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Apps, die kleinen Anwendungsprogramme für Smartphones und Tablets liegen nicht nur bei Verbrauchern im Trend. Die folgenden beiden Beispiele zeigen: Firmen können mit eigenen Entwicklungen den Vertrieb unterstützen und den Service verbessern.

Energieeffizienz spielt eine wichtige Rolle bei Investitionsentscheidungen von Unternehmen. Das weiß auch die Firma Winterhalter Gastronom GmbH aus Meckenbeuren. Der Marktführer für gewerbliche Spülmaschinen investiert unentwegt in die Verbesserung seiner Produkte, so dass sie immer weniger Energie verbrauchen. Bei den Durchschubspülmaschinen der PT-Serie etwa sorgen Abwasser- und Abluftwärmetauscher für die effiziente Erwärmung des Zulaufwassers. Das verbraucht weniger Strom und senkt die Betriebskosten. Gleichzeitig verbessert sich das Küchenklima, denn beim Öffnen der Haube entweicht nahezu kein Dampf mehr.

Hinter Innovationen wie dieser steckt viel Entwicklungsarbeit – die sich auch auf den Preis für die Maschinenniederschlägt. Um den potenziellen Käufern ihr individuelles Einsparpotenzial zu veranschaulichen, hat das Unternehmen vor drei Jahren eine eigene Energy-App entwickelt und seine Vertriebsmitarbeiter mit iPads ausgestattet: „Statt umständlich mit Excel-Listen zu hantieren, können der Außendienst und der Fachhandel schnell zusammen mit dem Kunden die Betriebskosten einer Maschine per App auf dem iPad ermitteln. Dabei wird anhand von kundenspezifischen Werten berechnet, wann sich das Investment in die ressourcenschonende Technologie amortisiert – ab diesem Zeitpunkt spart der Gastronom Jahr für Jahr bares Geld“, sagt Moritz Hainmüller, Marketing Manager für Digitale Kommunikation bei Winterhalter.

Animation statt Erklärversuche

Mit der Entwicklung hatte Winterhalter einen der damals noch raren spezialisierten Dienstleister beauftragt – ein innovatives und kostenintensives Projekt. „Inzwischen ist die Entwicklung deutlich erschwinglicher geworden“, sagt Hainmüller, der bereits eine zweite App in Auftrag gab: eine Toolbox mit allen digitalen Verkaufsunterlagen. „Unsere Niederlassungen können webbasiert selbst die Inhalte pflegen. Die Außendienstler und Fachhändler laden sich die App auf ihre iPads und haben dann alle Dokumente wie Prospekte, Animationen und technische Dokumentation zur Hand“, sagt Hainmüller. Mit den heruntergeladenen Animationen oder Videos können die Vertriebsmitarbeiter technische Sachverhalte viel anschaulicher und verständlicher erklären – ein großer Vorteil im Kundengespräch.

 Den Link zu einem praktischen Leitfaden zum Thema App-Entwicklung finden Sie in unserer App.

Mittlerweile werden alle großen Markteinführungen bei Winterhalter von Apps begleitet. „Niemand muss mehr riesige Ordner mit Prospekten oder ein Notebook mitschleppen. Der Außendienst und der Fachhandel haben dennoch alle Informationen und können die Anwendung auch offline nutzen“, erklärt Hainmüller. Auf die Netzunabhängigkeit legt er besonderen Wert, damit die Nutzer selbst in Spülküchen oder in Kellern ohne Webverbindung darauf zugreifen können.

So wie Winterhalter erkennen immer mehr Firmen den Vorteil von eigens für sie entwickelten Apps. Anders als noch vor drei Jahren, als Winterhalter seine Energy-App entwickeln ließ, ist der Markt für App-Dienstleister inzwischen immens gewachsen und die Preise – die je nach Ausgestaltung, Funktionen und Umfang bei circa 10.000 Euro liegen – sind entsprechend gefallen. Heute bietet fast jede Webagentur entsprechende Unterstützung an, die sich passgenau in Abstimmung mit den Nutzern umsetzen lässt. Ihre Auftraggeber müssen lediglich beachten, welche Endgeräte mit welchen Betriebssystemen die Zielgruppe einsetzt. Soll die jeweilige, sogenannte „native“ App auf mehr als einer Plattform laufen, muss sie nämlich für jedes mobile Betriebssystem extra entwickelt werden.

Die App als Vertriebsinstrument

So hat zum Beispiel auch die Grundfos GmbH ihre Anwendung für die Verkaufsunterstützung erst für das iPad und anschließend auch für die stark zunehmende Zahl von Android-Geräten entwickeln lassen. Seit Jahren bietet der Pumpenhersteller Fachhandwerkern und Gebäudeplanern mit CAPS (Computer Aided Product Selection) eine computergestützte Produktauswahl an. Mit Unterstützung der App können sie die Kernfunktionen auf ihren mobilen Endgeräten nutzen. „So lassen sich etwa die technischen Informationen über unserePumpen bequem damit abrufen“, sagt Rainer Neuwald, verantwortlich für die Website von Grundfos.

Die Entwicklung von der Idee bis zur maßgeschneiderten Lösung dauerte beim Erkrather Unternehmen fünf Monate. Nun wird die App sowohl als Dokumentationstool als auch zur Verkaufsunterstützung eingesetzt: So finden die Kunden dort alle notwendigen Informationen über die Grundfos-Pumpen und ein Video mit den technischen Details. Über eine Augmented-Reality-Funktion können sie sogar in das Innere der Pumpe schauen und sie im Betrieb beobachten. Je nachdem, welches Gerät mit welchem Betriebssystem sie nutzen, laden sie sich das Programm vom App Store oder von Google Play herunter.

Eine Alternative zu den nativen Apps fürs iPad oder für Android-Geräte bieten Anwendungen über mobile Websites, die völlig unabhängig vom Betriebssystem oder Endgerät genutzt werden können. Sie werden nicht auf die Geräte heruntergeladen, der Zugriff erfolgt also immer online. Diese Variante bietet Winterhalter Gastronom seinen Fachhändlern anstelle einer kostenintensiven Neuprogrammierung des „Scouts“ für Android-Geräte. „Die mobile Website kann sowohl mit Android als auch beim Fachhändler direkt am Computer oder Notebook im Laden genutzt werden“, erklärt Hainmüller den Vorteil.

 

IN SIEBEN SCHRITTEN ZUR EIGENEN APP

Diese Aspekte sollten Unternehmen auf dem Weg zur eigenen mobilen Anwendung beachten:

• Formulieren Sie, welche Ziele Ihr Unternehmen mit der eigenen App erreichen will.

• Prüfen Sie, ob das IT-Know-how für die Entwicklung und Gestaltung der Anwendung bereits im Haus vorhanden ist oder ob Sie einen externen Dienstleister hinzuziehen müssen.

• Bestimmen Sie, welche Abteilungen, Personen, Partner und Dienstleister grundsätzlich bei App-Entwicklungen eingebunden werden.

• Legen Sie fest, auf welchen Geräten und folglich auch mit welchen Betriebssystemen die Anwendung künftig laufen soll.

• Definieren Sie, welche Daten auf das mobile Endgerät übertragen und wie diese gesichert werden müssen.

• Checken Sie, welche vorhandenen Prozesse im Unternehmen angepasst werden müssen, damit aktuelle Informationen und Updates schnellstmöglich in die App übernommen werden können.

• Bestimmen Sie einen internen Verantwortlichen oder externen Dienstleister, der den Betrieb, den Support und die Weiterentwicklung der Anwendung übernehmen soll.