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Creditreform

Was verabreicht ein Orthopäde bei Osteoporose? Bisphosphonat – es verhindert immerhin 40 Prozent der Hüftfrakturen und 70 Prozent der Wirbelfrakturen. Doch es gibt Nebenwirkungen: grippeähnliche Symptome, Blutarmut, Anstieg der Körpertemperatur, Gelenkschmerzen, Muskelkrämpfe, Nierenfunktionsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Bindehautentzündungen. Eine ähnlich gute Bilanz bei der Verhinderung von Knochenbrüchen hat Vitamin K – und das ohne Nebenwirkungen. In Japan gibt es fast keine Osteoporose. Unser Gesundheitskolumnist Dr. Michael Spitzbart verrät, warum nicht.

Der Grund: eiweißreiche Ernährung und viel Vitamin K₂(Menaquinon) aus Soja. Bei uns gibt es praktisch nur Vitamin K₁aus Grünpflanzen, was wohl nicht halb so wirkungsvoll ist wie das Vitamin K₂. Die Grundsubstanz des Knochens wird übrigens aus Eiweiß gebildet. Calcium und Phosphat machen das Eiweiß fest. Ich erinnere mich gut an meinen Anatomie-Kurs an der Uni Göttingen: Der Professor löste durch einen chemischen Prozess aus einem menschlichen Oberschenkelknochen Calcium und Phosphat, das Eiweiß blieb übrig. Der Knochen blieb in seiner Form zwar erhalten – allerdings konnte man jetzt einen Knoten machen, ohne ihn zu zerbrechen. Um den Knochen lange stabil zu halten, muss man neben Calcium und Phosphat also ebenfalls auf das Eiweiß achten – was leider bei den meisten Menschen sträflich vernachlässigt wird. Büßen müssen wir das dann im Alter, wenn die Knochen langsam zusammensintern oder sogar brechen.

Haben Sie schon einmal bei einem älteren Menschen die Hautfalten auf dem Rücken genauer betrachtet? Diese erinnern an einen Tannenbaum. Der Mensch wird kleiner, die Haut aber nicht – und wirft dann diese typischen Falten.Zusätzlich braucht der Knochen zwei entscheidende Schlüsselreize zum Aufbau und Erhalt. Der erste kommt frei Haus – das ist die Gravitation. Für uns selbstverständlich, für den deutschen Astronauten Alexander Gerst derzeit nicht. In den sechs Monaten im All wird es zu einem messbaren Abbau von Knochenmasse kommen – was glücklicherweise reversibel ist, sobald seine Knochen wieder die Erdanziehungskraft der Erde spüren. Der zweite Schlüsselreiz ist die Bewegung, oder besser gesagt: die Belastung.

Früher waren die Knochen deutlich fester durch mehr körperliche Arbeit. Wer heute viel am Schreibtisch sitzt, kann dem Knochenabbau nur durch mehr Training begegnen. Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass Muskelmasse aufgebaut wird und sich ein muskuläres Korsett etwa um die Wirbelsäule bildet. Früher galt der Satz: Brust raus und Bauch rein. Bei Schreibtischtätern sieht man im Profil erst den Bauch, dann die Brust. Nach einigen Jahren entwickelt sich dann der typische Schildkrötenbuckel: Auf eine steil gestellte Halswirbelsäule folgt ein Rundrücken wie ein C. Eine gesunde Wirbelsäule gleicht eher einem S.

Mein Steckenpferd ist, wie Sie wissen, die Prävention. Der Arzt sollte immer ein Betreuer der Gesunden und nicht ein Behandler der Kranken sein. Darum mein Appell: Achten Sie stets auf ausreichendes Eiweiß – Blutspiegel über 7.7 g/dl, was leider die wenigsten haben –, viel Bewegung und Vitamin K.

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