Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Viele, vor allem kleine und mittlere Unternehmen, werden auf diese Aufforderung antworten: Nein, unseren Jahresabschluss 2018 haben wir noch nicht fertig gestellt. Und viele Unternehmerinnen und Unternehmer werden vermutlich – zumindest in Gedanken – hinzufügen: Warum auch? Weil drei wichtige Gründe dafür sprechen, die Zahlenarbeit nicht länger aufzuschieben:

 

1. Ziehen Sie unternehmerische Schlussfolgerungen

Der Jahresabschluss zeigt, wie erfolgreich ein Unternehmen das letzte Geschäftsjahr abgeschlossen hat. Das zu wissen ist wichtig: Denn vermutlich ergeben sich aus den Ergebnissen des Vorjahrs Schlussfolgerungen für die Ziele und Handlungen für das laufende Geschäftsjahr. Und dafür hilft ein Jahresabschluss 2018, der im November 2019 fertig gestellt wird, nicht wirklich.

Und nicht zu vergessen: Sie treffen beim Erstellen des Jahresabschlusses als Unternehmer/in Ihre Bewertungsentscheidungen. Das gilt besonders für die Bilanzpositionen Warenbestand, Halbfertige- und Fertige Arbeiten und Kundenforderungen sowie für eventuelle Rückstellungen.

Diese Entscheidungen direkt Anfang des Jahres zu treffen ist sinnvoll: Jetzt sind die Geschäfte des abgelaufenen Jahres noch gedanklich präsent; die Inventur ist gemacht. Warum mit den Bewertungsentscheidungen warten? Damit werden diese sicherlich nicht besser.

 

2. Präsentieren Sie Kreditgebern aktuelle Zahlen

Bei jeder Verlängerung eines Kreditvertrages und bei jedem neuen Kredit erwarten Banken und auch andere Finanzierungspartner bestimmte „Kreditunterlagen“, um die Bonität des kreditnehmenden Unternehmens beurteilen zu können. Dazu gehört an erster Stelle der letzte vorliegende Jahresabschluss. Und dieser sollte eben nicht „zu alt“ sein.

Was heißt „zu alt“? Natürlich kennen Kreditgeber die gesetzlichen Regelungen (siehe Grund 3) und orientieren sich daran. Das bedeutet: Ab jetzt sollten Sie Kreditgespräche nicht mehr auf der Basis des Jahresabschluss 2017 führen. Selbst wenn Sie diesen ergänzen um die Betriebswirtschaftliche Auswertung vom Dezember 2018 und eine aktuelle aus diesem Jahr: Viele Kreditgeber werden das nicht gut finden.

Die Schlussfolgerung: Den Jahresabschluss 2018 bei jedem Kreditgespräch im Jahr 2019 bereits vorliegen haben. Wenn dieses Kreditgespräch im März stattfinden soll, dann müssen Sie sich halt sputen. Wie das gehen soll? Hinweise dazu finden Sie nach Grund drei.

 

3. Beachten Sie die gesetzlichen Fristen

Der Gesetzgeber setzt Unternehmen ein Datum für das Erstellen des Jahresabschlusses. Dabei unterscheidet er zwischen den Rechtsformen:

Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften findet der Gesetzgeber in § 243 Absatz 3 HGB (Handelsgesetzbuch) die schöne Formulierung: „Der Jahresabschluss ist innerhalb der einem ordnungsgemäßen Geschäftsgang entsprechenden Zeit aufzustellen“. Wie ist dies zu interpretieren? Dazu hilft der Blick auf die Regelung für Kapitalgesellschaften.

Für Kapitalgesellschaften (also vor allem GmbHs) setzt der Gesetzgeber klare Fristen: Generell ist der Jahresabschluss innerhalb von drei Monaten nach Schluss des Geschäftsjahres zu erstellen (§ 264 Absatz 1 Satz 3 HGB).

Eine Ausnahme gilt gemäß § 264 Absatz 1 Satz 4 HGB für die „kleine Kapitalgesellschaft“: Diese hat sechs Monate Zeit „wenn dies einem ordnungsgemäßen Geschäftsgang entspricht“. Eine „kleine Kapitalgesellschaft“ liegt vor, wenn die Bilanzsumme unter sechs Millionen Euro liegt, der Umsatz unter zwölf Millionen Euro und wenn die Mitarbeiterzahl im Jahresdurchschnitt 50 nicht übersteigt. Eine der drei Grenzen darf überschritten werden.

Zum Autor:

Carl-Dietrich Sander kennt beide Seiten des Besprechungstisches in Finanzierungsfragen: 20 Jahre war er in der Firmenkundenbetreuung von Banken tätig, zuletzt neun Jahres als Vorstandsmitglied der Volksbank Neuss. Seit 1998 ist er selbstständig als freiberuflicher UnternehmerBerater: Trainer, Berater, Fachautor rund um die Themen Liquidität, Finanzierung, Rating, Bankenkommunikation. Unter anderem für die NRW.BANK hält er Unternehmer-Seminare. Sein Buch aus dem NWB-Verlag „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ ist eines der umfassenden Arbeitsbücher für Unternehmer und Berater zu seinem Themenkreis. Im Bundesverband „Die KMU-Berater“ leitet er die Fachgruppe Finanzierung-Rating.
http://www.cd-sander.de

Halten wir fest: Aus den Gesetzestexten ergibt sich eindeutig, dass der Gesetzgeber davon ausgeht, dass sechs Monate für das Erstellen des Jahresabschlusses bei einem ordnungsgemäßen Geschäftsgang nun wirklich ausreichen müssen. Alles andere wäre dann also nicht mehr ordnungsgemäßer Geschäftsgang.

Aber kann das stimmen? Es gibt doch noch die Frist 31. Juli für das Einreichen der Einkommensteuererklärung. Das wären immerhin nochmals 30 Tage Karenz. Und wenn Steuerberater/innen die Einkommensteuererklärungen für ihre Mandanten erstellen, gibt es sogar eine generelle Fristverlängerung bis zum 28.02. des darauffolgenden Jahres.

„Na bitte“ werden jetzt wohl einige sagen und sich mit ihrer deutlichen späteren Jahresabschlusserstellung entlastet sehen. Die Antwort darauf lautet „jein“: Denn dieser Termin 28.02.2020 (im Falle des Jahresabschlusses 2018) steht in keinem Gesetz. Es ist eine Vereinbarung zwischen den Oberfinanzdirektionen und der Steuerberaterkammer.

Das heißt auch: Jedes Finanzamt kann Sie nach dem 31. Juli mit Vierwochenfrist auffordern, die Einkommensteuererklärung abzugeben – und dazu werden Sie dann Ihren Jahresabschluss benötigen.

Diese drei Gründe führen zu einer klaren unternehmerischen Schlussfolgerung: Den Jahresabschluss jedes Jahr so früh wie möglich erstellen!

Leichter gesagt als getan? Natürlich bedarf es dafür einer klaren Vereinbarung mit Buchhaltung und Steuerberatern: Wer muss was bis wann tun, damit alle gemeinsam einen frühen Erstellungstermin realisieren können. Und dann müssen sich alle gewissenhaft an diesen Ablaufplan halten. Dann sollte das aber ohne Probleme funktionieren.

Eine Checkliste für einen Ablaufplan und für die zu treffenden Bewertungsentscheidungen finden Sie unter www.jahresabschluss-check.de.