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Creditreform

© Vimcar

Weniger Kilometer, Kosten sparen: In der Corona-Krise besteht bei vielen Unternehmen Bedarf, ihr Flottenmanagement den neuen Bedingungen anzupassen. Welche Lösungen gefragt sind.

 

So langsam ziehen die Nachfrage und das Interesse der Großkunden wieder an. „Allerdings darf das noch nicht als Trend oder als eine sichere Entwicklung gesehen werden. Wir haben das in den vergangenen Wochen nur beobachtet, seit wir unseren Verkauf wieder öffnen dürfen“, erklärt Jürgen Karpinski, Geschäftsführer der Firma Auto Schmitt und Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe.

In jeweils zwei Betrieben in Frankfurt und Idstein beschäftigt der Unternehmer 220 Mitarbeiter. Unter anderem bietet der Kfz-Händler Firmen aller Branchen in den Segmenten Dienstwagen sowie Nutzfahrzeuge eine Rundum-Versorgung. „Wir wickeln bei Bedarf das gesamte Flottenmanagement ab. Von der Finanzierung bis zur Wartung, der Reparatur und der Abrechnung von Tankquittungen“, erläutert Karpinski.

In den vergangenen Monaten haben sich aus seiner Sicht die Bedürfnisse der Unternehmen verschoben. „Zuerst verzeichneten wir einen kompletten Einbruch. Das Thema Dienstfahrzeuge stand bei unseren Kunden während des Lockdowns quasi überhaupt nicht mehr auf der Agenda.“

 

Firmenwagen nach Bedarf teilen

Inzwischen beobachtet er, dass sich häufiger zwei oder mehr Arbeitnehmer ein Fahrzeug nach Bedarf teilen. „Die Firmen wollen in der Krisensituation Kosten sparen“, sagt Karpinski. Außerdem würden die einzelnen Fahrzeuge weniger genutzt, weshalb die Kilometerleistung tendenziell gesunken sei.

Das deckt sich mit den Ergebnissen diverser Umfragen des Flottendienstleisters Vimcar. Das Unternehmen erfasste die Bewegungsdaten von über 90.000 Geschäftsfahrzeugen. Bei jeder vierten Firma reduzierten sich die Strecken um die Hälfte.

„Viele Mittelständler wie auch Einzelhändler konnten nicht einfach ins Homeoffice wechseln, weil ihr Geschäftsmodell es nicht zulässt. Oft fehlte es an technischen Voraussetzungen für den Arbeitsablauf in den eigenen vier Wänden“, kommentiert Vimcar-Geschäftsführer Andreas Schneider die Entwicklung. Kundengespräche wurden oft telefonisch oder online geführt.

Lieferservices waren gefragt. Deshalb verzeichnete der Dienstleister verstärkte Nachfrage bei Software zur Fahrzeugortung. „Aber erst wenn Geschäftstermine und Dienstreisen wieder wie gewohnt stattfinden, werden die Wegstrecken auf das Ursprungsniveau springen“, prognostiziert Schneider.

Lieferverzögerungen bei Neuwagen

Er geht von einem schrittweisen Anstieg aus. Die Mehrheit von 60 Prozent der befragten Unternehmen wollen die Anzahl ihrer Fahrzeuge konstant halten. Jeder zehnte Mittelständler plant, zu reduzieren. Elf Prozent der Firmen avisieren, Verträge anzupassen, und jeder fünfte Umfrageteilnehmer hat die Bestellung neuer Fahrzeuge aufgeschoben.

Bei der Bestellung von Neufahrzeugen kommt es wegen Corona ohnehin zu Lieferverzögerungen. So beobachtet das auch Lebensmitteleinzelhändler Tegut. „Einige Modelle haben eine längere Lieferzeit. Ansonsten hat sich für uns als Lebensmitteleinzelhändler aber beim Flottenmanagement nichts geändert“, erklärt Florian Göb, Leiter des Bereichs Sicherheit und Versicherung bei Tegut.

Das Unternehmen least 99 Prozent der Pkw und leichten Nutzfahrzeuge, auch weil bei 330 Fahrzeugen die Kapitalbindung sonst zu hoch wäre. „Gekauft wird nur, wenn die Nutzung des Fahrzeugs dies bedingt. Das heißt, wenn viele kleine Beschädigungen entstehen werden, die von der Leasinggesellschaft in der Abrechnung als Wertminderung in Abzug gebracht werden“, erklärt Göb.

Das Problem der Lieferengpässe lösen Firmen momentan häufiger via Vertragsverlängerungen beim Leasing. „Dies wurde bei uns auf dem kurzen Dienstweg kurzfristig ausgeglichen“, erklärt Stefan Gentemann, Vertriebsleiter Car Solutions des Leasingfinanzierers abcfinance advise in Köln. Insgesamt seien die Flotten weder verkleinert worden noch sei die Nachfrage schwächer als sonst.

Vertragsverlängerungen stehen momentan ebenso beim Autohändler Jürgen Karpinski auf dem Plan. Er rät: „Inwieweit sich diese Lösung als Alternative zum Neuabschluss anbietet, muss individuell geprüft werden.“ Auch neue Preisgestaltungen stehen im Fokus.

 

Auto-Abo statt Leasing

„Alle Stellschrauben des Leasings wie die vereinbarte Kilometerleistung, die neue Laufzeit und der Restwert können auf den Tisch kommen“, so Karpinski. Verlängerungs- oder Anschlussverträge werden gegebenenfalls unter neuen Bedingungen geschlossen.

Patrick Rosenblatt, Geschäftsführer des gleichnamigen Fachgeschäfts für Tapeten, Farben und Bodenbeläge in Erftstadt bei Köln, geht einen komplett anderen Weg. Er entschied sich vor fast zwei Jahren statt für ein Leasing lieber für ein Auto-Abo der Firma Like2drive.

„Wir haben zwei Firmenwagen. Der Vorteil besteht für uns zum einen darin, dass wir regelmäßig ein neues, sehr gut ausgestattetes Modell nutzen können. Um die aufwendige Konfiguration brauchen wir uns nicht zu kümmern“, so Rosenblatt. Darüber hinaus hat er keinen bürokratischen Aufwand mit Versicherungen, Schadenabwicklung oder Inspektionen.

„Es fällt eine feste Rate an, mit der wir gegenüber anderen Finanzierungen noch Geld sparen“, sagt Rosenblatt. Drei Monate vor Abo-Ende wählt er sich online einen neuen Wagen aus. „Damit läuft die Anschlussmobilität reibungslos“, so Rosenblatt.