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Creditreform

Es ist keine schöne Erfahrung für ein Unternehmen, wenn eine Kreditanfrage von der Hausbank abgelehnt wird. Das werden im Jahr 2021 bedingt durch Corona vermutlich mehr Unternehmen spüren. Doch in einer solchen Ablehnung könnte für Unternehmen auch ein Erfahrungswert liegen – nämlich dann, wenn die Bank die Kreditablehnung begründen und erläutern würde.

 

Carl-Dietrich Sander

Carl-Dietrich Sander berät seit mehr als 20 Jahren Unternehmen in Finanzierungsfragen. © privat

Wenn Unternehmen über ihre diesbezüglichen Erfahrungen berichten, dann oft so: Banken geben Kreditablehnungen meistens ohne Angabe von Gründen oder lediglich mit pauschalen Argumenten weiter.

Damit wird der angesprochene Erfahrungswert verschenkt. Die Konsequenz für Unternehmen lautet also: Geben Sie sich damit nicht zufrieden, sondern fragen Sie nach.

Denn für Sie ist es wichtig, die wirklichen Gründe für eine Ablehnung zu erfahren. Diese werden für Sie Hinweise enthalten für Ihre weitere Unternehmens- und Finanzierungsstrategie und darauf aufbauende Aktivitäten .

Klar sind das Argumente aus der Risikosicht des Kreditgebers. Aber diesen anderen Blickwinkel aufzunehmen, zu prüfen und gegebenenfalls Konsequenzen daraus abzuleiten, ist unternehmerisch vernünftig.

 

Ein Recht auf Feedback

Wenn es auch auf Nachfrage bei einer eher restriktiven Kommunikation des Kreditgebers zu den Gründen für Kreditablehnungen bleibt, können Unternehmen diese aufbrechen mit dem Hinweis auf die „High level principles on feedback given by banks on declined SME-credit applications“.

Dies ist eine Vereinbarung vom Juni 2017, die auf Initiative der Europäischen Union in Gestalt der Kommission zustande gekommen ist. Eingebunden sind alle kreditwirtschaftlichen Verbände.

In Deutschland sind diese in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) zusammengeschlossen. Dort haben die Verbände das Thema gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks, dem Industrie- und Handelskammertag und dem Bundesverband der Deutschen Industrie beraten.

Über das Ergebnis berichtet die „BankInformation“ (Fachzeitschrift der deutschen Genossenschaftsbanken) in der Ausgabe 01/18 unter der Überschrift „Bankenfeedback bei der Ablehnung von KMU-Krediten“:

„Im Kern geht es darum, dass Kreditinstitute ihren mittelständischen Firmenkunden auf deren Nachfrage die Gründe für eine Kreditablehnung nennen und erläutern. Dabei ist dem Kreditinstitut der Kommunikationswerg, das heißt mündlich oder schriftlich, freigestellt“.

Damit haben Sie die rechtliche Grundlage, genau nachzufragen. Und Sie dürfen eine klare Benennung der Gründe und deren Erläuterung einfordern. Sie müssen allerdings damit rechnen, dass nicht alle Bankbetreuer und Banken diese über ihre Verbände eingegangene Verpflichtung immer gegenwärtig haben.

 

Warum nur auf Anfrage?

Man kann sich natürlich fragen, warum sich die Kreditinstitute nur verpflichten, auf eine entsprechende Anfrage ihrer Kunden zu antworten (wie sie dies übrigens auch bei ihrer Selbstverpflichtung zur Rating-Kommunikation nur getan haben)?

Besonders bemerkenswert erscheint, dass sich die beteiligten Wirtschaftsverbände als Interessensvertreter der KMU auf diese Struktur eingelassen haben.

Interessanterweise sind sich die Kreditinstitute selbst nicht so ganz sicher: In der Ausgabe 2-20 der BankInformation wird über den jährlichen Austausch der DK mit den drei genannten Wirtschaftsverbänden zu diesen „High level principles“ berichtet:

„Im Rahmen der offenen Finanzkommunikation der Kreditinstitute erhalten Mittelstandskunden von ihren Hausbanken in der Regel die angefragten Informationen einschließlich der Gründe für eine Kreditablehnung“.

Wieso nur „in der Regel“ und „einschließlich der Gründe“? Die „High level principles“ verlangen doch gerade das Nennen der Gründe und das zu 100 Prozent! In den zugänglichen Medien der Sparkassen-Finanzgruppe etwa habe ich keine Hinweise auf diese Verpflichtung gelesen.

Sollte der Betreuer der Bank auch nach dem Hinweis auf diese Verpflichtung der Banken keine nachvollziehbaren Begründungen geben können oder wollen, ist der Gang zur nächst höheren Kompetenzebene angesagt.

 

Ein Geben und Nehmen

Nebenbei: Eigentlich sollte das alles eine Selbstverständlichkeit sein und nicht einer Initiative der EU bedürfen. Wenn ein Unternehmen Informationen gegeben hat, die die Bank verlangt hat, dann sollte dieses Unternehmen Anspruch auf entsprechendes Verhalten seitens seiner Bank haben.

Das ist in einem partnerschaftlichen geschäftlichen Austausch eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Dank der EU können Sie es jetzt auch einfordern. Und das sollten Sie im Falle eine nicht oder nicht ausreichend begründeten Kreditablehnung auch tun!

Zum Autor:

Carl-Dietrich Sander kennt beide Seiten des Besprechungstisches in Finanzierungsfragen: 20 Jahre war er in der Firmenkundenbetreuung von Banken tätig, zuletzt neun Jahres als Vorstandsmitglied der Volksbank Neuss. Seit 1998 ist er selbstständig als freiberuflicher UnternehmerBerater: Trainer, Berater, Fachautor rund um die Themen Liquidität, Finanzierung, Rating, Bankenkommunikation. Unter anderem für die NRW.BANK hält er Unternehmer-Seminare. Sein Buch aus dem NWB-Verlag „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ ist eines der umfassenden Arbeitsbücher für Unternehmer und Berater zu seinem Themenkreis. Im Bundesverband „Die KMU-Berater“ ist er Mitglied der Fachgruppe Finanzierung-Rating.
http://www.cd-sander.de