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Wie geht es den deutschen Familienunternehmen – und was bereitet ihren Chefs mit Blick auf die nächsten Monate Sorgen? Das fragen der Europäische Verband der Familienunternehmen (European Family Businesses) und KPMG regelmäßig Unternehmenslenker in Europa, in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Verband Die Familienunternehmer – ASU. Das Ergebnis der aktuellen Befragung: Die Geschäftsaussichten sind gut. Doch vor allem steigende Lohnkosten bereiten den deutschen Familienunternehmern Sorgen.

Die gute Nachricht des vierten European Family Business Barometer lautet (befragt wurden in diesem Sommer europaweit 1401 Familienunternehmer aus 25 Ländern, davon 361 aus Deutschland): Die deutschen Familienunternehmen sind wirtschaftlich optimistisch. Fast drei Viertel der Befragten sind mit Blick auf die nächsten sechs Monate zuversichtlich oder sehr zuversichtlich. Damit fallen die Aussichten auf die wirtschaftliche Entwicklung sogar noch einmal besser aus als vor einem Jahr – damals gaben 70 Prozent einen positiven Ausblick auf das Geschäft.

Doch es gibt auch Entwicklungen, die den Firmenchefs Sorgenfalten auf die Stirn treiben: steigende Lohnkosten etwa. Die hohe Zahl derer, die sie als ihr derzeitiges Hauptproblem bezeichnen, ist mit 44 Prozent hierzulande besonders auffällig. Der Grund: Die Unternehmen in Deutschland sind aufgrund der guten Konjunkturlage mit steigenden Löhnen konfrontiert, während sich der Lohndruck in Europa insgesamt als weniger relevant zeigt.

Auf der Wunschliste: Unternehmensfreundliche Nachfolgeregelungen

Vier von zehn (41 Prozent) bezeichnen regulatorische Vorgaben als große Herausforderung. Ebenso viele wünschen sich eine geringere bürokratische Belastung, um die Verwaltungskosten bzw. administrative Pflichten zu reduzieren. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern: Etwas mehr als ein Drittel sehen die Suche nach qualifiziertem Personal als Belastung an.

Angesichts der andauernden Debatte um eine Neuregelung der Erbschaftsteuer stehen auch unternehmensfreundliche Nachfolgeregelungen bei vielen Befragten auf der Wunschliste (30 Prozent). Außerdem fordern die Unternehmen Möglichkeiten, niedrigere Lohnnebenkosten und insgesamt flexiblere Arbeitsmarktbedingungen. Änderungen in diesen Punkten würden nach Ansicht der Unternehmen wichtige Wachstumsimpulse geben.

Nahezu drei Viertel der befragten Unternehmen sind zu 100 Prozent in Familienhand

Auch das Thema Nachfolge treibt die Familienunternehmer um: Eine kleine, aber wachsende Zahl von Familienunternehmen in Deutschland erwägt einen Verkauf. Eine besondere Rolle nimmt Deutschland im europäischen Vergleich beim Thema familienfremdes Management ein: Es herrscht große Skepsis gegenüber Nicht-Familienmitgliedern in geschäftsleitenden Positionen. Gerade einmal die Hälfte der befragten Familienunternehmer hierzulande sieht einen Vorteil in externen Managern in der Geschäftsleitung – europaweit sind es dagegen 85 Prozent.

Und so belegt unsere Studie auch: Deutsche Familienunternehmer haben ein tief verankertes Selbstverständnis, nicht nur das Eigentum am Unternehmen möglichst vollständig in Familienhand zu halten, sondern es auch unabhängig führen zu wollen.

Passend dazu beschäftigen die befragten deutschen Unternehmen deutlich weniger familienfremde Manager (57 Prozent) als ihre europäischen Nachbarn (76 Prozent). Und nahezu drei Viertel (73 Prozent) der deutschen Familienunternehmer geben an, ihr Familienunternehmen befinde sich zu 100 Prozent in Familieneigentum. Das ist ein Erfolgsfaktor der hiesigen Familienunternehmen – er darf im Nachfolgefall nicht zur Bürde werden. Übergaben sollten daher frühzeitig geplant und organisiert werden.