Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

© Julian Rentzsch

So ziemlich jede Heilung ist Selbstheilung. Im Umkehrschluss sind viele Krankheiten selbst verschuldet. Allen voran Zivilisationskrankheiten wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, Übergewicht, Allergien, Gicht, Demenz, Diabetes mellitus Typ II und sogar verschiedene Krebsarten.

Achtung: Viele Krankheiten kommen nicht zu uns, sondern wir gehen zu ihnen. Das funktioniert leider ganz wunderbar, mit steiler Tendenz nach oben. Die Gefahr liegt darin, dass ein Fehlverhalten nicht unmittelbar geahndet wird. Es können sich viele kleine Sünden addieren, bis uns eine Krankheit dann scheinbar wie auf einmal überfällt.

Darum werden viele Menschen trotz immer intensiverer medizinischer Betreuung immer kränker. Reagiert wird erst, wenn die Krankheit da ist – und selbst dann werden schlechte Gewohnheiten oft beibehalten.

Darum möchte ich Sie einladen, sich selbst zu überprüfen. Es ist nämlich gar nicht so schwer, ungesunde Gewohnheiten dauerhaft zu ändern. Meistens hat man sein Verhalten schon innerhalb von ein bis zwei Wochen umprogrammiert – danach ist plötzlich das Gesunde das Normale, und zwar ohne Verzicht und Einbuße von Lebensfreude.

Zuallererst sollte man seinen Zuckerkonsum überprüfen. Wer jeden Tag nur einen kleinen 250-Milliliter-Soft-Drink zu sich nimmt, konsumiert damit über das Jahr gerechnet 4,6 Kilogramm Zucker. Bei einem Liter wären es 18,4 Kilogramm. Und dabei ist es ganz egal, ob Sie Cola, Fanta oder Apfelsaft trinken. Hinzu kommen viele weitere Kohlenhydrate, die auch wieder als Zucker verstoffwechselt werden.

 

Es gibt keine gesunden Kohlenhydrate

Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln sind unter dem Strich nichts anderes als Zucker. Viele meiner Patienten sagen stolz: „Ich esse nur die gesunden Kohlenhydrate und keinen Zucker.“ Merke: Es gibt keine gesunden Kohlenhydrate! Sie alle sind im Endeffekt Zucker. Und da man Zucker nicht speichern kann, wird er schnurstracks in Fett verwandelt, wenn er nicht unmittelbar als Energie verbraucht wird.

Vor 100 Jahren waren Kohlenhydrate zumindest weniger ungesund. Denn während die Menschen körperlich arbeiteten, wurden die aufgenommenen Kohlenhydrate in Form von Brot, Bohnen oder Linsen in Energie verwandelt – statt in Fett. Heute ist das umgekehrt – und genau das ist die fatale Entwicklung.

Doch es liegt an uns selbst, eine der beiden Stellschrauben zu verändern: Entweder die körperliche Arbeit hochfahren oder die Kohlenhydrate herunterfahren. Das können wir uns frei aussuchen. Entweder viel mehr trainieren oder weniger Kohlenhydrate essen.

Leider wird von offizieller Seite immer noch das Gleiche empfohlen, was vor 100 Jahren vielleicht noch richtig war: 50 Prozent der Nahrung sollten aus Kohlenhydraten bestehen. Dass man diese Empfehlung in der heutigen Zeit überdenken sollte, sieht man bereits auf dem Schulhof. Playstation und Kohlenhydrate vertragen sich nicht. Schreibtisch und Kekse ebenso wenig.

Wenn man die Kohlenhydrate drastisch reduziert oder für eine Weile sogar ganz weglässt, setzt der Körper magische Selbstheilungskräfte frei. Fettablagerungen an Bauch und Hüften oder in den Blutgefäßen (Plaque) bilden sich messbar zurück. Herzinfarkt und Schlaganfallrisiko sinken, Blutzucker, Blutdruck und Gicht normalisieren sich und sogar Krebszellen sterben ab, da sie bekanntlich vornehmlich vom Zucker ernährt werden.

Im diesen Sinne: Auf gesunde neue Gewohnheiten mit weniger Kohlenhydraten!

Zum Autor

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.