Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

© iStock

Die Rückkehr steigender Preise zwingt Sparer und Anleger zur Anpassung ihrer Spar- und Anlagestrategie. Nichtstun führt häufig zu Verlusten. Bei Aktien kommt es mehr denn je auf die Auswahl an.

 

Geld wird täglich weniger wert. Abzulesen ist das an der Inflationsrate. In Deutschland war sie im März mit 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. In den USA betrug die Geldentwertung im März sogar 8,5 Prozent.

Für Sparer und Anleger stellen sich damit zwei Fragen: Geht das so weiter? Und wenn ja, wie schütze ich mein Vermögen vor Entwertung?

Die Meinung von unabhängigen Vermögensverwaltern ist einhellig: Die Geschwindigkeit, mit der Geld gegenüber allen anderen Gütern an Wert verliert, nehme im Verlauf des Jahres zwar hoffentlich wieder ab.

Aber die Zeiten niedriger Inflationsraten von null bis zwei Prozent sind vorbei. Nicht zuletzt der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine führe zusätzlich zu extremen Kostensteigerungen bei Öl, Gas, Kohle und Grundnahrungsmitteln wie Weizen. Das sorge für einen weiteren Anstieg des Preisniveaus.

 

„Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben“

„Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben“, bringt Leopold Zellwecker, Leiter Portfoliomanagement Privatkunden bei Steinbeis & Häcker den Sachverhalt auf den Punkt.

Jürgen Drescher, Vermögensverwalter bei Hansen & Heinrich, sagt: „Die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und der Wirtschaftsweisen geht von einer Inflationsrate für 2022 von 6,1 Prozent aus.“ Drescher selbst erwartet für das Gesamtjahr eine Rate von „mindestens 6 bis 7 Prozent“.

Hermann Ecker, Anlageprofi bei der Bayerische Vermögen Management, schätzt, dass sich die Preissteigerungen diesseits und jenseits des Atlantiks mittelfristig bei 2,5 bis 3,5 Prozent einpendeln. Doch es bleiben Annahmen.

„Vergleichsweise sicher dürfte aber die Prognose sein, dass der reale Zins von soliden Anleihen auf absehbare Zeit negativ bleiben wird“, sagt Ecker. Ein negativer Realzins – in diesem Fall ist der Zins eines Wertpapiers niedriger als die Inflationsrate – ist gleichbedeutend mit einem Verlust.

 

Geldanlage: Sparer sollten aktiv werden

Aktuell bringt die zehnjährige Bundesanleihe 0,8 Prozent Rendite. Nach Abzug der März-Inflation bleibt in dieser Zeitpunktbetrachtung ein reales Minus von 6,5 Prozent. Auch wenn das Zinsniveau weiter steigen und die Geldentwertung sich verlangsamen würde, läge die reale Rendite tatsächlich noch lange Zeit im roten Bereich.

Um ihr Vermögen zu schützen, sollten Sparer und Anleger aktiv werden. „Die Rückkehr steigender Preise erzwingt eine neue Vorgehensweise in der Vermögensanlage“, sagt Zellwecker.

Weitgehend einig sind sich die befragten Vermögensverwalter auch bei den Maßnahmen. Lothar Koch, Anlageberater bei GSAM + Spee, fasst sie zusammen: „Sachwerte wie Immobilien, Aktien und Rohstoffe/Edelmetalle bieten den besten Inflationsschutz. Geldwerte wie klassische Anleihen, Sparbücher und das Bargeld im Sparstrumpf können das nicht.“

 

Wie sicher ist Betongold?

Sich mit Immobilien gegen Inflation schützen, gilt als probates Mittel. „Mit Recht“, sagt Burkhard Wagner, Vorstand bei Partners Vermögensmanagement. In den vergangenen Jahren seien die Immobilienpreise stark gestiegen.

Das Problem bei Objekten als Kapitalanlage sei aber inzwischen: „Viele Experten warnen vor einer Preisblase, die bei steigenden Zinsen platzen dürfte.“ Selbstgenutzte Immobilien böten zwar langfristigen Inflationsschutz, aber nur in guten Lagen sei eine Wertbeständigkeit wahrscheinlich. Kurzum: Auch bei Immobilien trübt sich das Umfeld ein.

Schutz gegen Inflation böten Aktien, betonen alle Vermögensprofis, freilich mit einer Einschränkung: Es muss sich um „Qualitätsaktien“ handeln. Marian Henn, Partner bei Allington Investors, definiert sie als Anteilscheine an Unternehmen, die in der Lage sind und über die Preissetzungsmacht verfügen, steigende Produktionskosten an ihre Kunden weiterzugeben.

Sind sie dazu noch solide finanziert und besitzen sie dominante Marktanteile, sei Qualität vorhanden. „Mit solchen Qualitätsaktien wird man auch ein inflationäres Umfeld gut durchstehen können“, ist Henn überzeugt.

 

In Dividenden-Aktienfonds investieren

Vermögensverwalter Ecker weist zusätzlich auf das Kriterium der Dividendenkontinuität hin. „Unternehmen mit stetig steigenden Gewinnausschüttungen an ihre Eigentümer geben einen starken Nachweis der hohen Qualität ihres Geschäftsmodells.“

Solche Aktien als Privatanleger zu finden, ist nicht leicht. „Die Auswahl ist sehr entscheidend“, sagt auch Zellwecker.

An dieser Stelle sollten Anleger sich nicht überschätzen, und statt Einzeltitel zu kaufen, lieber in einen Dividenden-Aktienfonds investieren. Zur Wahl stehen zum Beispiel seit Jahren bewährte Sondervermögen wie Acatis Value und Dividende, DJE Dividende & Substanz oder DWS Top Dividende. Die Alternative wäre, einen Profi mit der Vermögensverwaltung zu beauftragen.

Vorsicht bei Gold

Das Edelmetall Gold kommt für die Anlageexperten lediglich in geringem Umfang ins Vermögensportfolio. Es sei zwar „ein seit Jahrhunderten akzeptiertes Zahlungsmittel“ und bei Verwerfungen an den Kapitalmärkten „eine Art Versicherung für das restliche Vermögen“, sagt Wagner.

Aber mehr als fünf bis zehn Prozent sollte der Anteil von Gold im Depot nicht betragen. Marian Henn rät seinen Mandanten ebenfalls „von größeren Goldinvestments ab“. Hier spielt die Inflationserwartung eine entscheidende Rolle.

Nach Auffassung von Zellwecker hat Gold „noch ein erhebliches Aufwärtspotenzial vor sich“, sofern die aktuelle Inflationsrate nicht als vorübergehendes Phänomen einzustufen ist.

Die kommenden Wochen werden es zeigen. Fest steht: Das Umfeld an den Kapitalmärkten hat sich erheblich verändert. Und Sparer und Anleger sollten darauf reagieren.