Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

© Julian Rentzsch

Wer abnehmen möchte, sollte wissen: Das Hormon Insulin steht für die Zunahme von Gewicht. Glukagon bewirkt genau das Gegenteil.

 

Insulin und Glukagon sind zwei konkurrierende Hormone in unserem Körper. Nach jeder kohlenhydrathaltigen Mahlzeit folgt bei gesunden Menschen – die Ausnahme sind Diabetiker – unweigerlich die Ausschüttung von Insulin. Ganz stark vereinfacht, verhindert Insulin einen zu hohen Anstieg des Blutzuckerspiegels, indem es Zucker in Fett umwandelt. Und jedes Kohlenhydrat ist im Endeffekt Zucker. Wir werden also nicht durch Fette fett, sondern durch zu viele Kohlenhydrate und Zucker.

Hinzu kommt: Mit Insulin im Blut wird eine Fettverbrennung, also gezieltes Abnehmen, faktisch unmöglich. Es dauert sogar noch circa sechs bis acht Stunden, bis nach dem Genuss von Kartoffeln, Reis, Brot und Pasta langsam wieder eine Glukagon-Ausschüttung und damit eine Fettverbrennung messbar wird. Zuvor bremst aber meist schon wieder die nächste Insulinausschüttung das Glukagon.

Glukagon ähnelt einem scheuen Reh auf der Lichtung. Kommt nur eine kleine Störung, bleibt es noch lange Zeit im Wald. Übersetzt heißt das: Entweder man verlängert seine Nüchternphasen, zum Beispiel indem man das Frühstück oder das Abendessen weglässt. Das ist heute unter dem Begriff des intermittierenden Fastens bekannt. Oder man lässt bei den Mahlzeiten die Kohlenhydrate weg und verhindert dadurch die Insulinausschüttung.

 

Festhalten an der falschen Ernährungspyramide

Mit dieser Methode behandele ich insulinpflichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes, die bei konsequenter Umsetzung dann kein Insulin mehr benötigen. Leider aber sollen wir – und Diabetiker erst recht – laut völlig überalterter Lehrmeinung 50 Prozent unseres Kalorienbedarfs durch Kohlenhydrate decken. Würden wir wie früher pro Tag 6.000 Kalorien bei der Feldarbeit verbrennen, wäre das kein Problem. Für Büroarbeiter ist es sehr wohl eins.

Trotzdem wird an der falschen Ernährungspyramide festgehalten. Die Folge: Bei den meisten, auch den gesunden Menschen ist die Fettverbrennung komplett eingeschlafen. Deshalb können sich überschüssige unverbrannte Fette in den Blutgefäßen ablagern. Das führt zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Demenz – unsere selbst verursachten Zivilisationskrankheiten.

Grund genug, das eigene Ernährungsverhalten auf den Prüfstand zu stellen. Will man an Gewicht zulegen, dann ist Insulin der Freund. Will man aber abnehmen, sollte man dem scheuen Glukagon eine Chance geben.

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt und Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.