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Nelly Kostadinova Unternehmerin

© Nelly Kostadinova

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum Internetnutzer Ihre Unternehmens-Homepage besuchen. Sie suchen nach Öffnungszeiten, Kontaktdaten, Ansprechpartnern, dem Anfahrtsweg, Produkten oder Dienstleistungen, Referenzen oder Projekten, dem Online-Shop. Oder aber auch nach Hintergrundinformationen, Presseinformationen, freien Stellen, Ihrem Team, … Beim Aufbau Ihrer Firmen-Seite haben Sie die Bedürfnisse und Erwartungen Ihrer Hauptzielgruppe in den Vordergrund gestellt und auf diese ausgerichtet. In den meisten Fällen sind das Ihre (potentiellen) Kunden oder Geschäftspartner. In den meisten geschäftlichen Webauftritten findet sich eine Seite, auf der das Unternehmen, seine Geschichte, die Vision und Mission oder der Gründungsmythos dargestellt wird. Das schafft Nähe und Vertrauen in Ihre Marke. Beim Eintritt in den internationalen Markt, sollten Sie auf Ihren ausländischen Homepages die Erwartungen der Kunden im Zielland bedienen.

Warum sollte ein Kunde ausgerechnet Ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen oder Ihr Produkt kaufen? Warum sollte er sich gerade für Sie und nicht für Ihren Mitbewerber entscheiden? Gründe können der Preis oder die Qualität sein, aber auch die Werte, für die Ihr Unternehmen steht oder ein Gefühl, das durch Ihre Marke transportiert wird. Egal auf welchem Markt Sie auf der Welt agieren: Heben Sie Ihre Unique Selling Points deutlich hervor! Einen großen Vorteil haben Sie als deutsches Unternehmen, das auf dem internationalen Markt tätig ist: ‚Made in Germany‘ gilt in den meisten Ländern als Qualitätsgarant. Während Sie also beispielsweise auf Ihrer deutschen Website schnelle Lieferzeiten und einen guten Service in den Vordergrund stellen, legen Sie den Fokus im Ausland stärker auf die deutsche Qualität.

 

Made in Germany

Das Siegel ‚Made in Germany‘ wurde ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts von den Briten ein-geführt, um deutsche Produkte als minderwertig zu brandmarken – doch das Gegenteil ist eingetreten. Im Ausland genießen deutsche Produkte einen exzellenten Ruf. Wer sich etwas leisten will und Qualität sucht, ist durchaus bereit, für Ware ‚Made in Germany‘ etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Dieser USP (Unique Selling Point) hebt Sie somit von den meisten Ihrer Konkurrenten im Ausland ab – also zeigen Sie das auf Ihrer ausländischen Unternehmenswebsite auch! Besonders in Ländern wie Japan, in denen die deutsche Sprache als „cool“ gilt, sollten Sie Ihr „Deutsch-sein“ explizit hervorheben und ruhig auch deutsche Ausdrücke und Satzteile verwenden. In Russland sind schwarz-rot-goldene Flaggen und deutsch klingende aus demselben Grund ein ausgezeichnetes Werbemittel. Und in der Türkei werden Anzeigen für deutsche Produkte oft mit dem Hinweis „güvenilir alman kalitesi“ (übersetzt: „verlässliche deutsche Qualität“) und den deutschen Nationalfarben versehen.

Daneben gibt es noch einige weitere Tipps der Lokalisierungsexperten meines Übersetzungsunternehmens Lingua-World, die Sie beachten können, um Ihr Unternehmen für Ihre ausländischen Kunden attraktiver zu machen. Indem Sie Ihre Unternehmens-, Marken- und Produktdarstellung sowie Ihre weiteren USPs (Unique Selling Points) durch die Lokalisierung Ihrer Website an die Erwartungen und Gewohnheiten auf dem Zielmarkt anpassen. Egal in welchem Land Sie agieren: Stellen Sie nur Inhalte auf Ihre Seite, die für das jeweilige Land auch relevant ist. Den Kunden in Seoul oder in Ankara interessiert es nicht, ob Sie gerade Sponsor beim Berlin Marathon waren oder einen Betriebsausflug in einen Freizeitpark unternommen haben. Wohl aber, ob Sie ein neues Qualitätssiegel erhalten haben, Ihr Produkt optimiert wurde, eine Filiale in seiner Nähe eröffnet wird oder Sie sich in seinem Land sozial engagieren. Nehmen Sie außerdem Produkte aus Ihrem Katalog, die in dem Zielland gar nicht angeboten werden, unbekannt oder dort sogar verboten sind. Achten Sie bei Produktpräsentationen durch Menschen darauf, dass diese in der Ethnizität Ihrer Zielgruppe entsprechen. Denn auch das schafft Nähe.

 

Relevanz Ihrer Inhalte

In den meisten asiatischen Ländern wird viel Wert auf Respekt gelegt, weshalb Sie eine formelle, höfliche Ansprache Ihrer Zielgruppe wählen sollten. Wegen des stark ausgeprägten Kollektivdenkens in asiatischen Kulturen wird außerdem großen Wert auf Bewertungen und Meinungen anderer (einheimischer) Kunden gelegt. Wenn Sie einen Onlineshop haben, nutzen Sie dort deshalb die Möglichkeiten von Bewertungsoptionen. Potentielle Geschäftspartner können Sie mit Werbe-botschaftern, die im Zielland prominent sind, oder Kundenreferenzen überzeugen. Soweit es das jeweilige Alphabet und die phonetische Aussprache zulassen, können Sie auf Ihr Original-Logo und den deutschen Firmennamen zurückgreifen und daneben eine Übersetzung in der jeweiligen Sprache setzen.

Auf dem chinesischen Markt sollten Sie die Tauglichkeit Ihres Unternehmensnamens und der Produktnamen prüfen. Oft empfiehlt sich eine Anpassung, da die phonetische Aussprache oder Schreibweise in China eine negative Bedeutung haben oder missverständlich sein kann. In China müssen Sie außerdem die strenge staatliche Zensur beachten. Prüfen Sie, ob Ihre Inhalte (Texte, Bilder, Videos etc.) gegen chinesisches Recht verstoßen oder als regierungskritische politische Statements aufgefasst werden können. Das gilt auch für auf Ihrer Website verlinkte Seiten oder Inhalte.

 

Zielgruppenansprache beachten

In Indien genießen einflussreiche Personen aufgrund der hierarchischen Gesellschaftsstruktur einen sehr hohen Respekt. Orientieren Sie sich daher an indischen Websites und platzieren Sie Bilder von Firmengründern, wichtigen Persönlichkeiten, aber auch Ihre Firmenphilosophie gut sichtbar auf Ihrer Seite.  Wenn Sie sich vor Ort sozial engagieren, kommunizieren Sie auch dies deutlich auf Ihrer Homepage, um Ihr Image zu stärken. Soziales Engagement genießt in Indien einen hohen Stellen-wert. Achten Sie dabei aber dennoch auf ein bescheidenes und eher indirektes Auftreten. Auch in Japan wird sehr großer Wert auf Etikette und Respekt gelegt – Kunden haben dort einen hohen Stellenwert. Beachten Sie deshalb bei Ihrer Zielgruppenansprache das äußerst komplexe japanische System der Höflichkeit – und beeindrucken Sie damit Ihre Kunden und Geschäftspartner! Generell sind japanische Kunden sehr anspruchsvoll: Achten Sie auf eine detaillierte und genaue Beschreibung sowie eine liebevolle Darstellung Ihrer Produkte. Japan gilt als Land der Perfektion.

Die Ansprache Ihrer Zielgruppe können Sie in den USA dagegen noch informeller und direkter als in Deutschland halten – aber freundlich. Amerikaner sind es gewohnt, per Du angesprochen zu werden, da im Englischen die Sie-Form fehlt. Dadurch ist automatisch die Distanz geringer als in Deutschland und die Ansprache persönlicher. Außerdem können Sie stärker als in Deutschland auf gut platzierte Werbebotschaften in Ihrem Onlineauftritt setzen, denn Amerikaner gelten gemeinhin als empfänglicher für Werbung. Geben Sie dabei aber unbedingt Informationen zur Produkt-handhabung sowie Warnungen hinsichtlich Missbrauchs des Produkts. Im US Produkthaftungs- und Zivilprozessrecht liegen große Risiken, insbesondere hinsichtlich der Höhe der Prozesskosten und Schadensersatzansprüche (Die Geschichte von der Katze in der Mikrowelle ist Ihnen in diesem Zusammenhang sicher bekannt…). Stellen Sie außerdem die Merkmale, Vorteile und den Nutzen Ihres Produkts deutlich heraus. In den USA ist dies bekannt unter dem Oberbegriff „FAB Selling“-Features, Advantages, Benefits.

 

Fazit:

Achten Sie darauf, auf Ihrer Homepage nur für das Zielland relevante Inhalte darzustellen. Richten Sie sich in der Tonalität der Ansprache Ihrer Zielgruppe nach dem landesüblichen Usus. Wenn Sie Menschen darstellen, bevorzugen Sie die Ethnizität Ihrer Zielgruppe. Und: Heben Sie die Qualität und Langlebigkeit Ihrer Produkte ‚Made in Germany‘ deutlich hervor! Grundsätzlich gilt es, bei der Darstellung Ihrer Produkte länderspezifische rechtliche Vorgaben zu beachten. Ein Lokalisierungs-experte hilft Ihnen dabei.