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Creditreform
Frau im Auto

© EMS-Forster-Productions/Getty Images

Jüngst haben die Finanzbehörden neue Regeln zur privaten Mitbenutzung betrieblicher Fahrzeuge durch Arbeitnehmer herausgegeben. Die wichtigsten Klarstellungen und Neuerungen im Überblick.

 

Bei niedrigen Leasingraten oder abgeschriebenen Firmenwagen profitieren private Mitbenutzer häufig von der sogenannten Kostendeckelung. Nach der darf ein pauschal mittels „Ein-Prozent-Regelung“ ermittelter Nutzungswert auf die tatsächlichen Gesamtkosten des Fahrzeugs begrenzt werden. Obwohl das ­Finanzgericht Rheinland-Pfalz dazu anders entschieden hat ­(Urteil vom 10. Dezember 2019, Az.: 3 K 1681/19, Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) eingelegt unter Az.: VIII R 11/20), bleiben die Finanzbehörden bei ihrer steuerzahlerfreundlichen Handhabung. Im BMF-Schreiben vom 3. März 2022 stellen sie klar, dass der pauschale Nutzungswert auch künftig höchstens mit den Kosten anzusetzen sei, die für das betriebliche Kraftfahrzeug nachweislich einschließlich der Absetzung für Abnutzung entstanden sind.

 

Nutzungsmöglichkeit reicht

Weniger großzügig zeigten sie sich mit Rückendeckung des Bundes­finanzhofs in der Vergangenheit ­hingegen bei Fahrzeugen, die Arbeitnehmern unentgeltlich oder ­verbilligt zur privaten Nutzung überlassen wurden. Seit einigen Jahren führt dies nach einer Rechtsprechungsänderung des höchsten Finanzgerichts beim begünstigten Arbeitnehmer selbst dann zu einem steuerpflichtigen Vorteil, wenn er das Fahrzeug tatsächlich nicht privat nutzt. Dabei wurde die „Ein-Prozent-Regelung“ schnell zur Steuerfalle. Laut BFH kommt die pauschale Nutzungswertermittlung selbst dann für das gesamte Kalenderjahr zur Anwendung, wenn für dasselbe Fahrzeug später doch noch ein Fahrtenbuch geführt wird. Einen unterjährigen Wechsel zur Fahrtenbuchmethode ließen die Finanzrichter ausschließlich für ein weiteres Fahrzeug zu.

 

Wechsel der Bewertung

Anders die Finanzbehörden: In allen noch offenen Steuerfällen akzeptieren sie nun einen unterjährigen Wechsel der Bewertungsmethode des privaten Nutzungsvorteils, also von der „Ein-Prozent-Regelung“ zur Fahrtenbuchmethode und umgekehrt. Aber nur für das gesamte Kalenderjahr und vor Übermittlung oder Ausschreibung der Lohnsteuerbescheinigung. Gleiches gilt für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte: Weil viele Arbeitnehmer vor allem in Pandemiezeiten den zur Verfügung stehenden Firmenwagen längst nicht an jedem Tag nutzen, lassen die Finanzbehörden auch hier rückwirkend für das gesamte Kalenderjahr eine Einzelbewertung für jede tatsächlich durchgeführte Fahrt pro Entfernungskilometer mit 0,002 Prozent vom Bruttolistenpreis (höchstens 180 Tage) zu.

Darüber hinaus ist selbst bei Anwendung der 0,03-Prozent-Regelung erstmals eine rückwirkende Änderung des Lohnsteuerabzugs für volle Kalendermonate möglich, in denen das Fahrzeug tatsächlich nicht für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wird. Von den Steuererleichterungen profitieren Arbeitnehmer allerdings nur, wenn dem Arbeitgeber kalendermonatliche und fahrzeugbezogene schriftliche Erklärungen vorgelegt werden, an welchen Tagen (mit Datumsangabe) das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wurde. Die bloße Angabe der Tagesanzahl reicht laut BMF-Schreiben vom 3. März 2022 ausdrücklich nicht.

Werden Firmenfahrzeuge nur für eine Teilstrecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte oder bei Familienheimfahrten eingesetzt, sollen die Finanzämter bei der Ermittlung des ­pauschalen Nutzungswerts grundsätzlich dennoch die gesamte Entfernungstrecke ansetzen. Dies gilt selbst dann, wenn die andere Teilstrecke regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wird. Auch hier lässt die aktuelle Verwaltungsanweisung Ausnahmen zu: Und zwar wenn das Fahrzeug vom Arbeitgeber nur für diese Teilstrecke zur Verfügung gestellt wurde oder der Arbeitnehmer für die restliche Teilstrecke Nachweise über die Benutzung anderer Verkehrsmittel beibringen kann.

Rechtsgrundlagen

Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 3. März 2022 (Az.: IV C 5 – S 2234/21/10004 :001) zur lohnsteuerlichen Behandlung der Überlassung betrieblicher Kraftfahrzeuge an Arbeitnehmer