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Creditreform

Als die KfW im Jahr 1948 gegründet wurde, zielten ihre ersten Finanzierungen auf die Wiederherstellung der Energieversorgung. Das war kein Zufall: Für jeden Industriestaat ist die Versorgung mit Energie lebensnotwendig. Das gilt heute mehr denn je.

Die wichtigsten Energieträger für die Bundesbürger sind Mineralöl, Erdgas und Steinkohle. Zusammen decken sie knapp 70 Prozent des Primärenergiebedarfs und werden zu großen Teilen aus dem Ausland eingeführt. Seit Jahrzehnten hat sich die globale Nachfrage nach diesen Rohstoffen erhöht – die Preise zogen an.

Konflikte könnten Energiekosten sprunghaft steigen lassen

Erdgas dürfte dabei der am schwierigsten zu ersetzende Energieträger sein. Ohne Russland wären die Versorgung der gesamten Wirtschaft und die Bereitstellung von Wärme und Strom für alle Haushalte eine Herausforderung. So weit wird es voraussichtlich nicht kommen, aber die Energiekosten könnten sprunghaft ansteigen, auch  aufgrund der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten. Sorgen machen den meisten Kommentatoren hier die Wettbewerbsfähigkeit der großen, energieintensiven Industrieunternehmen. Aber auch der Mittelstand wäre von sprunghaften Energiepreisanstiegen betroffen.

Denn: Auf Basis einer Sonderbefragung des KfW-Mittelstandspanels beziffern wir für die 3,6 Millionen mittelständischen Unternehmen hierzulande Energiekosten in Höhe von 250 bis 290 Milliarden Euro pro Jahr. Dabei ist der Energiekostenanteil an den Gesamtkosten vergleichsweise gering: Bei 80 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmern liegt er unter zehn Prozent. Allerdings liegt auch die durchschnittliche Umsatzrendite – und damit der Spielraum – im deutschen Mittelstand mit sechs Prozent recht niedrig.

Schon ein kleiner Anstieg hätte große Folgen

Unsere Modellrechnungen zeigen: Bei einem Anstieg der Energiepreise um ein Fünftel könnte der Anteil der Mittelständler, die in die Verlustzone geraten, von 15 auf 24 Prozent steigen. Noch weniger resistent gegen plötzliche Energiepreiserhöhungen wären größere Mittelständler und Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Für ihre Profitabilität hätte bereits ein relativ kleiner Energiekostenanstieg im einstelligen Prozentbereich große Folgen.

Können sich Unternehmen gegen solche Energiepreisschocks wappnen? Kurzfristig nur s ehr schwer. Langfristig ist die Senkung des Energieverbrauchs eine nachhaltige Antwort. Das lässt sich nur durch Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen bewerkstelligen. Die KfW versucht, solche Investitionen durch Förderung zu beschleunigen. Allein 2012 hat dies bei den beteiligten Unternehmen zu Energiekosteneinsparungen von 150 Millionen Euro pro Jahr beigetragen. Das hilft, den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb zu schützen.