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Creditreform

Die deutsche Wirtschaft boomt, Unternehmen zeigen beeindruckende Wachstumszahlen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat Anfang des Jahres die Wachstumserwartungen nach oben korrigiert – von 0,8 auf 1,3 Prozent. Wenn es weiter so gut läuft, stellen sich Unternehmer über kurz oder lang die Fragen: Sollen wir expandieren? Wie stehen unsere Chancen, neue Märkte zu erobern?

Gerade für Mittelständler ist das eine riesige Herausforderung: Im Unterschied zu großen Konzernen, die seit vielen Jahren Produktionsstandorte und Vertriebsniederlassungen auf der ganzen Welt betreiben, stehen sie vor einer Menge ungelöster Fragen. Angefangen bei der Sprache über die Geschäftskultur bis hin zu rechtlichen und bürokratischen Fragen – Investieren in neue Standorte im Ausland ist ein Abenteuer.

EU-Ausland oder Übersee? Wo lohnt sich der Invest, wo befinden sich die Wachstumsmärkte? Während die Expansion in ein Euro-Land überschaubare rechtliche, bürokratische und kulturelle Anforderungen stellt, ist der Markteintritt in außereuropäischen Märkten aufwändig. Doch gerade hier locken viele Chancen! Zum Beispiel in den sogenannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). Die Länder China und Indien stehen seit Jahren als große Wachstumstreiber und Sinnbild für Globalisierung. Dagegen ist Südafrika bislang am wenigsten als international aufstrebende Ökonomie ins Sichtfeld deutscher Unternehmer geraten.

Nur zwei Prozent des deutschen Außenhandels werden mit Afrika abgewickelt. Während deutsche Unternehmen gute Voraussetzungen für den afrikanischen Markt mitbringen, ihre Dienstleistungen als zuverlässig und die Produktqualität hoch eingestuft wird, sind es bisher Länder, wie die USA und Frankreich, China, Indien und Brasilien, die auf dem Kontinent präsent sind. Trotz aller Appelle an die hiesige Wirtschaft, sich stärker auf dem Chancenkontinent Afrika zu engagieren, scheuen viele Firmen den Schritt.

Handelspartner am Kap

Kleine und mittelständische Unternehmen, die Afrika als potenziellen Standort betrachten, fragen sich oft: Wohin sollen wir denn gehen? Wie wär es mit Südafrika? Das Land am Kap der guten Hoffnung, Ziel vieler Touristen, ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Deutschlands auf dem Kontinent. Seit 2011 Mitglied der BRICS-Staaten hat Südafrika nach wie vor die diversifizierteste und am meisten industrialisierte Wirtschaft Afrikas. Das Land gilt als Wirtschaftsmotor der Region mit einer hohen Grundnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sowie einem stabilen Konsumklima.

Experten prognostizieren in einer Trendstudie zu „Afrika 2025“ eine Umorientierung der deutschen Exportwirtschaft. Waren in den vergangenen Jahren vor allem Asien und Russland im Fokus, werden sich in Zukunft exportorientierte Mittelständler verstärkt auf Afrika konzentrieren. Auch die Bundesregierung erklärte in ihren 2014 veröffentlichten Afrikaleitlinien das Ziel „auf eine Verbesserung des regulatorischen Rahmens und des Investitionsklimas insgesamt hinzuwirken, insbesondere im Interesse kleiner und mittelständischer Unternehmen“.

Denn bislang ist der Markteintritt und Marktausbau eine anspruchsvolle Aufgabe. Vor allem der Mangel an Erfahrung, die Entfernung, fehlende personelle und finanzielle Ressourcen im eigenen Unternehmen erschweren den Markteintritt in Südafrika.

Wer aber in Südafrika Verkaufs- und Vertriebsniederlassungen gründen will, sollte vorab einige grundlegende Fragen beantworten:

  • Ist mein Unternehmen zur Internationalisierung bereit oder müssen im Vorfeld noch entscheidende Unternehmensressourcen aufgebaut werden?
  • Wie steht es um das Potenzial meines Produkts oder meiner Dienstleistung?
  • Inwiefern muss mein Produkt oder meine Dienstleistung an die Anforderungen für den südafrikanischen Markt angepasst werden?

Zuletzt sollten KMU immer überlegen, ob sie den Markteintritt allein oder mit einem Partner wagen. Ist die Entscheidung gefallen, heißt es: Let’s go international.

Spezialitäten am Kap

Anderer Kontinent – andere Regeln: Wer Business in Südafrika plant, muss sich auch an andere Gesellschafterformen gewöhnen: Häufige Formen einer Unternehmensgründung in Südafrika sind „Sole Proprietor“ (Einzelkaufmann) oder Pty Ltd. – vergleichbar mit der GmbH.. Die südafrikanische Kapitalgesellschaft Pty Ltd. wird als eigenständige juristische Person betrachtet und muss bei der Steuerbehörde registriert werden. Die Vorteile liegen auf der Hand und sind mit denen der deutschen GmbH vergleichbar. Die Gesellschaft hat eine unendliche Lebensspanne, die Anteilseigner bzw. Inhaber sind nur beschränkt haftbar, das Management kann effizient arbeiten und die Bilanzzahlen müssen nicht bei der Registrierungsbehörde eingereicht werden. Zugleich bedeutet die Gründung einer Pty Ltd. auch viel Arbeit: die gesetzlichen Vorschriften sind höher im Vergleich zu oder einem Sole Proprietor.

Zweigstelle oder Niederlassung

Auch Unternehmen, die eine Niederlassung in Südafrika eröffnen wollen, sollten einige wichtige Punkte beachten. Bevor die Firma registriert wird, muss über die Struktur entschieden werden. Entweder die Firma wird als Zweigstelle einer ausländischen Firma aufgebaut, oder als vollständige Niederlassung – also als örtliches südafrikanisches Unternehmen im Besitz einer internationalen Firma. Entscheidungskriterien sind Anteilbesitz, Gesellschaftsform, organisatorische Anforderungen, Besteuerung und rechtliche Anforderungen, etwa Bilanzprüfungen.

Als Zweigstelle fällt das Unternehmen unter die Gerichtsbarkeit Südafrikas und erhält eine staatliche Registrierungsnummer – auch wenn die Unternehmensführung in Deutschland ist. Bei der staatlichen Behörde für Firmenangelegenheiten (CIPRA) muss ein südafrikanischer Staatsbürger als Verantwortlicher registriert werden. Die Zweigstelle wird mit 34 Prozent auf den Netto-Profit besteuert.

Bei einer vollständigen Niederlassung im Besitz einer internationalen Firma werden die Anteile des in Südafrika registrierten Unternehmens an die im Ausland ansässige Firma übertragen. Auch hier muss ein südafrikanischer Staatsbürger bestimmt und bei der CIPRA registriert werden. Die steuerliche Belastung des Netto-Profits liegt bei 29 Prozent.

Ist die Entscheidung für die Gesellschaftsform gefallen, der Business Plan erstellt und die nötigen Mitarbeiter rekrutiert, kann die Arbeit losgehen.

Tipp: Intensive Beratung für eine Firmengründung in Südafrika bietet die „Deutsche Handelskammer für das südliche Afrika“. Als Mitglied der „Southern African-German Chamber of Commerce and Industry“ hat die AHK Büros in Johannesburg, Kapstadt, Durban und Maputo. Angefangen bei Handelsinformationen und Marktanalysen über rechtliche Hilfestellung bis hin zur Reiseplanung – interessierte Unternehmer bekommen hier eine Reihe nützlicher Hinweise.

Lesen Sie im nächsten Teil, wie sich Unternehmen – nach dem Start – erfolgreich in Südafrika etablieren…