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Creditreform

© Chris Liverani/Unsplash

Mit Social Trading können Privatanleger das Know-how anderer Investoren nutzen. Das Internet macht es möglich. Wie dieses Konzept in der Praxis funktioniert und welche Risiken damit verbunden sind.

Auf Empfehlungen in sozialen Netzwerken verlassen sich immer mehr Menschen. Wer ein Hotel oder ein Restaurant sucht, greift oft auf die Erfahrungen anderer zurück und orientiert sich an ihrem Urteil. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in der Finanzberatung ab. Denn auch hier wollen viele wissen, wie die Kunden einen Berater bewerten.

Das Internet revolutioniert auch die Geldanlage: Menschen können Anlegern auf Schritt und Tritt in Echtzeit folgen. Auf Plattformen wie Wikifolio oder Etoro erklären Investoren ihre Strategien, legen ihre Käufe und Verkäufe offen. Beim Social oder Copy Trading können Follower die Portfolios eins zu eins nachbauen.

So viel Offenheit ist neu in der Welt der Geldanlage. Denn egal ob Fondsgesellschaften oder Vermögensverwalter – wie sie das Geld ihrer Kunden managen, ist ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Sie veröffentlichen Anlagestrategien nur vereinzelt. Fondsgesellschaften geben nur die zehn größten Positionen ihrer Portfolios bekannt. Wann sie Wertpapiere kaufen oder verkaufen, ist ihr Geheimnis.

Ganz anders beim Social Trading. Schließlich werden hier die Transaktionen sofort offengelegt.

 

Portfolio optimieren mit Social Trading

Hinter dem Phänomen Social Trading steckt das Konzept der Schwarmintelligenz. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist die Auswahl, um den besten Investoren folgen zu können. Dabei müssen die Follower den Markt gründlich sondieren, um die besten Trader ausfindig zu machen. Und das ist gar nicht so leicht, wie schon die Auswahl aktiv gemanagter Aktienfonds zeigt.

So sind viele aktiv gemanagte Fonds nur in bestimmten Marktphasen erfolgreich, in anderen dagegen nicht. Wer in der Vergangenheit erfolgreich war, muss das nicht in Zukunft sein.

Wer auf Social Trading vertraut, muss also kritisch sein und den Markt ständig beobachten. Blind einem Investor zu folgen, wird nicht funktionieren. Man muss schnell reagieren können und bereit sein, die Notbremse zu ziehen. Aber eines steht fest: Privatanleger können sich gute Ideen und Impulse fürs eigene Portfolio holen.

 

Demo-Depot zum Testen

Wer sich damit beschäftigen möchte, sollte zunächst kein Geld einsetzen, sondern zum Beispiel ein virtuelles Demo-Konto auf einer Plattform anlegen und die Trades anderer Anleger in Echtzeit verfolgen. Bei Plattformen wie Wikifolio werden die Portfolios von Anlegern über Zertifikate abgebildet. Das kostet zwar hohe Gebühren, bietet dafür den Vorteil, dass sie das Zertifikat jederzeit verkaufen können.

Mittlerweile können Anleger bei Wikifolio unter mehr als 8.000 investierbaren Portfolios wählen. Die Plattformen für Social Trading erfreuen sich stark steigender Beliebtheit. Wie in vielen anderen Lebensbereichen sorgt das Internet auch hier für mehr Transparenz: Menschen können sich direkt austauschen, können voneinander lernen, und das ganz ohne Zutun von vermeintlichen Experten.