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Creditreform

Das bloße Erwerben, Halten und Veräußern von Beteiligungen ist keine unternehmerische Tätigkeit im Sinne des Umsatzsteuerrechts. Mit diesem Verständnis wird Holdinggesellschaften regelmäßig der Abzug von Vorsteuern aus Eingangsrechnungen versagt. Auch sog. Führungsholdings, die gegen Ent-gelt aktiv geschäftsführend in das Tagesgeschäft ihrer Beteiligungen eingreifen und damit umsatzsteuerpflichtige Umsätze erzielen wird der Vorsteuerabzug teilweise versagt. Nach dem Verständnis der Finanzverwaltung haben solche Holdinggesellschaften einen unternehmerischen (Dienstleistungs-) Bereich und einen nichtunternehmerischen (Holding-) Bereich, für den der Vorsteuerabzug versagt wird.

Dieses Verständnis wurde durch die Entscheidungen C-108/14 (Larentia + Minerva) und C-109/14 (Marenave) revidiert.

Kosten einer Holding im Zusammenhang mit dem Erwerb von Beteiligungen an Tochtergesellschaften, an deren Verwaltung sie teilnimmt und insoweit eine entgeltliche, wirtschaftliche Tätigkeit ausübt, sind nach der Entscheidung des EuGH als Teil der wirtschaftlichen Betätigung dieser Gesellschaft anzusehen. Insoweit steht der Holding ein vollständiger Vorsteuerabzug zu. Eine Vorsteu-erkürzung ist allerdings (nur) dann erforderlich, soweit diese daneben auch steuerfreie Umsätze oder vorsteuerabzugsschädliche Umsätze ausführt.

Erbringt eine Holding an alle Tochtergesellschaften substantiiert Dienstleistungen gegen Entgelt, gibt es keinen nichtunternehmerischen Bereich mehr; jedenfalls nicht wegen des Haltens der Beteiligungen. Unter dieser Prämisse sind derartige Führungs- und Funktionsholdinggesellschaften im Ergebnis in vollem Umfang zum Vorsteuerabzug berechtigt.

Soweit noch nicht geschehen, sollten bei gegebenen Umständen mit den Beteiligungsunternehmen entsprechende Dienstleistungsverträge geschlossen werden. Lagen die Voraussetzungen bereits für die Vergangenheit vor, sollte auf der Grundlage der EuGH-Rechtsprechung ein versagter Vorsteuerabzug solange dies formell noch möglich ist, erneut beantragt werden.

Unter diesen Voraussetzungen sollte eine vollumfängliche Berechtigung zum Vorsteuerabzug angenommen werden können und gfs. gegenüber der Finanzverwaltung durchgesetzt werden können.