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Creditreform

Neue Märkte im Ausland, Übernahmen, Markteinführung von Innovationen: Wachstumsorientierte Unternehmen haben einen erhöhten Kapitalbedarf. Welche Quellen sie für die Finanzierung anzapfen können.

Die LWK-Plasmaceramic GmbH setzt auf Wachstum durch Innovation: 2014 kaufte der Spezialist für Technische Keramik und Hochtemperaturbeschichtungen eine computergestützte Anlage mit einer dazugehörigen Schallschutzkabine. Kostenpunkt: insgesamt rund 400.000 Euro.

Bei der Finanzierung profitierte der Firmenchef Tiberius Vilics von den günstigen Konditionen des Innovationskredits der NRW Bank. „Mit diesem Produkt unterstützen wir etwa Investitionen in Fertigungsanlagen, mit denen Unternehmen ihr Angebotsportfolio erweitern und den Produktionsstandort auf eine neue technische Stufe heben. Das war bei LWK eindeutig der Fall“, erklärt dazu Sabine Hill, Teamleiterin im Förderprogrammgeschäft des Düsseldorfer Instituts. In der Tat: Die neue Anlage arbeitet schneller und sicherer, und die LWK kann größere Bauteile als bisher beschichten. Um diese weiterverarbeiten zu können, wurde zusätzlich eine neue Rundschleifmaschine gekauft. Auch hierfür beantragte Tiberius Vilics mit Erfolg ein Förderdarlehen. „Der Mittelstandskredit ist unsere Allzweckwaffe für Investitionen etwa in Wachstums-Vorhaben oder Betriebsmittel“, so Hill.

Finanzierung: starke Teilhaber aufnehmen

So wie LWK haben expansionsorientierte Unternehmen häufig einen so hohen Kapitalbedarf, dass sie notwendige Investitionen nicht ohne Fremdmittel stemmen können. Die Kreditfinanzierung ist dabei nur eine Lösung. Neben den Haus- oder den Förderbanken gehen auch die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG), Venture-Capital- und Private Equity-Firmen oder private Investoren mit ins Boot.

Die Chancen auf eine optimale Finanzierung stehen aktuell gut. „Das wirtschaftliche Umfeld ist robust. Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen sind in vielen Unternehmen derzeit angezeigt“, sagt Martin Keller, Leiter des Produktmanagements der Commerzbank in Frankfurt. Günstig wirkt sich auch das anhaltend niedrige Zinsniveau aus. „Die Finanzierungsstrukturen sind nahezu ideal – wir können Finanzierungen zu guten Konditionen bieten“, so Keller.

Sprunghaftes Wachstum birgt Tücken

Doch die Praxis zeigt: Für Unternehmen, die sprunghaft wachsen, kann die Kreditaufnahme schwierig werden, da sie schnell an die Grenzen ihres Verschuldungspotenzials kommen. Die Richtgröße für eine gesunde Eigenkapitalbasis: rund 30 Prozent der Bilanzsumme. Bei Übernahmen, der Markteinführung von Innovationen oder den derzeit oft nachgefragten Finanzierungen für Immobiliensanierungen nimmt die Quote stark ab. „Diese Verschiebung der Bilanzrelationen führt in vielen Fällen zu negativen Ratingdrifts und damit zu höheren Finanzierungskosten oder sogar zum Verlust der Finanzierbarkeit durch klassische Kredite“, so Keller. Im Rahmen von strukturellen Finanzierungen besteht aber dennoch die Möglichkeit, durch die Berücksichtigung der künftigen Cashflows oder den Einsatz von Sicherheiten den nötigen Finanzierungsspielraum zu eröffnen.

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Beteiligungsmodelle können Finanzierung sichern

Eine sinnvolle Ergänzung können auch Beteiligungsmodelle sein. Zumeist handelt es sich im Mittelstand dabei um Mezzanine- Kapital als Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital. Dieses wird in Ratingsystemen der Banken als Eigenmittel anerkannt. Der Vorteil dieser Variante: Der Unternehmer braucht keine Sicherheiten zu stellen. Der Nachteil: Die Renditeerwartungen der Investoren liegen in etwa auf dem Niveau eines Kontokorrentkredits. Aktuell sollten Firmenchefs mit rund neun Prozent rechnen. Wie teuer die Beteiligung wird, hängt aber letztendlich von der Bonität des Unternehmens ab.

Ein Investorenkreis, der solche Beteiligungen anbietet, ist zum Beispiel die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG), die es nahezu in jedem Bundesland gibt. Diese Institute engagieren sich bereits für kleinere Investitionen. Gespeist werden sie dann über den Mikromezzaninefonds, aus dem bis zu 50.000 Euro fließen können. Bei einem darüber hinausgehenden Kapitalbedarf haben die MBG eigene Programme. Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft (KBG) NRW etwa steigt als stiller Gesellschafter ein, wenn Unternehmer ihr Geschäftsfeld erweitern oder eine Übernahme planen. „Wir haben keine Mitspracherechte und profitieren auch nicht von der Entwicklung des Unternehmenswertes“, erklärt Manfred Thivessen, Geschäftsführer der KBG NRW. Der Firmenchef ist nur gehalten, die Bank regelmäßig über die Geschäftsentwicklung zu informieren. „In der Praxis sieht das oft so aus, dass uns die Unternehmer einfach in ihren Verteiler für ihr Reporting aufnehmen. Mehr Aufwand haben sie in der Regel nicht“, so Thivessen. Entscheidend für den Einstieg seines Instituts ist vielmehr die wirtschaftliche Prognose der Firma und des Vorhabens.

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Wachstum auch beim Wert

Bei diesem Kriterium unterscheiden sich die MBG wenig von den privaten Beteiligungsgesellschaften. Allerdings ist die Geschäftspolitik der Private-Equity-Investoren ganz anders ausgelegt: Sie interessieren sich erst ab einem Volumen von mindestens einer Million Euro für ein Engagement. Zudem eilt ihnen und auch den Venture-Capital-Gesellschaften der Ruf voraus, nur dann in eine Firma einzusteigen und mitzumischen, wenn ein gewinnorientierter Ausstieg realisierbar erscheint. Dies bestätigt auch eine Umfrage des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften: Demnach wollen 75 Prozent der Kapitalgeber Unternehmen, bei denen sie einsteigen, Entscheidungshilfen geben und sie beim Management unterstützen.

Unternehmer Vilics konnte auf dieses zusätzliche Know-how verzichten. Und mit seinem Förderkredit fährt er deutlich günstiger als bei einer Beteiligung. Schon deshalb würde er sich immer wieder für die Fremdkapitalvariante entscheiden, wenn die nächste Wachstums-Stufe bei LWK gezündet werden soll.

 

Geldquellen für die Expansion

Wachstums-Finanzierung im Mittelstand unterstützen die folgenden Partner:

Business Angels
Die privaten Investoren arbeiten persönlich mit dem Unternehmer zusammen und investieren zwischen 50.000 Euro und einer Million Euro. Hervorragende Wachstums-Perspektiven sind auch gefragt.

Family, Fools & Friends
Partner und Freunde steigen als stille Beteiligte ohne Mitspracherechte ein und erhalten nach einer verabredeten Laufzeit ihre Einlagen plus Ertrag zurück. Das kann sich für beide Parteien lohnen, schließlich bringen Spareinlagen in der Niedrigzinsphase fast keine Zinsen. Und der Unternehmer profitiert von günstigeren Konditionen als bei einer Fremdfinanzierung.

Förderinstitute
Sowohl die KfW als auch die Länderbanken oder die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften unterstützen mit Krediten zu günstigen Konditionen.

Venture-Capital- und Private-Equity-Gesellschaften
Sie steigen als Minderheits- oder als Mehrheitsgesellschafter ein, kaufen je nach Modell auch Anteile der Firma im Rahmen von Buy-Outs. Für diese Institute zählt in erster Linie, wie viel Profit das Unternehmen abwirft – als grobe Richtgröße gelten 20 Prozent Gewinn pro Jahr.