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Creditreform

Wer glaubt, säumige Kunden in Wien, Moskau oder Shanghai mit Standardmahnschreiben aus der deutschen Firmenzentrale zur Zahlung zu bewegen, erleidet oft Schiffbruch. Auslandsinkasso ist eine Sache für Spezialisten – wie Creditreform.

„En ymmärrä“ – „ich verstehe nicht“ – hallte es dem Creditreform-Kunden, einem mittelständischen Lieferanten von Kfz-Ersatzteilen, am Telefon entgegen. Oliver Höfs, Leiter der Auslandsinkasso-Abteilung bei Creditreform, muss immer noch ein wenig schmunzeln, wenn er davon erzählt. Es ging um einen Rechnungsbetrag von gut 5.000 Euro. Ein finnischer Kunde des Unternehmers aus Deutschland hatte trotz mehrfacher Mahnung nicht gezahlt und offensichtlich seine zuvor perfekten englischen Sprachkenntnisse verloren. Daraufhin schaltete der Mittelständler die Inkassospezialisten von Creditreform ein. Deren finnischer Inkassopartner kontaktierte den Schuldner in Landessprache – womit nicht nur die plötzliche Sprachbarriere überbrückt war. Auch konnte der Schuldner unmittelbar zu einer Rückzahlung der Forderung bewegt werden.

Der Fall zeigt nach Ansicht von Wolfgang Keusgen, Geschäftsführer Creditreform International, recht deutlich: Wer im grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr aktiv ist, sieht sich schnell mit vielschichtigen Unwägbarkeiten konfrontiert. Reagiert ein ausländischer Geschäftspartner nicht auf eine Zahlungsaufforderung, haben viele Unternehmen ihre Möglichkeiten schnell ausgeschöpft. Hier kann Creditreform helfen. Das Unternehmen arbeitet im Auslandsinkasso mit einem weltweiten Netz von Creditreform Landesgesellschaften – in 22 europäischen Ländern und in China – sowie Partnerunternehmen und Rechtsanwälten zusammen, die auf den Forderungseinzug in dem jeweiligen Land spezialisiert sind. „Die Präsenz vor Ort und das Wissen um die landestypischen Gepflogenheiten erhöhen die Chance, eine Forderung durchzusetzen. Das ist etwas anderes, als von Deutschland aus ein Standardmahnschreiben zu verschicken“, meint Höfs. So sei es beispielsweise in Österreich wichtig, stets überaus höflich aufzutreten. Dagegen dürfe der Ton in Asien auch schon einmal energischer sein. Dort sei es auch erfolgversprechend, an die Ehre des Schuldners zu appellieren. „Gerade in Asien ist die Furcht, das Gesicht zu verlieren, weit verbreitet“, so der Auslandsinkasso-Spezialist.

Damit es so weit erst gar nicht kommt, warnen Höfs und Keusgen vor zu viel Leichtsinn im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern. Im Zuge der Globalisierung ergreifen immer häufiger auch kleine und mittelgroße Firmen die Chance, weltweit neue Märkte zu erschließen. Gerade die neuen EU-Mitglieder in Mittel- und Osteuropa, aber auch Kandidatenländer für künftige EU-Erweiterungen sowie Emerging Markets wie Russland und China sind beliebte Import- und Exportpartner. Mit dem verstärkten Außenhandel nimmt aber auch das unternehmerische Risiko zu: „Viele Firmen informieren sich nicht ausreichend über ausländische Geschäftspartner und vertrauen darauf, dass im Tagesgeschäft alles so läuft, wie sie es im Umgang mit inländischen Kunden gewohnt sind: Man telefoniert, schickt eine Mail – und fertig ist der Auftrag“, beobachtet Keusgen. Komme es später zum Streit über eine unbezahlte Rechnung, habe der Gläubiger ohne einen schriftlichen, von beiden Seiten unterschriebenen Vertrag jedoch kaum eine Chance, seine Forderung vor Gericht durchzusetzen.

Ein weiteres Versäumnis sei die mangelnde Konsequenz im Mahnwesen. Oft seien die Unternehmen zu nachsichtig – aus Sorge, einen Kunden zu verprellen. Dabei zeigten sich häufig die unterschiedlichen Interessen von Buchhaltung und Vertrieb: Erstere dränge auf zügige Bezahlung einer Rechnung. Letzterer poche auf mehr Geduld, weil der Kunde sonst künftig bei der Konkurrenz bestellt.

Die Forderungen, die Creditreform zum Einzug übergeben werden, lauten im Durchschnitt auf 4.000 bis 5.000 Euro – deutlich mehr als im Inlandsinkasso, bei dem es üblicherweise um 1.000-Euro-Beträge geht. „Es gibt aber auch siebenstellige Forderungen“, berichtet Keusgen. Solche Summen in vollem Umfang zu realisieren, sei jedoch nahezu ausgeschlossen. „So etwas habe ich in mehr als 20 Jahren nicht ein Mal erlebt.“ In wie vielen der übertragenen Fälle Creditreform erfolgreich ist? Das lässt sich Höfs zufolge nicht mit einer Zahl beantworten. „Es hängt stark ab von der Qualität der Forderung und dem Zeitpunkt, an dem wir hinzugezogen werden.“ Ziel von Creditreform sei eine gütliche, außergerichtliche Lösung, etwa durch Vereinbarung eines Ratenzahlungsplans oder auch eines Vergleichs.

Von der Mahnung bis zum Gerichtsentscheid

„Creditreform ist ein Full-Service-Anbieter im internationalen Forderungsmanagement. Deshalb unterstützen wir Kunden auch im Rahmen einer gerichtlichen Forderungsdurchsetzung“, so Höfs. Ein solcher Schritt wolle jedoch gut überlegt sein. Denn Verfahren vor ausländischen Gerichten beinhalteten viele Unwägbarkeiten. So erinnert man sich bei Creditreform nur ungern an ein sieben Jahre dauerndes Gerichtsverfahren in Kroatien. Das endete zwar mit einem positiven Urteil für den Kunden. Aber der Richterspruch erwies sich durch die bereits eingetretene Insolvenz des Schuldnerunternehmens als wertlos.

Der Fall zeigt nach Ansicht von Höfs wieder einmal: Wer im Ausland gerichtliche Schritte einleitet, um Forderungen durchzusetzen, muss viel Geduld besitzen. In Indien, so erzählt er, vergehen im Durchschnitt sogar zehn Jahre, bis ein Urteil gesprochen wird. Selbst in Italien ließen sich Richter in vergleichbaren Fällen üblicherweise drei Jahre Zeit. Aufgrund der vielfältigen Optionen des vorgerichtlichen Forderungseinzugs und der von Creditreform fallspezifisch vorgenommenden Darlegung und Bewertung von Risiken eines Gerichtsverfahrens im Ausland münden nur etwa zehn Prozent der Auslandsinkasso-Fälle in einer Klage.

Das Auslandsinkasso-Geschäft bewegt sich mit der Konjunktur – allerdings mit Verzögerung. „Wenn die Wirtschaft gut läuft, machen sich viele Unternehmen keine Gedanken, dass eine Rechnung eventuell einmal nicht bezahlt wird“, erläutert Keusgen. Beginne dann die Konjunktur zu schwächeln, vertrauten immer noch viele Firmen darauf, dass schon alles gutgehen werde. Erst bei größeren Löchern in den Auftragsbüchern und knapper werdender Liquidität kümmerten sie sich intensiver um ihr Forderungsmanagement. „Dann werden auch wir häufiger eingeschaltet“, so Höfs. Dieser Zeitpunkt ist möglicherweise wieder einmal nah. Bei vielen exportintensiven Unternehmen mit Kunden insbesondere in Russland brechen die Bestellungen seit einiger Zeit weg. Umso wichtiger ist es, dass sie sich laufend über ihre Geschäftspartner informieren, bei Zahlungsverzug konsequent mahnen und frühzeitig Inkassospezialisten mit internationaler Kompetenz einschalten.