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© Julian Rentzsch

Wenn man beim Menschen das Wasser abzieht, dann bleibt Eiweiß übrig. Wir bestehen zum überwiegenden Teil aus Proteinen. Der Eiweißwert ist deshalb der wichtigste Spiegel für Ihre Kraft, Ihre Ausdauer, Ihre Stimmungslage, den Antrieb, die Knochendichte sowie die Kompetenz Ihres Immunsystems.

Das Wort Protein stammt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „Ich gehe voran“. Deshalb ist der Eiweißwert mein Lieblingsparameter, den ich bei mir persönlich und natürlich bei meinen Patienten immer im oberen Normbereich sehen möchte. Wenn es im Leben nicht so läuft, wie man sich das wünscht, dann sollte man auf jeden Fall das Eiweiß untersuchen lassen. Befindet sich Ihr Eiweißspiegel in der unteren Skala des Normbereichs, dann funktionieren eben auch der Knochen- und Muskelaufbau, das Immunsystem sowie die Hormonproduktion nur im unteren Normbereich. Richtig krank ist das nicht – richtig gesund aber auch nicht.

 

Was ist schon normal

„Normal“ sind Eiweißwerte im Blut zwischen 6,6 und 8,7 Gramm pro Deziliter. Wenn meine Patienten eine Sechs vor dem Komma haben, dann nenne ich den Eiweißspiegel traurig tief. Und genauso fühlen sich die Menschen dann auch: Müde, kraftlos, ohne Motivation und mit häufigen Stimmungstiefs. Tiefnormal ist zwar auch normal, doch mit Gesundheit, Vitalität, festen Knochen, starken Muskeln und Glückshormonen bis zur Oberkante Unterlippe hat das nichts zu tun. Einen hochnormalen Eiweißspiegel messe ich bei der Erstuntersuchung meiner Patienten allerdings so selten, dass ich mich immer wundere, warum so viele Menschen glauben, wir äßen zu viel Eiweiß.

Meinen ärztlichen Kollegen mache ich zum Vorwurf, dass sie den wichtigen Eiweißwert im Blut ihrer Patienten erstens selten messen und zweitens nicht wertschätzen. Wenn Sie zufällig Blutwerte vom letzten Check in der Schublade haben, dann sehen Sie doch einmal nach, ob Sie den Gesamteiweißspiegel auf dem Laborblatt finden. Ich wette, dass der Wert bei Ihnen nicht gemessen wurde. Trotzdem sagt man Ihnen: „Bei Ihnen ist alles normal“ – und verschweigt natürlich damit, was alles nicht gemessen wurde. Denn in der Regel setzen sich Ärzte mit Leistungswerten – die aber die Lebensqualität, die Leichtigkeit Ihres Seins bestimmen – nicht auseinander. Genau darum messen wir bei unseren Seminaren „Weckruf für Ihre Gesundheit“ diese sonst so vernachlässigten Parameter.

 

Was der Körper wirklich braucht

Bei meinen Patienten gehe ich noch weiter: Ich messe neben dem Gesamteiweiß auch noch die essentiellen Aminosäuren, die alle ganz spezielle Funktionen im Körper übernehmen, etwa die Bildung des Glückshormons Serotonin. Aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin entstehen das Antriebshormon Dopamin, das Noradrenalin sowie das Schilddrüsenhormon Thyroxin. Arginin senkt den Blutdruck, repariert gemeinsam mit Threonin die Blutgefäße bei Schäden, die etwa durch hohen Blutdruck oder hohe Blutfette entstanden sind. Und Methionin in ausreichender Konzentration hilft dabei, vorhandene Krebszellen abzutöten.

Wozu diese Aufzählung? Ich möchte erreichen, dass Sie ab heute Eiweiß mit anderen Augen sehen. Eiweiß ist wichtig für Bodybuilder. Ja, das stimmt. Aber zum Body gehören neben den Muskeln eben auch die Knochen, das Hormonkostüm und das Immunsystem. Darum sollte jeder beim Essen besonders auf hochwertiges Eiweiß achten und im Gegenzug eher die Kohlenhydrate reduzieren oder weglassen. Denn diese machen zwar satt, aber müde, liefern keine essentiellen Bestandteile für den Körper. Das Nudelkoma nach dem Essen wird Ihnen nicht helfen, Ihr Tagewerk mit Freude zu verrichten. Fisch, Geflügel, Fleisch und Eier dagegen liefern wertvolle Aminosäuren für den nötigen Rückenwind in Ihrem Leben.

Zum Autor

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.