange Traded Funds (ETFs) sind Indexfonds und bilden einen bestimmten Börsenpegel wie den Dax oder den globalen MSCI in ihrem Portfolio ab. Spekulieren kann man mit diesen Indexmessern nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse. Zu erkennen sind solche ETFs am Zusatz „short“, „inverse“ oder „reverse“. Im Idealfall verdient der Aktionär mit dem Shorty so viel Geld, wie er mit einem herkömmlichen ETF bei fallenden Kursen verliert. Vorsicht: Manche Shortys werden gehebelt. Dies bedeutet zum Beispiel: Fällt ein Index um fünf Prozent, legt der Kurs des Short-ETF um zehn Prozent zu. Und umgekehrt.

Volatilitätsindex

So lautet der Fachbegriff für die Schwankungsbreite eines bestimmten Börsenbarometers wie des Dax. Auf die künftig erwartete, sogenannte implizite Volatilität gibt es für einige Börsenplätze ebenfalls einen Index, zum Beispiel den CBOE Volatility Index (VIX) für die Schwankungsbreite des S&P-500-Index. Dazu existieren passende Anlageinstrumente wie etwa Fonds. Der Depotabsicherung durch den Kauf eines Indexfonds auf den VIX liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Volatilität als Messzahl für die Unsicherheit unter Investoren bei fallenden Börsenkursen teils stark ansteigt. Beim Dax beispielsweise beträgt die Volatilität in ruhigen Zeiten mit stetig steigenden Kursen deutlich weniger als 20 Prozent. In Krisenphasen kann die Volatilität schnell auf 50 oder noch mehr Prozent hochspringen. Die Folge: Gewinne mit einem VIX-Fonds können Aktienkursverluste zumindest spürbar dämpfen.

Optionsscheine

Sie zählen zu den komplizierten und auch riskanten Instrumenten zur Depotabsicherung. Warrants etwa sind Termingeschäfte, deren Bestandteile und Funktionsweisen nur erfahrene Privatanleger verstehen. Solche Optionsscheine gibt es als Spekulation sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse von Börsenindizes, einzelnen Aktien und vielen anderen Basiswerten. Die „Puts“, mit denen Anleger auf steigende Kurse setzen, eignen sich deshalb während eines bestimmten Zeitraums als Risikoschutz fürs Depot. Wie viel Put-Optionsscheine aufs Stück genau nötig sind, um ein bestimmtes Aktienportfolio komplett abzusichern, sollte ein in diesem Metier versierter Bankberater berechnen können.

Zertifikate

Diese strukturierten Anlageformen gibt es in fast ungezählten Varianten. Nur einige wenige davon kommen jedoch zur Depotabsicherung überhaupt infrage. Da sind in der Hauptsache Short-Knock-out- Papiere vorzugsweise mit unbegrenzter Laufzeit auf Einzelwerte oder komplette Aktienindizes zu nennen. Zu beachten ist auch hier der Hebeleffekt, wonach der Kurs solch eines Zertifikats prozentual gesehen stärker steigt oder auch fällt als jener des Basiswerts, beispielsweise des Dax. Im Idealfall gewinnt der Anleger durch die Absicherung mittels Knock-out mehr als er mit seinem Depot während einer Schwächephase verliert.


CAPE-RATIO – DIESE KENNZAHL VERUNSICHERT

Der US-Ökonom Robert Shiller ist als Crash-Guru eine Legende. Shiller sagte den Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes voraus, dem die bedrohlichste Finanzkrise der Neuzeit folgte, die die wirtschaftliche Ordnung westlicher Prägung beinahe kollabieren ließ. Er entwickelte die sogenannte Cape-Ratio mit. Die Abkürzung „Cape“ steht für Cyclically Adjusted Price-Earnings. Diese Kennziffer, die aus zahlreichen Daten der Unternehmensbilanzen berechnet wird, gibt ein Urteil darüber ab, ob US-amerikanische Aktienkurse zu hoch, zu niedrig oder aber angemessen bewertet sind.

Shiller und sein Team haben die Cape-Ratio für die vergangenen 130 Börsenjahre in den USA zurückgerechnet. Nur drei Mal war die Kennzahl so hoch wie heute und betrug rund 25: in den Jahren 1929, 1999 und 2007. Jedes Mal rauschten die Aktienkurse kurz darauf mit Karacho in den Keller. Nicht die besten Aussichten für Börsianer.