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Creditreform

Sale-and-Leaseback könnte als Finanzierungsinstrument nach der Corona-Krise wichtiger werden. Das Fintech Leaseback.de hat den Prozess digitalisiert – und bietet Sale-and-Leaseback bereits für einzelne Maschinen an.

 

© mustafahacalaki/iStock

Das Problem

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie stoppten viele Unternehmen notwendige Investitionen. Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft schätzen, dass die Investitionslücke inzwischen mehr als zehn Prozent beträgt. Gleichzeitig erwarten sie für 2021 ein deutliches Auftragswachstum, vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Maschinenbau.

Die Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, schnell wieder umzuschalten – und verschobene Investitionen nachzuholen. Wer das nötige Kapital dafür nicht von der Bank erhält oder erhalten möchte, kann Sale-and-Leaseback nutzen.

Dabei aktivieren Unternehmen ihre stillen Reserven und verkaufen Anlagen oder Maschinen an einen Leasinganbieter und leasen sie anschließend wieder zurück. So verbessern sie ihre Liquidität und ihre Bilanzkennzahlen.

Laut Bundesverband deutscher Leasingunternehmen wurden bereits 2020 acht Prozent mehr Sale-and-Leaseback-Verträge abgeschlossen als im Vorjahr – in der Regel allerdings für Großanlagen oder ganze Maschinenparks. Kleineren Unternehmen blieb dieses Instrument bisher verwehrt.

 

Die Lösung

„Unser Geschäft ist speziell auf kleine bis mittlere Betriebsgrößen ausgelegt, bis hin zum Vertrag für eine einzelne Maschine“, sagt Henrik Hoppenstedt, Leiter Marktfolge bei Leaseback.de. Das Hamburger Fintech ist ein Tochterunternehmen der Netbid Gruppe, die seit mehr als 20 Jahren Indus­trieauktionen durchführt und Gutachten und Bewertungen von Maschinen erstellt.

„Basierend auf Daten und Erfahrungswerten aus zwei Jahrzehnten, haben wir ein Online-Tool entwickelt, mit dem Unternehmen innerhalb weniger Minuten eine kostenlose Echtzeit-Bewertung ihrer gebrauchten Maschine und kurz darauf ein Sale-and-Leaseback-Angebot von uns erhalten“, sagt Hoppenstedt.

Der Branchenschwerpunkt liegt auf der Holz- und Metallbearbeitung sowie der Kunststoffverarbeitung. Nach der Eingabe der Maschinendaten ermittelt Leaseback.de eine Spanne des aktuellen Zeitwerts der Maschine und macht per Mail ein Angebot.

„Das wird schon ab einem Anlagenwert von etwa 20.000 Euro interessant“, sagt Hoppenstedt, übliche Finanzierungen liegen bei zu 200.000 Euro. Der Vorteil: Die Unternehmen können nahtlos weiterproduzieren. Ihre Maschine bleibt während der Laufzeit von 48 Monaten an ihrem Platz – und geht nach Zahlung der letzten Leasingrate wieder in den Besitz des Unternehmens zurück.

 

Die Anwendung

Davon ist Uwe Inhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der TBA Projekt GmbH in Ahlen, noch gut zwei Jahre entfernt. Sein 25-Mitarbeiter-Unternehmen ist auf Metallbearbeitung spezialisiert und produziert Spezialteile für den Maschinen- und Werkzeugbau.

2019 hat er sechs CNC-Bearbeitungszentren an Leaseback.de im Wert von rund 300.000 Euro verkauft. „Das war die Zeit des Dieselskandals. Wir haben gespürt, dass die Automobilindustrie weniger Aufträge vergibt, und ich wollte Liquidität schaffen“, sagt Inhoff.

Die Maschinen waren nahezu abgeschrieben, aber noch lange kein altes Eisen und somit ideal für das Modell.

„So einfach bin ich noch nie an Liquidität gekommen“, sagt Inhoff. „Bei Banken hätte ich weitaus kompliziertere Wege gehen müssen.“

Der gesamte Prozess habe keine 14 Tage gedauert. „Ich hatte sofort das Gefühl: Das ist ein Geschäft auf Augenhöhe“, so Inhoff – und zwar eins, das seine Unternehmensfinanzen merklich verbessert hat.