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Creditreform

Extrem günstige Finanzierungsbedingungen, schnelle Amortisation: Unternehmen können mit Investitionen in die Energie-Effizienz deutlich Kosten sparen. Tipps für Unternehmer, die sich nachhaltig verbessern wollen.

Umweltschutz steht beim Mercedes-Benz-Autohaus Schönauen in Wuppertal hoch im Kurs: Alfons Schönauen investierte rund drei Millionen Euro in ein modernes Firmengebäude und damit in den Klimaschutz. Nach der Modernisierung verbraucht der Betrieb weniger Energie als bisher – aber auf einer um die Hälfte vergrößerten Fläche. Das funktioniert, weil zum Beispiel die Lichtführung mit Sensoren gesteuert wird. Überdies öffnet und schließt sich ein Hallentor automatisch – mit dem Vorteil, dass nicht unnötig Warmluft nach außen gelangt. „Die Maßnahmen amortisieren sich innerhalb von wenigen Jahren“, sagt der Unternehmer. Deshalb war die Finanzierung trotz der hohen Aufwendungen auch kein Problem. „Wir haben einen Kredit zu guten Konditionen bekommen“, so Schönauen.

Investitionen amortisieren sich schnell

Investitionen wie beim Wuppertaler Autohaus zahlen sich bei den meisten Mittelständlern recht schnell aus. Die durchschnittliche Amortisationsdauer nachhaltiger Investitionen beträgt nur 8,5 Jahre, ergab eine Studie der Unternehmensberatung PwC. „Energie-Effizienz wird für den deutschen Mittelstand zu einem immer wichtigeren Thema. Die Mehrheit der Unternehmen hat das Thema hoch auf die Agenda gesetzt und beschäftigt sich gezielt damit“, sagt Peter Bartels, Vorstand und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC. Rund 60 Prozent der umweltbewussten Unternehmen geben Geld für eine moderne Beleuchtung aus. 55 Prozent setzen auf neue Bürogeräte, 47 Prozent erneuern die Klimatisierung der Gebäude, 44 Prozent dämmen die Immobilien und 43 Prozent tauschen nach der PwC-Studie die Produktionsanlagen aus. Was die Investitionsbereitschaft immens stützt: Bund und Länder helfen bei der Finanzierung. Verschiedene Förderprogramme werden seit mehreren Jahren kontinuierlich fortgeschrieben, teilweise die Konditionen für die Unternehmen sogar verbessert. Rosige Zeiten also für Firmenchefs, die ihren Betrieb modernisieren wollen.

Bank prüft Auswirkungen der Investition

Will ein Firmenchef künftig mehr auf Nachhaltigkeit setzen und ist er auf der Suche nach einer passenden, günstigen Finanzierung, ist in der Regel die Hausbank die erste Ansprechpartnerin – sie prüft die Tragfähigkeit des Vorhabens. Bei kapitalintensiven Projekten geschieht das anhand einer ausführlichen Investitionsrechnung und eines Business-Case sowie auf Basis der Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre. Zudem muss der Unternehmer ausführlich darstellen, wie sich die Investition auf die Gesamtsituation des Betriebs auswirkt. Der Firmenkundenbetreuer der Bank erstellt dann das Finanzierungskonzept – und checkt im Idealfall umfassend ab, welche Förderungen sich anbieten. „Falls nicht, fragen Sie ruhig nach“, rät Rainer Langen, Vorstand des Bundesverbands der Kreditmediatoren in Frankfurt. Beharrlichkeit zahlt sich auf jeden Fall aus, denn die Konditionen der Förderinstitute gelten noch immer als unschlagbar günstig. Die Zinssätze liegen mitunter bei unter zwei Prozent pro Jahr. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zinssätze bei den Programmen in den kommenden Jahren nicht wesentlich verändern werden – weder nach oben noch nach unten“, so Langen.

KfW fast immer mit im Boot

In den meisten Fällen wird die KfW Bankengruppe involviert. Für bestimmte Projekte bieten sich häufig sogar mehrere, miteinander kombinierbare Programme an. Die Auswahl, die Analyse und nicht zuletzt der Antrag für die Fördermittel kosten jedoch Zeit: Unternehmer sollten allein für die Planungsphase bis zu sechs Monate veranschlagen. Wichtig dabei ist vor allem: Solange die Antragstellung auch dauern sollte, es darf auf keinen Fall ein Auftrag vergeben werden – anderenfalls wird das Anliegen vom Förderinstitut sofort ausgemustert. Deshalb sollten Firmenchefs ihre Bank entsprechend frühzeitig über das Projekt informieren, um die relevanten Förderquellen frühzeitig zu sondieren.

 

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Geldquellen für Investitionen in Energie-Effizienz

Die folgenden vier Anlaufstellen sind bei mittelständischen Unternehmen stark gefragt, wenn beispielsweise Projekte zur Steigerung der Energie-Effizienz oder zur Schonung der Ressourcen anstehen:

BAFA
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bietet Zuschüsse für Energieberatungen. Betriebe, die mehr als 10.000 Euro für Energieaufwendungen ausgeben, erhalten maximal 8.000 Euro als Unterstützung. Fallen die Energiekosten niedriger aus, beträgt der Zuschuss höchstens 1.200 Euro beziehungsweise jeweils 80 Prozent der Aufwendungen für die Beratung.

BMWi
ZIM, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, ist ein deutschlandweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen hiermit animiert werden, etwa in Forschung und Entwicklung zu investieren. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen KMUs und Forschungseinrichtungen zu verbessern. Anträge sind entsprechend bei den jeweiligen Projektträgern einzureichen.

KfW
Das Programm „Erneuerbare Energien – Standard“, bei der KfW Mittelstandsbank auch als Programm 270 geführt, unterstützt Investitionen in neue Klimaschutztechnik. Voraussetzung ist, dass zumindest ein Teil des Stroms in das öffentliche Netz eingespeist wird. Das Volumen kann bis zu 50 Millionen Euro pro Projekt betragen, die Laufzeit bis zu 20 Jahre. Der aktuelle Effektivzins: ab 1,10 Prozent. Wer Strom aus Sonnenenergie gewinnen will, profitiert zu ähnlichen Konditionen vom Fördertopf „Erneuerbare Energien – Speicher“ (Programm 275).
Leicht angepasst wurde 2015 dagegen der Fördertopf „Energie-Effizient Bauen und Sanieren“ (276). Gefördert wird die energetische Sanierung gewerblich genutzter Nichtwohngebäude. Darunter fallen die Verbesserung der Wärmedämmung, neue Fenster, Außentüren, Tore und Ladestellen, aber auch der Austausch der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik oder der Gebäudeautomation. Der Zinssatz startet ab einem Prozent effektiv. Der Unternehmer erhält bis zu 17,5 Prozent seiner Aufwendungen für die Maßnahme als Tilgungszuschuss.
Neue Produktionsanlagen fördert die KfW mit dem Programm „Energie-Effizienz Produktionsanlagen/- prozesse“ (292). Grundsätzliche Fördervoraussetzung hier: Durch die Investition werden mindestens zehn Prozent Energie eingespart.

Länderbanken
Die Bundesländer bieten ebenfalls Energie-Effizienzprogramme an. Zum Beispiel hat die L-Bank (Baden-Württemberg) das Programm Ressourceneffizienzfinanzierung im Angebot. Gefördert werden Modernisierungs- und Neuinvestitionen in den Maschinenpark, Wärmerückgewinnung, Mess-, Regel- und Steuerungstechnik und in Informations- und Kommunikationstechnik, wenn sich mindestens zehn Prozent Energie gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre einsparen lassen. Der Antrag läuft über die Hausbank.