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Creditreform

Mit dieser Zeitaufteilung setzt Vodafone genau das gesunde Maß zwischen Präsenzpflicht und flexibler Arbeit um, das auch die Strategieberatung Gallup empfiehlt: Ihren Studien zufolge ist die Produktivität im Unternehmen am höchsten, wenn zwischen zwei und zweieinhalb Tagen auswärts, der Rest der Woche dafür aber im Büro gearbeitet wird. Ziel sollte immer sein, den Arbeitsrhythmus an die eigene Produktivität anzupassen – ohne dabei die Prozesse im Team zu missachten, rät der Journalist Markus Albers, der für sein Buch „Meconomy“ die Zukunft der Arbeit erforscht hat. Bei Vodafone wird darauf geachtet, dass es feste Tage in der Woche gibt, an denen alle Mitarbeiter eines Teams im Büro zusammenkommen.

Zudem unternimmt der Konzern viel, um Talente zu verwöhnen und zu halten: Es gibt ein Arztzentrum, eine Kindertagesstätte und ein Fitnessstudio, das kulinarische Angebot umfasst neben fünf Themenpavillons auch gesundes Frontcooking im Mitarbeiterrestaurant, in dem sich einmal monatlich ein Sternekoch die Ehre gibt. Was nach Wellnesshotel klingt, ist laut IAO-Forscher Rief mit Blick auf den Fachkräftemangel durchaus angebracht: „Talente fordern inzwischen selbstbewusst eine optimale Arbeitsumgebung.“

Aber auch in der Breite der Arbeitnehmerscha deutet eine Studie des Büroausrüsters Steelcase durchaus auf Handlungsbedarf hin: 41 Prozent aller Befragten gaben an, „unzufrieden“ mit ihrer Arbeitsumgebung zu sein. Der hohe Geräuschpegel im Großraumbüro verursache Stress, Bereiche für konzentriertes Arbeiten fehlten. 40 Prozent aller Befragten sagten zudem, dass ihr Unternehmen „kein guter Platz zum Arbeiten“ sei und nicht zu ihrem persönlichen Stil passe. Interessant: Von allen Befragten besitzen 79 Prozent noch einen festen Schreibtisch – und nur 36 Prozent haben die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. In solchen Ergebnissen liegen enorme Chancen, findet Steelcase- Vorstandsmitglied Stephan Derr: „Menschen gehen gern ins Büro, sie treffen dort Kollegen und finden hier im Idealfall die richtigen Voraussetzungen für ihre Tätigkeit.“ Geben Unternehmen ihren Mitarbeitern also mehr Freiheiten, die eigene Arbeitsumgebung zu wählen und zu gestalten, erhöht dies die Zufriedenheit und das Wohlbefinden signifikant.

Im Düsseldorfer Vodafone-Tower wird auf viel individuellen Raum und auf Rückzugsmöglichkeiten Wert gelegt. © Total Office Management AG

Im Düsseldorfer Vodafone-Tower wird auf viel individuellen Raum und auf Rückzugsmöglichkeiten Wert gelegt. © Total Office Management AG

„Die Menschen sind heute einfach anders“, begründet Martin Kleibrink, der vor ein paar Jahren als Corporate Architekt bei der Credit Suisse das Büroprojekt „Smart Working“ begleitet hat. Die Ziele: mehr Kollaboration, mehr Flexibilität, mehr Produktivität. „Und das mit spektakulärem Erfolg“, bescheinigt Markus Albers, der das Projekt für sein Buch beobachtet hat: 56 Prozent der Mitarbeiter hätten sich in den neuen Büro motivierter als vorher gezeigt, 45 Prozent empfänden die Bank seither als besseren Arbeitgeber und 76 Prozent fühlten sich vom Unternehmen mehr wertgeschätzt. „Erzählen Sie mal einem erfolgreichen Hochschulabsolventen, der quasi sein Leben lang mit der Welt über Twitter und Facebook vernetzt war, dass er seinen Karrierestart mit dem Absitzen von Kernarbeitszeiten an monotonen und immer gleichen Arbeitsplätzen verbringen soll“, so Martin Kleibrink. So werde man die Leute künftig nicht mehr in die Unternehmen bekommen.

Moderne Studios statt stupider Büros

Wie das aber sehr wohl gelingt, zeigt der Spieleentwickler King, für dessen Niederlassungen auf der ganzen Welt die Designerin Lan Yang vom britischen Architektenbüro Penson das Office-Konzept entwickelt hat. Die Spielewelten der Firma, die hinter der beliebten App „Candy Crush Saga“ steckt, finden sich daher in sämtlichen Arbeitsräumen wieder und sollen für Kreativität, Arbeitsfreude und Identifikation der jungen Talente mit King sorgen. Seit 2014 ist die Firma auch in Berlin vertreten.

Das mittelständische Unternehmen Graef hat als Projektpartner das Konzept realisiert und die Reise in das neue Büro mit verantwortet: 1.400 Quadratmeter mit hohen, hellen Räumen, bunten Sitzgruppen und 22 Meetingräumen. Als Highlight verbindet eine Rutsche die zwei Stockwerke miteinander. „King setzt auf flache Hierarchien – und auf Form und Charakter der Räume, die Spaß und die spielerische Seite der Firma reflektieren“, sagt Graef-Architekt Tim Reusch. Die klassischen Arbeitsplätze seien dafür subtil und professionell gehalten, was „Funktionalität und Workflow“ gewährleiste. Arbeit findet aber genauso an der Tischtennisplatte oder im Games Room an Spielekonsolen statt.

Natürlich passen bunt und verspielt nicht zu jeder Branche oder zu jeder Stelle. „Ein Controller braucht im Zweifelsfall kein Kreativität förderndes Umfeld, sondern einen ruhigen Arbeitsplatz“, sagt Gabriele Amann. Die Expertin für Arbeitsplatzgestaltung erzählt von einer Kundin, die zwar sehr kreativ war – jedoch Schwierigkeiten mit strukturiertem Arbeiten hatte. Ein Blick in ihr Büro verriet, warum: zu viele Ablenkungen, zu viele offene Vorgänge auf dem Tisch. Also sorgte Amann für neue Ablagestrukturen, klare Linien und Farben.

Edel und modern hingegen sind Eigenschaften, die wohl jedem Mitarbeiter zusagen – egal aus welcher Branche. „Das Büro der Zukun hat Ähnlichkeit mit einer Hotellobby oder dem Warteraum eines Flughafens“, findet der Architekt Dietmar Lenz. Komfort ist ein wichtiges Kriterium, damit sich Mitarbeiter wohlfühlen – Begegnungsqualität wiederum ist wichtig für die Innovationskra einer Firma, weil sie den Austausch und damit die Kreativität der Belegscha fördert.

 

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