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© Adrian Deweerdt/Unsplash

Die Einsatzmöglichkeiten von Augmented und Virtual Reality sind vielfältig: Wartungen von Maschinen werden effizienter, Mitarbeiter können aus der Ferne geschult werden und Produkte lassen sich besser darstellen. Raumtänzer hilft – mit Expertise und mit einer Software.

 

Das Problem

Dass Augmented und Virtual Reality (AR und VR) mehr sind als nur Spielerei für Gamer haben die Technologien längst bewiesen.

PwC zufolge verlassen Anwendungen aus dem Bereich der erweiterten und virtuellen Realität ihr Nischendasein: Die Berater prognostizieren für Deutschland im Jahr 2030 ein wirtschaftliches Potenzial von rund 93 Milliarden Euro.

Die Art und Weise, wie Organisationen arbeiten, werde revolutioniert – AR und VR sorgten für effizientere Prozesse und effektivere Weiterbildungen, heißt es. Doch noch besitzen nur wenige Unternehmen das Know-how, AR- und VR-Anwendungen selbst zu entwickeln, oder sind bereit, hohe Summen in deren externe Entwicklung zu investieren.

 

Die Lösung

Das Startup Raumtänzer hat sich seit 2015 auf AR- und VR-Anwendungen spezialisiert. Gestartet als Spin-off der Universität Bielefeld, wollten die Gründer Thies Pfeiffer und Christian Terhechte zunächst dafür sorgen, dass Service- und Wartungsarbeiten effektiver werden.

Bei standardisierten Wartungsfällen kann ein Servicetechniker vor Ort auf Videos, Bilder und 3D-Daten zurückgreifen. Bei individuellen Servicefällen kann er per Videoanruf mit einem Experten zusammenarbeiten.

Dieser kann Markierungen in die Bildaufnahme einfügen, die zeigen, was wann in welcher Reihenfolge getan werden muss – einen virtuellen Pfeil etwa, der zeigt, an welcher Stelle die Maschine geöffnet werden muss. „Maschinen- und Anlagenbauer sparen sich im Wartungs- oder Servicefall den oft langen Weg zum Kunden“, sagt Christian Terhechte.

Darüber hinaus entwickelt Raumtänzer realitätsnahe Schulungen, die Mitarbeiter informieren, ohne dass sie sich an ihrem späteren Einsatzort befinden: Maschinen werden virtuell zum Leben erweckt oder gefährliche Umgebungen nachgebildet.

Um die Inhalte verwalten zu können, hat das Startup eine SaaS-Lösung (Software-as-a-Service) entwickelt – ein Content-Management-System für AR- und VR-Inhalte.

Das macht die Anwendungen von Raumtänzer erschwinglich: Das Unternehmen bietet einen Workshop zur Entwicklung einer Lösung für 7.900 Euro an und die Lizenz-Software für 449 Euro monatlich.

 

Die Anwendung

Zu den Raumtänzer-Kunden zählt Böllhoff. Das Familienunternehmen wurde im Jahr 1877 als Schraubenhersteller gegründet und bietet mittlerweile Verbindungstechnik mit Montage- und Logistiklösungen an.

Mit AR und VR kann Innovationsmanager Mario Graßy das Supply-Chain-Produkt ECOSIT (ECOnomic Supply in Time) und das dazugehörige Behältersystem ECOBIN besser zeigen.

Um die scheinbar schlichte blaue Box zu ergründen, lädt der Betrachter die Raumtänzer-App herunter und erfasst eine Abbildung in einem Prospekt mit der Linse seines Smartphones oder Tablets.

Dann erscheinen die verschiedenen Formate und Funktionen in 3D. „Statt Muster in unterschiedlichen Größen zu Kunden zu transportieren, zeigen unsere Außendienstmitarbeiter einfach das Prospekt“, sagt Graßy.

ECOSIT lässt sich mit einer VR-Brille auf Messen im Einsatz bewundern. Der Innovationsmanager ist zufrieden: „Alles ging schnell und professionell. Dank Raumtänzer konnten wir im Außenauftritt beweisen: Wir nutzen innovative Technologien und sind weit mehr als ein Schraubenhersteller.“