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Mladen Milicevic

© Unchained Robotics

„Zu teuer“ heißt es oft bei kleinen und mittleren Betrieben, die Roboter anschaffen wollen. Der Gründer Mladen Milicevic und sein Paderborner Startup Unchained Robotics bieten günstige Lösungen.

 

Das Problem: Mittelstand scheut Kosten

Die Erwartungen von Unternehmern an Roboter sind hoch. Sie sollen Mitarbeiter von monotonen oder gesundheitsschädlichen Tätigkeiten befreien. Sie sollen Arbeitskräftemangel kompensieren und die Produktivität erhöhen. Das zeigt eine vom Schweizer Automatisierungstechnikkonzern ABB in Auftrag gegebene Studie.

Doch auch die Vorbehalte sind beträchtlich: Bei den gut 1.000 befragten Entscheidern in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) stach ein Hindernis besonders hervor: 45,5 Prozent zeigten sich skeptisch aufgrund von Kostenaspekten.

 

Die Lösung: Roboter zum kleinen Preis

Um sich vorzustellen, wie eine Lösung aussehen kann, lohnt sich ein gedanklicher Abstecher: weg von Robotern, hin zu Pkw. Haben Sie schon mal einen Neuwagen konfiguriert? Mercedes C-Klasse etwa, Limousine, Hybridantrieb, graphitgrau, mit jeder Menge Extras? Dann stellen Sie sich vor, das ginge auch im Bereich der Automatisierung.

Ein Roboter, der sich für eine von Ihnen gewählte Branche eignet und der ein Werkstück von bis zu 6,5 Kilogramm Gewicht heben kann, entweder mit einem Greifer oder mit Saugnäpfen. Je nach Eignung erkennt er das Element entweder mit einem Sensor oder einer Kamera. Sie entscheiden.

Ein solches Angebot gibt es tatsächlich. Auf dem Marktplatz Unchained Robotics lassen sich Cobots, Greifer und Industrieroboter aus Bauteilen verschiedenster Anbieter wie ABB, Mitsubishi Electric und Omron konfigurieren.

 

Preistransparenz kommt an

Dazu wird abgefragt, um welchen Prozess es sich handelt, wie schwer das zu verarbeitende Element ist. Wie viele Produkte in acht Stunden gefertigt werden und welches Material verarbeitet werden soll. Am Ende der Konfiguration steht eine konkrete Summe. Will der Kunde zugreifen, erhält er eine herstellerunabhängige Beratung nebst Vor-Ort-Besuch, um sicherzugehen, dass der Roboter die für ihn vorgesehene Tätigkeit auch wirklich ausführen kann.

Doch das 2019 gegründete Startup kann noch mehr, etwa All-inclusive-Angebote. Vor allem die Preistransparenz kommt bei Kunden gut an, sagt Unchained-Robotics-Gründer Mladen Milicevic: „Anfangs riefen häufig Kunden an, die uns sagten: ‚Wir wussten gar nicht, dass ein Roboter für weniger als 200.000 Euro zu haben ist.‘“

Sein Unternehmen habe den Kauf von Robotern maßgeblich beschleunigt: „Wenn Sie einen Hersteller anrufen, verweist der Sie an einen Handelspartner. Dann dauert es bis zu sechs Monate, bis Sie einen Richtpreis haben. Von uns bekommen Sie den in 24 Stunden.“

 

Die Anwendung: Roboter für Ikea-Zulieferer Formaplan

Die Lösungen von Unchained Robotics stehen bei Jörg Großestrangmann an den Verpackungslinien. Der Geschäftsführer des Ikea-Zulieferers Formaplan in Hövelhof (Kreis Paderborn) startete das erste Projekt mit Unchained Robotics im Jahr 2020.

Drei Roboter benötigte er für eine Verpackungslinie, auf der zunächst 50.000 Packstücke pro Woche gepackt werden sollten. Inhalt: Schubkästen des Möbelklassikers Pax. Bei einer Internetrecherche stieß Großestrangmann auf Unchained Robotics.

Er gab Milicevic und seinem Team eine Chance – und war so zufrieden, dass er im Jahr darauf sechs weitere Roboter für zwei weitere Fertigungsstraßen kaufte. „Unchained Robotics bietet kleine Roboter günstig an“, sagt Großestrangmann. „Die neuen Roboter helfen uns dabei, dem Fachkräftemangel entgegenzutreten und schneller zu wachsen.“