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© Getty Images; MaibornWolff

Hunde im Büro werden nicht ohne Grund immer beliebter: Die positive Wirkung auf die Gesundheit von Mitarbeitern ist wissenschaftlich erwiesen.

Er ist ein guter Zuhörer, gleichzeitig verschwiegen; übermäßiger Flurfunk ist nicht sein Ding. Und wenn es mal stressig wird, reicht ein Blick in seine Augen, schon wird man ruhiger. Yoshi ist der perfekte Kollege. Einfühlsam und doch gesegnet mit dickem Fell. Letzteres darf man wörtlich nehmen, denn Yoshi ist ein Hund. Ein Bürohund. Der sesamfarbene Shiba, eine japanische Rasse, gehört zum Team des Berliner Startups Aivy, das intelligente Berufsberatung per App anbietet. „Yoshi begleitet mich jeden Tag ins Büro“, sagt Herrchen und Startup-Gründer Florian Dyballa.

 

Hunde helfen gegen Stress

Warum Hunde wie Yoshi an vielen Arbeitsstätten willkommen sind, erklärt Markus Beyer vom Bundesverband Bürohund (BVBH): „Streichelt der Mensch einen Hund, wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet.“ Das sorge für Entspannung und Wohlbefinden. „Oxytocin wirkt ausgleichend bei Stress, was das Risiko für arbeitsbedingten Burnout mindert und das zerebrale Belohnungssystem dazu anregt, Dopamin, das Hormon für Glücksempfinden, auszuschütten“, sagt Beyer.

Die positiven Effekte von Oxytocin hat auch Linda Handlin von der Swedish University of Agricultural Sciences in ihrer Doktorarbeit „Human-Human and Human-Animal Interaction“ herausgearbeitet. Japanische Wissenschaftler dokumentierten außerdem, dass schon der Blickkontakt ausreichend sein kann für die Produktion von Oxytocin. Den Effekt macht sich Holger Wolff zunutze, Geschäftsführer der Maiborn Wolff GmbH, einem bundesweit aktiven mittelständischen Softwareentwicklungshaus mit rund 500 Mitarbeitern. „Alleine an unserem Standort München haben wir sechs Hunde“, sagt der 52-Jährige, der selbst die Mischlinge Skalli und Dobby beisteuert. „Unsere Hunde in den Pausen von Meetings und Schulungen zu streicheln und so binnen Sekunden Stress abzubauen, ist bei Kolleginnen und Kollegen ein nicht wegzudenkendes Wohlfühlritual.“

Doch auch aus einem weiteren, ganz praktischen Grund bietet sich das Modell Bürohund an. Die Vierbeiner werden immer beliebter bei den Deutschen: „2016 lebten 8,6 Millionen Hunde in deutschen Haushalten, 2018 waren es 9,4 Millionen“, sagt Antje Schreiber, Sprecherin beim Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF). Viele der Haushalte haben ein Problem: „Mehr als die Hälfte der Hundehalter sind tagsüber nicht immer zu Hause“, sagt Schreiber. Alleinsein aber ist schlecht für sozial orientierte Tiere wie Hunde – ein Segen für Hundebesitzer, wenn der Arbeitgeber Bürohunde erlaubt und so das Betreuungsproblem löst.

 

Hund im Büro statt Gehaltserhöhung

Entsprechend groß ist die Bedeutung von Bürohunden, wenn es um die Bindung von Mitarbeitern geht: Schon 2017 wählte die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu Bürohunde auf Platz drei der gewünschten Benefits bei Arbeitnehmern. Eine Untersuchung des BVBH geht sogar noch weiter: Der Verband hat in seinem „Bürohunde-Index Deutschland 2019“ herausgefunden, dass fast die Hälfte von gut 1.300 befragten Mitarbeitern zugunsten ihres Hundes auf eine Gehaltserhöhung verzichten würden.

Der Berliner Gründer Florian Dyballa macht also alles richtig im War for Talents. Und vielleicht wird sein sesamfarbener Shiba Yoshi eines Tages sogar zum Türöffner bei Kunden, hat der Hund doch jetzt schon über 13.000 Follower bei Instagram. „Und das“, so Dyballa, „obwohl ich den Kanal mit nur einem Post pro Woche nebenher betreibe.“

 

Auf den Hund kommen

 

Entspanntes Miteinander – Viktoria König, Juristin beim BVBH, verrät, wie es zwischen Boss und Bello klappt:

 

Voraussetzungen festlegen. Ein Bürohund muss gesund sein und sozial verträglich. Eine Hundehaftpflichtversicherung ist Pflicht, diese sollten sich die Arbeitgeber auch nachweisen lassen.

 

Erlaubnis einholen. Für jeden neuen Hund sollte eine Erlaubnis beim Chef eingeholt werden – am besten schriftlich: Ein Vertrag sollte genau regeln, unter welchen Voraussetzungen der Hund nicht mehr mit zur Arbeit gebracht werden darf.

 

Kollegen fragen. Hat ein Kollege Angst vor Hunden? Allergie gegen Hundehaare? Die Unternehmensleitung muss auf alle Mitarbeiter achten und am Ende entscheiden.

 

Grenzen setzen. Der Hund darf den Arbeitsbetrieb nicht stören. Auch die Kollegen brauchen klare Ansagen – zum Beispiel, ob sie Leckerlis geben dürfen.