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Creditreform

Die Lageberichterstattung hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dennoch verzichten viele Unternehmen darauf, den Abschlussadressaten weiterentwickelte Informationen zukommen zu lassen – obwohl dies durchaus Vorteile bringen kann. Beachten Sie auch die Checkliste in der Mitte dieses Beitrags: Was gehört alles in Ihren Lagebericht?

Sein Unternehmen in das beste Licht rücken, es nach außen hin bestmöglich zu repräsentieren – das war schon immer die Wunschvorstellung von Georg Barnert, Geschäftsführer der Georg Barnert GmbH, Bedachungen und Bauklempnerei. Allerdings hat er von dem Instrument des Lageberichts bisher noch keinen Gebrauch gemacht. „Die Lageberichterstattung ist für uns nicht verpflichtend.“ Hinzu kommt: Verzichtet der Haaner Unternehmer darauf, spart er gleich mehrere hundert Euro im Jahr für die gesetzlich bestellten Prüfer ein. Zudem ist mit der Lageberichterstattung auch immer ein Risiko verbunden: dass die Konkurrenz einen zu tiefen Einblick in die gesamtwirtschaftliche Lage des Unternehmens erhält. „Im schlimmsten Fall könnten Wettbewerbsnachteile die Folge sein“, so Barnert.

Es gibt ein gestiegenes Informationsbedürfnis

Tatsächlich ist nicht jedes Unternehmen zur Aufstellung eines Lageberichts verpflichtet. Die Aufstellungspflicht betrifft lediglich

  • große und mittelgroße Kapitalgesellschaften (§ 264 Abs. 1 Satz 1 HGB
  • große und mittelgroße Kapitalgesellschaften & Co. (§ 264a Abs. 1 HBG),
  • große und mittelgroße Genossenschaften (§ 336 Abs. 1 und 2 HGB) sowie
  • bestimmte, dem Publizitätsgesetz (PublG) unterliegende Unternehmen.

Das bedeutet zugleich, dass kleine Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkte Personengesellschaften nicht zur Aufstellung eines Lageberichts verpflichtet sind. Allerdings kann die Erstellung auch für diese Unternehmen nützlich sein. Zum einen, weil der Lagebericht wie der Jahresabschluss der Rechenschaftslegung dient. Zum anderen stellt er angesichts seiner zukünftigen Ausrichtung eine wichtige Informationsquelle und Entscheidungshilfe für die Abschlussadressaten dar: „Gerade vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzmarktkrise hat der Lagebericht als Risiko- und Prognosebericht an Bedeutung gewonnen“, sagt Christoph Balk, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Certified in Risk Management Assurance von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PKF Deutschland GmbH. Share- und Stakeholder sind sensibler geworden, was die Publizität ‒ beziehungsweise gerade die Nichtveröffentlichung ‒ von Unternehmensinformationen betrifft. „Diesem Informationsbedürfnis wird sich langfristig kein Unternehmen entziehen können, das Eigen- und Fremdkapital benötigt“, so der Experte.

Die Freiheitsgrade des Gesetzes sind sinnvoll

Es gibt jedoch noch einen anderen Grund, warum gerade viele kleine und mittlere Unternehmen auf den Aufwand zur Erstellung eines Lageberichts scheuen: Jedes Dokument sollte so individuell wie das Unternehmen selbst ausgestaltet sein. Das Gesetz gibt indes nur vage Hinweise über den Inhalt eines Lageberichts vor, was die Aufstellung aus Unternehmenssicht erschwert. Darüber hinaus muss sich der Unternehmer dann auch noch überlegen, welche Informationen er preisgeben möchte – und welche Informationen er lieber für sich behält. Was der Lagebericht alles enthalten muss, beschreibt § 289 HGB. So ist beispielsweise zunächst ein Überblick über die Entwicklung des Unternehmens und seine wirtschaftliche Situation zu geben. Hinweise zur konjunkturellen Entwicklung, zur Wettbewerbssituation, zu den Marktverhältnissen, zur Entwicklung der Rohstoffpreise und zu Investitionen sind ebenso zu berücksichtigen, wie bedeutsame finanzielle und nicht-finanzielle Leistungsindikatoren, die vornehmlich der Analyse des Geschäftsverlaufs und der Lage dienen.

Um zu entscheiden, welche Informationen in den Lagebericht gehören, können Sie diese << Checkliste >> nutzen. Sie greift die wichtigsten Aspekte auf. (Quelle: Wiechers, Klaus: Erstellung und Prüfung des Lageberichts im Mittelstand, NWB Verlag GmbH & Co. KG, Herne 2013)

Dumm nur: Was unter finanziellen und nicht-finanziellen Leistungsindikatoren zu verstehen ist, wird vom Gesetz aber auch nicht abschließend definiert. Der Grund: Die finanziellen Indikatoren eignen sich nicht gleichermaßen, um jede Branche zu beschreiben. So sind etwa bei typischen Dienstleistungsunternehmen der „Umsatz pro Mitarbeiter“ oder die „Auslastung pro Mitarbeiter“ wichtige Kennzahlen. Bei Bauunternehmen und Handwerksbetrieben sind hingegen Kennzahlen, die die Finanzlage des Unternehmens erfassen, von Bedeutung. So etwa das Working Capital und Verschuldungsgrad. Auch bei den nicht-finanziellen Leistungsindikatoren hält sich der Gesetzgeber dezent zurück und nennt lediglich Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, obwohl das Thema Nachhaltigkeit eine ganze Reihe weiterer Indikatoren umfasst. „Die Offenheit des Gesetzes durch nicht abschließende Definitionen, um jede Branche zu beschreiben zu können, hat natürlich die Vorteile bestimmter Freiheiten“, sagt Balk. Es bleibt so den Unternehmern überlassen, optimale Lösungen zu finden. Andererseits ist zu vermuten, dass solche Firmen, die konjunkturelle Entwicklungen, Wettbewerbssituationen und Marktverhältnisse mit ihren Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf und die Lage des Unternehmens mit Leistungsindikatoren messen, beurteilen und prognostizieren können, Vorteile haben gegenüber jene, die nicht dazu in der Lage sind. „Deshalb ist es auch für kleine und mittlere Unternehmen im komparativen Wettbewerb um Kapital durchaus interessant, die gesetzlichen Mindeststandards zu beachten und für interne Zwecke einen umfassenden Lagebericht zu erstellen ‒ wenngleich nicht unbedingt zu veröffentlichen“, so Balk. DRS 20 dient als Orientierungshilfe Wer sich dafür entscheidet, per Lagebericht interessante Informationen detailliert zu publizieren, sollte auf den Standard DRS 20 schauen, der Ende 2012 vom Deutschen Rechnungslegungs Standard Committee (DRSC) verabschiedet wurde.

Leistungsindikatoren

Zwar ist dieser Standard grundsätzlich nur für Konzerne bindend, kann aber jederzeit freiwillig angewendet werden. „Die einfache Grundstruktur des DRS 20 bietet einen guten Einstieg, nicht-finanzielle und finanzielle Leistungsindikatoren zu beschreiben und ihre Wechselwirkungen mit dem Unternehmen zu erläutern“, erläutert Balk. Auf der Grundlage des in jedem Unternehmen vorhandenen Business-Plans kann damit für interne Zwecke ein umfassender Lagebericht nach Mindeststandards erstellt werden. Ein Tipp des Experten: „Für externe Zwecke können ja alle nicht zur Veröffentlichung geeigneten oder gewünschten Informationen einfach herausgestrichen werden.“

Checkliste_Lagebericht

Um zu entscheiden, welche Informationen in den Lagebericht gehören, können Sie diese Checkliste nutzen. Sie greift die wichtigsten Aspekte auf. (Quelle: Wiechers, Klaus: Erstellung und Prüfung des Lageberichts im Mittelstand, NWB Verlag GmbH & Co. KG, Herne 2013)