Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Die Börsen sind 2017 sehr stark von politischen Einflüssen geprägt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei, welchen Kurs Donald Trump als US-Präsident einschlägt und wie sich die Eurozone entwickelt. Gefragt sind flexible Anlagestrategien, um schnell reagieren zu können. Experten sind sich einig: An Aktien führt kein Weg vorbei. Text: Dirk Wohleb

Steuern senken und Ausgaben steigern – die zentralen Elemente des wirtschaftspolitischen Programms von Donald Trump erinnern doch schon stark an den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Auch er setzte in den 1980er-Jahren auf eine Mixtur aus höheren Staatsausgaben und sinkenden Steuern, um die US-Wirtschaft zu stimulieren. Diese Kombination von Angebots- und Nachfragepolitik ging als „Reaganomics“ in die Wirtschaftsgeschichte ein. Reagans Politik war begleitet von einem starken Aufschwung der US-Wirtschaft und steigenden Kursen an den Anleihen- und Aktienmärkten. Allein der US-Index S&P 500 legte in den acht Jahren seiner Amtszeit um 91 Prozent zu.

Wiederholt sich jetzt die Geschichte? „Nicht unbedingt“, sagt Marc Craquelin, Chief Investment Officer der französischen Fondsgesellschaft La Financière de L’Echiquier. „Zwar sind die wirtschaftspolitischen Instrumente von Trump und Reagan ähn-
lich, aber das Umfeld ist grundverschieden.“ In der Tat: Als Rea-
gan antrat, steckte die US-Wirtschaft in einer schweren Krise. Heute stehen die USA am Ende eines langen Aufschwungs seit der Finanzkrise von 2008. Als Reagan an die Macht kam, trieben zudem sinkende Zinsen die Aktienkurse in die Höhe, ergänzt Craquelin. Heute dagegen befinden wir uns in den USA am Ende einer Phase mit sinkenden Zinsen, die seit 1981 anhält.

Craquelin rechnet dennoch mit positiven Impulsen für die US-Aktien, sollte Trump seine Pläne wahr machen, die Unternehmenssteuern von 35 auf 15 Prozent zu senken. Damit würde der Gewinn pro Aktie nach seinen Berechnungen im Schnitt um 14 Prozent steigen. Zudem will Trump über staatliche Infrastrukturprogramme 500 Milliarden Dollar in Straßen oder Brücken investieren. Er plant außerdem, die gesetzlichen Auflagen für den Gesundheitsbereich, den Energiesektor und Banken zu lockern. Davon würden Unternehmen aus diesen Sektoren profitieren. Trump, so scheint es, wird im neuen Jahr insgeheim zum Börsenkapitän. 2017, da sind sich viele Experten einig, ist extrem stark getrieben von politische Ereignissen. Die haben nicht mehr kurze Beine, wie eine alte Weisheit von Börsianern glaubhaft machen möchte, sondern die Politik kann das Geschehen auf dem Parkett nachhaltig beeinflussen. „Es kann zu politischen Verwerfungen kommen: Donald Trump startet am 20. Januar 2017 als Präsident und muss dann liefern. Außerdem stehen Wahlen in Frankreich, Deutschland und in den Niederlanden an. Ein neuer Nationalismus und Protektionismus kann das Wirtschaftswachstum gefährden und zu kurzfristigen Marktreaktionen führen. Letztlich könnte es zu Auflösungstendenzen in der EU und in der Eurozone kommen“, sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Unsicherheit – etwas, was die Börsianer überhaupt nicht mögen – wird zum ständigen Begleiter. Damit verbunden sind heftige Kursausschläge, auf die sich Anleger einstellen sollten.

Zinsen im leichten Aufwärtstrend

Außerdem zeichnen sich 2017 wieder steigende Zinsen ab. Das eröffnet Investmentchancen. So profitieren vor allem Banken und Versicherungen – mit positiven Impulsen für die Aktienkurse. „Die Talsohle bei den Zinsen ist durchschritten. Die Renditen werden moderat steigen“, sagt Jens Wilhelm, der im Vorstand der Union Asset Management Holding AG zuständig ist für Portfolio-Management und Immobilien. Er rechnet mit anziehenden Inflationserwartungen in Europa und den USA: „Ein Ende des Niedrigzinsumfelds zeichnet sich damit noch nicht ab. Denn im historischen Vergleich bleiben die Zinsen vor allem in der Eurozone niedrig.“ Dagegen könnten in den USA die Zinsen schneller steigen und sich damit die Politik der US-Notenbank von der Europäischen Zentralbank abkoppeln.

Im Jahr 2017 ist mit festverzinslichen Anlagen in Euroland nur wenig zu verdienen. Die Renditen reichen nicht einmal aus, um die Preissteigerung auszugleichen. Das gilt auch für Anlagen in Bundesanleihen. Sollte es zu einem stärkeren Anstieg der Zinsen kommen, drohen heftige Kursverluste. „Es macht überhaupt keinen Sinn, in diesem Umfeld Staatsanleihen zu kaufen. Das ist und bleibt ein gefährlicher Markt“, betont Experte Craquelin. Papiere von Staaten aus der Euro-Peripherie bieten in Phasen der politischen Unsicherheit zwar höhere Renditen – dafür sind aber auch die Risiken enorm.

»Qualitätsaktien solider Unternehmen bleiben 2017 erste Wahl.«
Philipp Vorndran, Flossbach von Storch

Aber es gibt noch eine Alternative: „Überschaubare Inflation und moderates Wachstum sind keine schlechten Nachrichten für Unternehmensanleihen“, erläutert Wilhelm. Die Unterstützung dieser Papiere durch die Anleihekäufe der EZB ist ebenfalls positiv. Allerdings war die Nachfrage nach Bonds von Unternehmen in den vergangenen Jahren so stark, dass diese Papiere bereits hoch bewertet sind.

Alles in allem führt derzeit kein Weg an Aktien vorbei, sind sich die Anlageexperten einig. Aktien sind die neuen Bonds. Anleger, die auf regelmäßige Ausschüttungen setzen, sind mit dividendenstarken Aktien gut bedient. So lag die Dividendenrendite der 30 Dax-Werte 2016 im Schnitt bei 2,7 Prozent. Sie werfen damit weit mehr ab als Bundesanleihen. Und die Aussichten bleiben gut: Die 30 Unternehmen im Dax werden 2017 voraussichtlich 31 Milliarden Euro ausschütten – so viel wie nie zuvor.

Wie sollten sich Anleger also 2017 positionieren? „Vor allem Qualitätsaktien solider Unternehmen bleiben erste Wahl. Anleihen von stabilen Unternehmen mit Kurspotenzial und Gold als Versicherung gegen einen Vertrauensverlust in unser Geldsystem ergänzen das Portfolio“, rät Vermögensverwalter Vorndran. 2017 wird ein Jahr sein, in dem Flexibilität angesagt ist, um schnell Schwankungen in allen Marktsegmenten aufzufangen, betont Wilhelm von Union Investment: „Moderne Multi-Asset-Lösungen sind in diesem anspruchsvollen Kapitalmarktumfeld das Mittel der Wahl, um flexibel zu reagieren und kurzfristig sich bietende Chancen zu nutzen.“ Diese Papiere investieren wie Mischfonds in unterschiedliche Anlageklassen und können neben Aktien und Anleihen auch andere Finanzinstrumente nutzen.

Nicht zuletzt wegen der politischen Unsicherheiten in der Eurozone empfiehlt Wilhelm den Blick über den europäischen Tellerrand. Sein Fazit: „Wir rechnen mit weiter leicht steigenden Zinsen und unter Schwankungen aufwärts gerichteten Aktienmärkten.“ Doch das wird nur möglich sein, wenn Trump seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs auch tatsächlich umsetzt.

Zurück in die Vergangenheit_Tabelle