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Creditreform

Der Titel der gemeinsamen Untersuchung: „Step by Step zum Global Player“. Wie aber werden die Schritte ins Ausland finanziert? Etwa ein Viertel der Unternehmen nennt Finanzierungsprobleme als ein wichtiges Hemmnis beim Ausbau bereits bestehender oder bei der erstmaligen Aufnahme von Auslandsaktivitäten. Damit sind Finanzierungsprobleme zwar nicht das am häufigsten genannte Hemmnis für Auslandsaktivitäten mit rund jedem Vierten befragten Unternehmen, die davon berichten, stellen Finanzierungshemmnisse jedoch eine zentrale Barriere der Internationalisierungsanstrengungen des deutschen Mittelstands dar. Dies gilt sowohl für Exporttätigkeiten als auch für Direktinvestitionen. Es werden speziell für Direktinvestitionen Befunde zu eventuellen Problemen bei Kreditverhandlungen und Kreditablehnungsgründen vorgelegt. Ebenso werden allgemeine Einschätzungen der Befragten zur gegenwärtigen Situation sowie zu den Erwartungen der kommenden fünf Jahre bei der Finanzierung von Exportaktivitäten und Direktinvestitionen im Mittelstand dargelegt.

Finanzierungshemmnisse, Exportquoten und Jahresumsatz

Über alle Unternehmenssegmente führen gegenwärtig 23 Prozent der Exportaktiven und 24 Prozent der Direktinvestoren Finanzierungsschwierigkeiten als Hemmnis ihrer jeweiligen Auslandsaktivität an. Als abhängige Variable wird dabei auf die Information zurückgegriffen, ob ein Unternehmen Finanzierungsschwierigkeiten als wichtiges Hemmnis seiner Auslandstätigkeit genannt hat.

Die Grafik „Exportquote und Jahresumsatz“ stellt dar, mit welcher Wahrscheinlichkeit bestimmte Unternehmenssegmente von Schwierigkeiten bei der Finanzierung ihrer Exportaktivitäten betroffen sind. Unter Berücksichtigung wesentlicher Unternehmensmerkmale sowie zentraler Eigenschaften der Auslandstätigkeit wird deutlich, dass insbesondere kleine Mittelständler mit Finanzierungshemmnissen konfrontiert sind: So kann für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als fünf Millionen Euro eine mit 28 Prozent deutlich höhere Wahrscheinlichkeit von Finanzierungshemmnissen bei Exporten ermittelt werden, als für größere Mittelständler mit einem Jahresumsatz zwischen 25 und 50 Millionen Euro, aber ansonsten identischen Merkmalen. Für diese Unternehmen ist die ermittelte Wahrscheinlichkeit 16 Prozent und damit 12 Prozentpunkte niedriger. Des Weiteren zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit, von Finanzierungshemmnissen betroffen zu sein, mit zunehmender Exporttätigkeit steigt: So liegt die Wahrscheinlichkeit bei Unternehmen mit einer hohen Exportquote von über 40 Prozent um knapp ein Drittel höher als bei Unternehmen mit einer Exportquote von weniger als 5 Prozent.

Auch Exporteure von Investitionsgütern sehen sich häufiger Finanzierungsschwierigkeiten gegenüber. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Finanzierung von Investitionsgütern aufgrund vergleichsweise langer Amortisationszeiträume – im Vergleich zu Konsum- oder Vorleistungsgütern – von externen Geldgebern als risikobehafteter angesehen wird.

Die Grafik „Finanzierungshemmnisse bei Direktinvestitionen“ stellt – analog zur Analyse oben – die Wahrscheinlichkeiten dar, dass bestimmte Unternehmenssegmente von Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Direktinvestitionen betroffen sind. Hier können ähnliche Zusammenhänge ermittelt werden. So zeigt sich auch bei Direktinvestitionen, dass kleinere Mittelständler häufiger von Finanzierungshemmnissen betroffen sind als größere Unternehmen. Die Wahrscheinlichkeit, von Finanzierungshemmnissen bei Direktinvestitionen zu berichten, liegt in Unternehmen mit weniger als 5 Millionen Euro Umsatz um knapp zwei Drittel höher als bei Unternehmen mit über 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Diese Beobachtung steht im Einklang mit dem häufig ermittelten Befund, dass kleinere Unternehmen generell häufiger mit Finanzierungsproblemen konfrontiert sind als größere.

Vergleichbar zu den Ergebnissen für Exporteure, sind auch Unternehmen mit ausgeprägten Direktinvestitionsaktivitäten häufiger mit Finanzierungsschwierigkeiten konfrontiert. Die entsprechende Wahrscheinlichkeit steigt sehr stark mit zunehmender Investitionsquote: Unternehmen mit einer Investitionsquote von über 25 Prozent haben eine Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent von Finanzierungsschwierigkeiten zu berichten. Unternehmen mit niedriger Investitionsquote dagegen von 31 Prozent. Die Finanzierung umfangreicher Direktinvestitionsaktivitäten stellt Unternehmen den Ergebnissen nach vor deutliche Schwierigkeiten. Dies geht vermutlich nicht zuletzt auf einen steigenden Bedarf an Fremdkapitalfinanzierung bei größeren Direktinvestitionsaktivitäten zurück.

Weiterhin zeigt sich, dass eine größere Exporterfahrung (gemessen an der Exportquote eines Unternehmens) die Finanzierung von Direktinvestitionen erleichtert. Direktinvestoren, die umfangreiche Exportaktivitäten aufweisen, nennen hiernach deutlich seltener Finanzierungsprobleme. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, von Finanzierungshemmnissen betroffen zu sein, von 31 Prozent (bei Unternehmen mit einer Exportquote von weniger als 5 Prozent) auf 11 Prozent für Mittelständler mit einer Exportquote zwischen 20 und 40 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass externe Geldgeber bei exporterfahrenen Unternehmen eher bereit sind, Direktinvestitionsprojekte zu finanzieren

Insgesamt lässt sich durch die Analysen zu den Finanzierungshemmnissen feststellen, dass die aus dem Inland bekannten größenbedingten Nachteile bei der Finanzierung sich auch im Zusammenhang mit der Finanzierung von Auslandsvorhaben zeigen. Hiernach sind die Wahrscheinlichkeiten von Problemen bei der Exportfinanzierung wie auch bei der Finanzierung von Direktinvestitionen – auch bei gleichzeitiger Berücksichtigung weiterer wesentlicher Unternehmensmerkmale – bei kleinen Mittelständlern höher als bei größeren Unternehmen. Kleinere Unternehmen besitzen demnach strukturelle Finanzierungsprobleme bei Auslandsvorhaben.

Kreditfinanzierung bei Direktinvestitionen

Eigenmittel stellen für mittelständische Unternehmen die mit Abstand wichtigste Quelle zur Finanzierung ihrer Investitionstätigkeit dar. Der, im Vergleich zum Export, hohe Kapitaleinsatz speziell bei einer Direktinvestition im Ausland lässt vermuten, dass die dazu notwendigen Investitionen häufig nicht aus internen Quellen bestritten werden können. 11 Prozent der befragten Direktinvestoren geben an, in den Jahren 2010 oder 2011 externe Finanzmittel für die Durchführung einer Direktinvestition beantragt zu haben. Dies gibt Grund zu der Annahme, dass Auslandsaktivitäten häufig oder so weit wie möglich aus eigenen Mitteln heraus in Angriff genommen werden.

Diejenigen Direktinvestoren, die angeben, externe Finanzmittel beantragt zu haben, wurden zudem nach ihren generellen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Kreditfinanzierung ihrer Investitionsvorhaben im Ausland gefragt. 18 Prozent der direktinvestitionsaktiven Mittelständler berichten dabei von Schwierigkeiten im Rahmen der Akquisition von Fremdkapital. Weitere 30 Prozent hatten teilweise Probleme, und 52 Prozent geben an, keine Schwierigkeiten bei der Fremdkapitalbeschaffung für Auslandsvorhaben gehabt zu haben. Damit hat rund die Hälfte der in Kreditverhandlungen stehenden Direktinvestoren Schwierigkeiten, Kredite zu erhalten.

Die Häufigkeit der Nennung von Finanzierungsschwierigkeiten unterscheidet sich zwischen kleineren und größeren Mittelständlern (siehe Grafik). Während 13 Prozent der größeren Direktinvestoren (über 50 Millionen Umsatz) von Finanzierungsschwierigkeiten berichten, liegt der entsprechende Anteil kleinerer Mittelständler (bis 50 Millionen Euro) um 10 Prozentpunkte höher (23 Prozent). Ein ähnliches Ergebnis ergab bereits die Analyse der Wahrscheinlichkeit der Nennung von Finanzierungshemmnissen. Somit kann gefolgert werden, dass bei Direktinvestitionen Finanzierungsengpässe insbesondere bei kleinen Unternehmen auftreten. Unternehmen mit Schwierigkeiten in Kreditverhandlungen im Zusammenhang mit einer Direktinvestition wurden darüber hinaus nach den aus ihrer Sicht entscheidenden Gründen für aufgetretene Schwierigkeiten befragt. Aufgrund geringer Fallzahlen zu diesem spezifischen Aspekt der Erhebung muss darauf verzichtet werden, tiefer gehende Untersuchungen vorzunehmen. Dennoch lassen sich zumindest Tendenzaussagen aus der Befragung gewinnen: Unternehmen geben danach am häufigsten an, Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen würden aus Gründen der fehlenden Auslandserfahrung der Banken auftreten. Auch ein zu hohes Risiko bei der Umsetzung von Vorhaben im Ausland wird von den Befragten häufig genannt. Hier zeigt sich vermutlich die insgesamt noch vergleichsweise geringe Erfahrung der Kreditinstitute in der Finanzierung mittelständischer Direktinvestitionsvorhaben im Ausland.

Unzureichende Sicherheiten spielen für die Befragten als Schwierigkeit bei Kreditverhandlungen für eine Direktinvestition eine relativ geringe Rolle. Unzureichende Sicherheiten sind allerdings in der Gesamtbetrachtung des deutschen Mittelstands noch immer der bedeutendste Grund für die Ablehnung von Investitionskreditanträgen. Fehlendes Eigenkapital oder eine unzureichende Bonität des antragstellenden Unternehmens spielen ebenfalls eine untergeordnete Rolle. In diesem Befund spiegelt sich wider, dass Direktinvestitionen mehrheitlich von größeren Unternehmen in Angriff genommen werden, welche generell über eine stärkere Ausprägung bei zentralen Kennziffern der Kreditwürdigkeitsbewertung verfügen. Sprachliche und kulturelle Barrieren sowie eventuell fehlende Auslandserfahrung des Unternehmers erweisen sich den Befragungsergebnissen nach kaum als Problem in Kreditverhandlungen.

Generelle Finanzierungssituation bei Auslandsprojekten

Die auslandsaktiven Mittelständler wurden um eine Bewertung gebeten, wie sich die Finanzierungssituation für Auslandsvorhaben in den zurückliegenden fünf Jahren entwickelt hat. Nach Unternehmensangaben zeigen sich dabei kaum Veränderungen der Finanzierungssituation im Zusammenhang mit Auslandsprojekten in den vergangenen fünf Jahren. So schätzt der Großteil der Exporteure (48 Prozent) wie auch der Direktinvestoren (53 Prozent) die aktuelle Finanzierungssituation für Auslandsvorhaben als unverändert ein. Dies heißt einerseits, dass sich die Finanzierungssituation relativ unbeeindruckt von Finanz-, Wirtschafts- und zuletzt Euro-, Staatsschuldenkrise entwickelt hat. Andererseits ist dies auch gleichbedeutend damit, dass die bestehenden strukturellen Probleme beim Zugang zu Auslandsfinanzierung in den zurückliegenden fünf Jahren kaum behoben wurden.

Vergleichend wurden die Auslandsaktiven um eine Einschätzung gebeten, wie sich ihrer Ansicht nach die Finanzierungssituation in den kommenden fünf Jahren entwickeln wird. Es zeigt sich, dass die zukünftige Finanzierungssituation bei Auslandsprojekten von den Befragten eher verhalten optimistisch eingeschätzt wird (siehe Grafik): 17 Prozent der Exporteure und 23 Prozent der Direktinvestoren erwarten in den kommenden fünf Jahren eine sich verbessernde Finanzierungssituation. Auch scheint im Antwortverhalten der Unternehmen eine gewisse Unsicherheit über künftige Entwicklungen (vor allem vermutlich in Bezug auf eine sich eventuell zuspitzende Euro-Staatsschuldenkrise) zum Ausdruck zu kommen: So traut sich jedes dritte Exportunternehmen (34 Prozent) und jedes fünfte Unternehmen mit Direktinvestitionen (20 Prozent) aktuell keine Einschätzung zur Entwicklung der Finanzierungssituation in den nächsten 5 Jahre zu. In der Gesamtschau ist die gegenwärtige Finanzierungssituation bei Auslandsvorhaben unserer Erhebung zufolge in etwa vergleichbar zur Situation vor fünf Jahren. Dieser Befund ist konsistent mit aktuellen Ergebnissen zur Unternehmensfinanzierung im Allgemeinen: So zeigt sich, dass – trotz nach wie vor bestehender struktureller Nachteile vor allem kleiner und junger Unternehmen bei der Kreditaufnahme – eine weitgehend stabile Finanzierungssituation im deutschen Mittelstand vorherrscht.

Wenig betroffen von der Eurokrise

Jeder vierte Exporteur oder Direktinvestor sieht in finanziellen Hemmnissen eine bedeutende Barriere für Internationalisierungsaktivitäten. Finanzierungsschwierigkeiten treten dabei umso häufiger auf, je kleiner ein Unternehmen ist und je intensiver die Auslandsaktivitäten betrieben werden. Für Direktinvestitionen zeigt sich darüber hinaus, dass eine ausreichende Exporterfahrung die Betroffenheit von Finanzierungshemmnissen deutlich senkt.

Ungefähr die Hälfte der Direktinvestoren, die Fremdkapital nachfragen, vermeldet (teilweise) Schwierigkeiten bei der Fremdkapitalbeschaffung für ihr(e) Auslandsvorhaben. Dass kleinere Unternehmen häufiger von Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme berichten als größere Mittelständler bestätigt die höhere generelle Betroffenheit kleiner Unternehmen von Finanzierungsengpässen. Schwierigkeiten in Kreditverhandlungen sind dabei weitgehend von den Aspekten eines (aus Bankensicht) zu hohen Risikos der Auslandsinvestition und der fehlenden Auslandserfahrung der Banken geprägt. Weniger von Bedeutung sind Faktoren wie Eigenkapitalquote oder Bonität. Die Einschätzung der Finanzierungssituation durch die Unternehmen zeigt sich dabei zum Befragungszeitpunkt noch unbeeindruckt von der Finanz-, Wirtschafts- und Euro- Staatsschuldenkrise: Die große Mehrheit der von uns befragten Unternehmen bewertet die heutige Situation als unverändert gegenüber der Situation vor fünf Jahren. Der Ausblick auf die kommenden fünf Jahre ist verhalten optimistisch. Hier spiegelt sich vermutlich ein großes Maß an Unsicherheit über die künftige wirtschaftliche Entwicklung wider.