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Creditreform

Von Michael Schlösser

In Krisenzeiten sparen Unternehmen an der Büroausstattung. „Es gab einen Investitionsstau, der sich dank der konjunkturellen Entwicklung immer mehr aufgelöst hat“, sagt Ursula Geismann, Pressesprecherin beim Verband der deutschen Möbelindustrie. Der Bereich Büromöbel stach im Jahr 2011 mit einem Wachstum von 18 Prozent hervor. Auch 2012 rechnet die Branche mit moderat steigenden Zahlen.

„Viele Unternehmen haben erkannt, dass in den Büros investiert werden muss, weil zeitgemäße, also ergonomisch sinnvolle und damit gesundheitserhaltende Produkte benötigt werden“, sagt Thomas Köhl, Geschäftsführer und Gesellschafter des gleichnamigen Sitzmöbel-Herstellers in Rödermark. Bei der Kaufentscheidung spielen seiner Erfahrung nach aber vor allem die Kosten eine Rolle: „Bei der Anschaffung neuen Mobiliars sollte man nicht an der falschen Stelle sparen.“ Fehlzeiten von Mitarbeitern mit akuten Rückenschmerzen kämen Unternehmen viel teurer zu stehen als der Erwerb moderner Büromöbel.

Mitarbeiter schützen – und halten

Der Gesundheitsschutz wird daher zu einem der wichtigsten Faktoren: „Das hängt auch mit der demografischen Entwicklung zusammen“, so Köhl. „Die Menschen werden immer älter – sie wollen im Büro auf ergonomisch sinnvollen Sitzen arbeiten.“ Der Geschäftsführer sieht hier aber noch erheblichen Nachholbedarf. „Momentan kann nur in knapp 20 Prozent aller Betriebe die gesamte Belegschaft auf Stühlen Platz nehmen, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.“ Hier verkennen seiner Meinung nach viele Arbeitgeber den Leistungsaspekt: „Nach einer Studie des Verbands der Büromöbelhersteller bleiben derzeit etwa 38 Prozent aller Büroarbeiter unter ihrem Leistungsvermögen“, weiß Köhl. Der Grund: ungeeignete Bedingungen in ihrem Umfeld. Der Gesundheitsschutz sollte also auch unter diesem Aspekt noch mehr Aufmerksamkeit verdienen.„In unserem Unternehmen hat das Thema oberste Priorität. Ob andere Unternehmen und deren Gremien sich der Bedeutung des Gesundheitsschutzes bewusst sind, weiß ich nicht genau. Aber manchmal habe ich da schon so meine Zweifel.“ Nicht zuletzt gehe es auch darum, den Arbeitsplatz attraktiver zu machen. „Auf den zunehmenden Fachkräftemangel reagieren Arbeitgeber mit einem Trend hin zu Wohlfühl-Arbeitsplätzen“, hat Köhl erkannt. „Sie hoffen, die begehrten Spezialisten so für sich gewinnen zu können.“

Ältere Belegschaften mögen’s heller

Zum Wohlfühlen gehört auch die richtige Beleuchtung, denn Licht steuert zentrale Körperfunktionen. Tageslicht beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Menschen – das ist wissenschaftlich gesichert. Laut Untersuchungen ist ein hoher Blauanteil im Licht besonders förderlich, weil er die Leistungsbereitschaft stärkt. Der Faktor Beleuchtung führt aber im wahrsten Sinne ein Schattendasein. „Gerade das Thema Licht wird von Unternehmen gerne unterschätzt“, sagt Marko Könönen, Geschäftsführer des Hamburger Arbeitsplatz-Einrichters Treston. „Eine schlechte Beleuchtung macht müde und lässt die Konzentration leiden.“ Beleuchtungssysteme sollten also so gut wie möglich Lichtverhältnisse schaffen, die dem Tageslicht ähneln. Auch das Alter ihrer Mitarbeiter sollten Unternehmer bedenken. Laut einer Studie des BKK-Bundesverbandes benötigen Arbeitnehmer zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr 50 Prozent mehr Licht, wer älter als 55 Jahre ist, sogar 100 Prozent. „Wir haben früh begonnen, leistungsfähige Arbeitsplatz-, Seiten- und Lupenleuchten in unser Programm aufzunehmen, die man je nach Tätigkeit, Alter des Mitarbeiters und Tageslichtverhältnissen anpassen kann“, sagt Könönen.

Ein intelligentes Licht-Management vereint den Wohlfühlfaktor mit Energieeffizienz. Lichtsensoren erfassen das Beleuchtungsniveau im Raum und ergänzen automatisch das vorhandene Tageslicht durch künstliches Licht. So kann ein gewünschtes Niveau – ideal sind 500 Lux –konstantgehalten werden. Komplettiert wird ein solches Licht-Management durch eine Präsenzerfassung: Sind weniger oder keine Personen mehr im Raum, wird das Licht reduziert oder ganz ausgeschaltet. Als Vorzeigeobjekt gilt hierfür beispielsweise der Neubau des Süddeutschen Verlags in München.Den beauftragten Unternehmen Siemens Building Technologies, Osram und Siteco ist es mit der beschriebenen Technik gelungen, Ergonomie und Wirtschaftlichkeit zu vereinen. Die Energieeinsparungen sind signifikant, die Investitionen amortisieren sich nach wenigen Jahren. Der Gebäudekomplex, Arbeitsplatz für 1.850 Menschen, wurde 2010 als erstes Bürohaus Deutschlands mit dem Green- Building-Zertifikat LEED-Gold ausgezeichnet.

Checkliste „So macht Arbeit nicht krank“

1. Sitzhaltung: Der richtige Aufbau von PC-Bildschirm und Tastatur ist elementar. Der Blick muss leicht abwärts gerichtet sein, damit die Nackenmuskulatur entspannt ist. Ein kleiner Selbsttest ist ganz einfach: Augen schließen, entspannen und den Kopf zum Bildschirm richten – wer die Augen aufmacht, sollte auf die Mitte des Monitors blicken. Wenn das nicht passt, unbedingt die Höhe verstellen. Die Tastatur muss nah ran an den Arbeitnehmer. Ober- und Unterarm sollten beim Tippen einen rechten Winkel bilden, die Handflächen müssen aufgelegt sein. Bürostuhl und Schreibtisch sind idealerweise höhenverstellbar, die Beine brauchen viel Freiheit.

2. Mobiles Arbeiten: Dort, wo es möglich ist, sollte man „freihändiges“ Arbeiten mit dem Notebook vermeiden, empfiehlt Michael Bretschneider-Hagemes, Experte für IT-gestützte mobile Arbeit am Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Sorgen Sie für Abstellflächen, im Zweifel ist ein transportabler Klapptisch oder ein geparktes Auto mit Notebookhalterungen besser als ein gefährlicher Balanceakt.“ Tablet-PCs und erst recht Smartphones seien in der Regel gar nicht für lange Schreiboder Arbeitsphasen geeignet: „Die Fusion von Ein- und Ausgabegerät auf einer Fläche verhindert eine ergonomische Arbeitstätigkeit. Trotz ihres geringen Gewichtes belasten sie die Gelenke, Schreiben ist nur in ungünstiger Nackenhaltung möglich.“

3. Flimmerfreie Displays: Müde und überanstrengte Augen verursachen Kopfschmerzen. Also muss der Bildschirm technisch einwandfrei sein. Der Monitor darf nicht flimmern, die Zeichen müssen scharf und verzerrungsfrei wiedergegeben werden. Röhrenbildschirme sollte durch TFT-Monitore ersetzt werden. „Ein immer wiederkehrendes Problem bei der Bildschirmarbeit sind Reflexionen und Spiegelungen“, sagt Bretschneider-Hagemes. „Reflexionen führen zu Ablenkungen, Ermüdungen der Augen und Stressbelastungen.“ Die wichtigste Regel, so der Experte: „Achten Sie auf die Position der Lichtquelle beziehungsweise bei der Arbeit unter freiem Himmel auf den Stand der Sonne. Sorgen Sie dafür, dass Sie die Lichtquelle nicht im Rücken haben.“ Der Bildschirm selbst sollte ein mattes entspiegeltes Display haben und keinen Glossy Screen. Bei mobilen Geräten sollte der Bildschirm nicht kleiner sein als zehn Zoll, empfehlenswert sind aber erst Geräte, die zwölf Zoll messen oder größer sind.

4. Beleuchtung: Licht ist ein absoluter Wohlfühlfaktor im Büro. Tageslicht ist grundsätzlich positiver als Kunstlicht – der Arbeitnehmer fühlt sich leistungsstärker und wacher. Beim künstlichen Licht sind Leuchtstoffröhren besser als Halogenlampen, weil sie ein wärmeres Licht abgeben. Tageslichtlampen sind umstritten, weil sie einen hohen Weißanteil haben und grell wirken. Wichtig ist die Individualisierbarkeit: Idealerweise gibtes neben der Beleuchtung unter der Decke noch jeweils Lichtquellen an den jeweiligen Arbeitsplätzen.

>>Leser-Service: Passende Links zum Thema erhalten Sie auf Wunsch gern nach einer Mail an creditreform-service@fachverlag.de (Betreff: Arbeitsplatz).

Beitrag zuerst erschienen in Creditreform 04/2012