Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform
Homeoffice

© Getty Images

Wie im Steuerrecht üblich, gelten seit Jahresbeginn zahlreiche Neuerungen. Die Umsetzung des europaweiten Mehrwertsteuer-Digitalpakets erfolgt dagegen erst Mitte 2021.

Viele Unternehmer in Deutschland beschäftigt die Frage, was das neue Jahr 2021 mit sich bringen wird. Ein leichtes Wirtschaftswachstum? Einen Impf-Ausweg aus der Corona-Pandemie? Wieder bessere Rahmenbedingungen und neue Geschäftschancen?

Hoffentlich. Unumwunden fest stehen bereits wichtige Neuregelungen im Steuerrecht, die seit Januar mit dem Jahressteuergesetz 2020 (JStG 2020) gelten – und auf die Unternehmer sich ebenfalls einstellen sollten.

 

Homeoffice-Pauschale (§ 4 Abs. 5 EStG)

Auch ohne ein steuerlich anerkanntes häusliches Arbeitszimmer kann für nach dem 31. Dezember 2019 und vor dem 1. Januar 2022 in der häuslichen Wohnung ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeiten eine Pauschale von fünf Euro pro Tag als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden.

Die Wermutstropfen: Der Abzug ist auf maximal 120 Arbeitstage, also 600 Euro, begrenzt und wird nicht zusätzlich zum Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro gewährt.

 

Zusätzlicher Arbeitslohn (§ 8 Abs. 4 EStG)

Um Gehaltsumwandlungen auszuschließen, waren Steuerbefreiungen unter anderem für Jobtickets oder die Anwendung der bisherigen 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge (ab dem 1. Januar 2022 sind es 50 Euro) davon abhängig, ob die betreffenden Leistungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden.

Das setzte nach bisheriger Rechtsprechung und den geltenden Lohnsteuerrichtlinien eine freiwillige Leistung voraus, auf die der Arbeitnehmer arbeitsrechtlich keinen Anspruch hat. Aufgrund der jüngsten arbeitnehmerfreundlichen Rechtsprechungsänderung des Bundesfinanzhofs wurde die Rechtsauffassung der Finanzbehörden jetzt gesetzlich abgesichert.

 

© privat

Unser Steuer-Experte: Bernhard Lindgens ist in der Umsatzsteuer­betrugsbekämpfung im Bundeszentralamt für Steuern in Bonn tätig. Zuvor war er im Bundesministerium der Finanzen für verschiedene Projekte in der Steuerfahndung und Betrugsbekämpfung sowie für den Datenzugriff der Finanzbehörden.

Zusätzlicher zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn liegt nunmehr dann vor, wenn mehrere Voraussetzungen erfüllt werden (zum Beispiel keine Anrechnung auf den Anspruch auf Arbeitslohn und keine Erhöhung des Arbeitslohns bei Wegfall der Leistung).

Ist das der Fall, sollen die Finanzämter nun auch dann von einer zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn erbrachten Leistung ausgehen, wenn der Arbeitnehmer arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage einen Anspruch darauf hat.

 

Investitionsabzugsbeträge (§ 7g EStG)

Seit Jahren profitieren kleine und mittlere Unternehmen von der steuerlichen Förderung anstehender Investitionen über Investitionsabzugsbeträge von bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten.

Voraussetzung für die Steuerermäßigung war neben festgelegten Betriebsvermögen-Obergrenzen jedoch die strikte Einhaltung der dreijährigen Investitionsfrist zur Anschaffung oder Herstellung der betreffenden (Ersatz-)Wirtschaftsgüter. Als schädlich galt darüber hinaus deren längerfristige Vermietung für mehr als drei Monate.

Zur Verlängerung der Investitionsfrist konnte sich der Gesetzgeber zwar auch in der Corona-Krise nicht durchringen, hat stattdessen aber den erlaubten Abzugsbetrag auf bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten erhöht und eine längerfristige Vermietung der Wirtschaftsgüter zugelassen.

Zudem wurden die Betriebsvermögen-Obergrenzen gestrichen und die Gewinngrenze für alle Einkunftsarten nunmehr einheitlich auf 200.000 Euro angehoben.

 

Rückwirkende Rechnungsberichtigung (§ 14 Abs. 4 UStG)

Die Berichtigung einer Rechnung um fehlende oder unzutreffende Angaben stellt kein Ereignis dar, das für die Vergangenheit wirkt. Sofern der Vorsteuerabzug vom Finanzamt aufgrund formeller Mängel versagt wird, ist bei bereits bestandskräftigen Steuerbescheiden damit keine rückwirkende Änderung mehr möglich.

In diesen Fällen bleibt es für die Berechnung der fälligen Nachzahlungszinsen beim kostspieligen Verzinsungsbeginn bereits ab dem 15. Monat nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Rechnung erstmals dem Leistungsempfänger vorlag.

 

Entgeltminderung in Leistungsketten (§ 17 Abs. 1 UStG)

Vorsicht ist auch bei Preisnachlässen und Preiserstattungen in einer Leistungskette geboten. Denn nur wenn der Leistungsbezug des Abnehmers im Rahmen der Leistungskette im Inland steuerpflichtig ist, führen Entgeltminderungen auch zu einer Minderung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage und einer niedrigeren Umsatzsteuer für leistende Unternehmer.

 

Begrenzung der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (§ 27a UStG)

Bei ernsthaften Anzeichen für eine Gefährdung des Umsatzsteueraufkommens darf die Gültigkeit von Umsatzsteuer-Identifikationsnummern (USt-IdNrn.) künftig begrenzt werden.

Zu erwarten steht eine entsprechende Kennzeichnung bei Gültigkeitsüberprüfungen, womit eine Steuerbefreiung innergemeinschaftlicher Lieferungen an diese USt-IdNr. und gegebenenfalls die Leistungsortverlagerung bei sonstigen Leistungen entfällt.

 

Reform des innergemeinschaftlichen Versandhandels

Ein weiterer Schwerpunkt des Jahressteuergesetzes 2020 ist die Reform des innergemeinschaftlichen Versandhandels mit neuen Fernverkaufsregelungen. In Kraft treten sollten diese ursprünglich zum 1. Januar 2021. Wegen der Corona-Pandemie haben sich die EU-Mitgliedstaaten aber auf eine Verschiebung des Digitalpakets auf Mitte 2021 geeinigt.

Es gilt für den Handel innerhalb der EU wie auch beim Verkauf von Gegenständen, die aus Drittstaaten eingeführt werden. Damit einhergehend, fallen die bisherigen Lieferschwellen im Inland und in den Bestimmungsländern weg, was in vielen Fällen eine zeitnahe Anpassung der betrieblichen Faktura- und Buchhaltungssysteme erfordert.

So gilt künftig nur noch eine Gesamtschwelle von lediglich 10.000 Euro für alle Lieferungen in andere Mitgliedstaaten und bestimmte sonstige Leistungen. Obwohl Lieferungen neuer Fahrzeuge und Montagelieferungen bei der Berechnung außen vor bleiben, werden dadurch zahlreiche Unternehmen auch in anderen Ländern umsatzsteuerpflichtig.

Zur Sicherung des Umsatzsteueraufkommens im Onlinehandel wird darüber hinaus eine Lieferkettenfiktion von Warenlieferungen über elektronische Schnittstellen wie zum Beispiel Handelsplattformen eingeführt.

Die Betreiber elektronischer Marktplätze gelten dadurch als Lieferer und Umsatzsteuerschuldner bei Verkäufen von Marktplatz-Onlinehändlern aus dem Drittlandsgebiet an Verbraucher innerhalb der EU.