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Creditreform

Alternativ bietet es sich an, Teile des Betriebsvermögens aus der Finanzierung herauszuhalten – mit der Folge, dass sich der Kaufpreis und damit auch der Kreditbedarf reduzieren. Auf ein solches Vorgehen einigen sich Senior und Junior zum Beispiel öfter, wenn ein Betriebsgebäude zur Firma gehört. Der Deal wird günstiger, wenn der Altunternehmer das Objekt langfristig an den neuen Inhaber verpachtet oder vermietet. Hinzu kommt: Der Firmenkäufer kann die dann entstehenden Aufwendungen komplett als Betriebsausgaben absetzen. Soweit die Theorie. „Wir stellen allerdings fest, dass mancher Altunternehmer lieber alles auf einen Schlag verkaufen möchte“, so Sparkassen-Fachmann Middelberg. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit des Sale-and-Lease-Back, einer Finanzierungsvariante in drei Schritten: Erstens wird die Immobilie an eine Leasinggesellschaft verkauft. Der Junior least sie dann zweitens. Und drittens: Im Anschluss fällt das Objekt zum niedrigen Restwert ins Betriebsvermögen zurück.

Sale-and-Lease-Back und auch das nachrangige Verkäuferdarlehen sind aufwändige Finanzierungsinstrumente. Recht unkompliziert kommen Firmenchefs dagegen an eine öffentliche Bürgschaft. Dabei erklärt sich die Bürgschaftsbank des jeweiligen Bundeslandes dazu bereit, gegenüber der Bank einzuspringen, falls der Unternehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Ein solches Engagement kostet zwar eine Bearbeitungsgebühr von bis zu 1,5 Prozent der Darlehenssumme plus Provision. Doch für das finanzierende Geldinstitut reduziert sich das Ausfallrisiko.

© Fotolia; Creditreform-Magazin 12/2015

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Auch Unternehmer Cris Hieltscher gelang die Übernahme für die Klimatec Service OT GmbH vor zwei Jahren mithilfe der Bürgschaftsbank Brandenburg. Der 48-Jährige brachte nur zehn Prozent eigene Mittel auf – auf den ersten Blick zu wenig. Doch dank der Bürgschaft ließ sich die Finanzierung für den 25-Mann-Betrieb dann ohne Komplikationen realisieren. „Trotzdem musste ich noch ziemlich hohe Sicherheiten einbringen – die Banken gieren danach“, sagt Hieltscher.

Stimmt: Der Zugriff auf die eigene Lebensversicherung oder das Eigenheim lässt sich kaum vermeiden. Die Banken fragen meist auch nach einer Bürgschaft des Ehepartners. Unternehmer sollten vor allem beim letzten Punkt hart verhandeln. „Ein gutes Argument haben sie in der Hand, wenn der Partner über kein eigenes Einkommen verfügt“, rät Brueser.

Weitere Geldgeber aufnehmen

Bei größeren Unternehmensübergaben mit einem Finanzierungsbedarf von mehr als 500.000 Euro können sich angehende Nachfolger zudem überlegen, eine Beteiligungsgesellschaft als zusätzlichen Finanzier anzufragen. Deren Engagement stärkt die Eigenkapitalposition des Unternehmens. Als Geldgeber kommt zum Beispiel die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft des jeweiligen Bundeslands infrage. Doch auch öffentliche Kreditinstitute bieten entsprechendes Beteiligungskapital an, etwa die KfW im Rahmen des Programms „Kapital für Gründung“. „Diese Angebote sollte der Nachfolger unbedingt prüfen, deren Bedingungen sind oft günstiger als die Konditionen privater Geldgeber“, so Brueser und erläutert die weiteren Details: Beteiligungsgesellschaften steigen als Minderheitsgesellschafter ein. In der stillen Form erhalten sie jedoch keine Mitspracherechte.

„Man muss jedoch klar sehen, dass die Beteiligungskapital-Programme auf größere mittelständische Unternehmen abgestellt sind. Beteiligungsbanken haben kein Interesse daran, Nachfolger kleiner und mittlerer Unternehmen zu unterstützen“, schränkt Brueser ein. Daraus muss aber kein Drama entstehen. „Es kommt am Ende nur noch sehr selten vor, dass eine Nachfolge an einer fehlenden Finanzierung scheitert“, beobachtet der Unternehmensberater.

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